Lokaljournalismus-Blogs im Netz: Lebensfähig?

von visualpunch.ch

Die Zeitungskrise ist derzeit in aller Munde. Neben der Insolvenz von der “Frankfurter Rundschau”(FR) , der “Finanical Times Deutschland” (FTD), dem Stadtmagazin “Prinz” oder der Nachrichtenagentur “dapd” kämpfen auch Regionalzeitungen gegen die schwindene Zahl der Leser und der sinkenden Werbeeinnahmen.

Doch die Menschen interessiert es trotzdem, was in ihrem Dorf, ihrer Stadt, ihrem Kiez oder in ihrem Landkreis passiert. Deshalb versuchen Lokaljournalismus-Projekte, neben den klassischen Lokalseiten einer Regionalzeitung, im Netz Geld zu verdienen. Vor drei Jahren sind eine Reihe Lokaljournalismus-Blogs entstanden.

Ein Rückblick, wie viele Projekte davon heute überlebt haben und welche Blogs gescheitert sind:

  • Egal ob Politik, Alltag oder anstehende Termine: Das Team der “Prenzlauer Berg Nachrichten” mit zwei festen Journalisten und eine Vielzahl an freien Autoren, berichtet seit mittlerweile zwei Jahren rund um den Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Da die Berliner Zeitungen meist nur über die ganze Stadt berrichten, möchte das Blog als Nischenprojekt für die Einwohner aus dem Stadtteil Berlins fungieren. Die Website erreicht zur Zeit im Monat circa 20.000 Leser. Das Werbegeschäft deckt mittlerweile die Bezahlung der Journalisten und die technische Wartung der Homepage ab. Mittelfristig möchte sich das Team aber nicht nur durch Online-Werbung finanzieren, sondern mit einem sogenannten “Freundeskreis” hilfreiche Fördermittel eintreiben. Wenn die Fan-Gemeinde groß genug ist, könnte es das zweite finanzielle Standbein neben der klassischen Online-Werbung sein.

Doch vor allem die Versuche im Lokalen von etablierten Verlagen sind nach zwei Jahren gescheitert. Beispiele dafür sind zum Beispiel:

  • Die Stadtteilblogs vom “Hamburger Abendblatt”: Das Ziel war es, dass Stadtteilreporter “hautnah und direkt” aus ihrem Stadtteil berichten. Doch die Blogs wurden nach einem Jahr abgestellt. Stattdessen wurden die Hamburger Stadtteile unter den Redakteuren aufgeteilt, da die Interaktion mit Lesern nicht funktioniert hatte.

Ein Blick nach USA zeigt, dass auch dort einiges im Bereich Lokaljournalismus im Netz ausprobiert wurde. Viele Projekte gehören mittlerweile der Geschichte an.

  • Die “New York Times” hatte 2009  das Stadtteil-Blog “The Local” gestartet. Es sollte mit Hilfe der Bürgerjournalisten über Gegenden informiert werden. Nach drei Jahren wurde das Projekt eingestellt.

Es scheint, dass sich für (große) Medienunternehmen bis dato Lokaljournalismus-Projekte im Netz nicht lohnen, da sich dort (zu) wenig Geld verdienen lässt.

Bleibt Platz für kleinere, freiwillige Projekte, die aus Überzeugung für ihre Stadt die Menschen mit interessanten Themen informieren wollen. Meist sind es Studenten, die ohne Bezahlung in ihrer Freizeit sich Projekten im Netz anschließen. Beispiele dafür sind zum Beispiel “Mittendrin” und “Elbmelancholie” aus Hamburg.

Der Rückblick zeigt demnach ganz gut, dass Lokaljournalismus-Projekte im Netz ohne durchdachte Finanzierungsmodelle keine Überlebenschancen haben. Außer es ist eine (unbezahlte) Herzensangelegenheit aller Mitglieder.