Zurück in die Realität

von Stella Lorenz

Ein kleiner Aufruhr geht am 2. November 2015 durch die Medien: Das australische It-Girl Essena O’Neill, ihres Zeichens Youtube- und Instagram-Star mit einer beträchtlichen Zahl an Followern, schmeißt hin. Kehrt Social Media den Rücken und plädiert in einem knapp 18-minütigen Video für ein Leben in der realen Welt.

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“Social media is an illusion.”

Mit 12 fühlt sie sich “miserable”, weil sie noch ganz am Anfang ihrer Social-Media-Karriere steht, ihre Vorbilder beneidet. Sechs Jahre später ist sie es, die einen Status erreicht hat, der beneidenswert ist – scheinbar. Denn sie fühlt sich immer noch schrecklich. Ganz ‘normale’ Mädchen und Jungs – das heißt, solche ohne professionelle Schauspiel- oder Modelwurzeln – präsentieren sich auf Instagram mit tollen Klamotten, an paradiesischen Orten und mit Traumkörpern, beim Sport und beim Essen. Alles ganz natürlich, glaubwürdig. Man ist ja nicht auf vogue.de und schaut sich keine gestellten Fotostrecken an, oder? Man ertappt sich dabei, dass man denkt “Wow – was für ein Leben!”. Vielleicht keimt ein wenig Neid auf. Aber im Grunde finden wir das, was Blogger und Instagramer zeigen, meist glaubwürdig. Social Media ist ja schließlich jedem zugänglich, alle diese ‘berühmten’ Menschen haben dort angefangen, wo wir immer noch stehen. Kein Gedanke daran, dass jemand, der es so weit geschafft hat, unzufrieden sein könnte.

Mit ihrem emotionalen Video hat Essena einen ersten kleinen Schritt getan, dass diese Glaubwürdigkeit bröckelt. Sie prangert die konstruierte Realität, die nichtssagenden Fotoshoots, die gestellten Situationen und die perfekte Maske an. Sie hatte alles, sagt sie. Und doch nichts, sie ist allein und weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anstellen soll. Ein Leben, dass auf der Anerkennung von Leuten fußt, die sie nicht mal kennt – das kann es doch nicht sein. Folgerichtig ändert Essena alle ihre Instagram-Untertitel, erklärt die wahren Hintergründe des Bildes. Sie löscht fast alle Videos ihres Youtube-Kanals, außer jene, hinter deren Inhalten sie ehrlich steht.

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“THERE IS NOTHING REAL ABOUT THIS.”

Am Ende ihres Appells fordert sie andere Betroffene auf, sich an ihrer Initiative Let’s be Game Changers zu beteiligen und so sich selbst vor allem der Welt zu helfen. Ihre Lebenshaltungskosten will sie fortan durch freiwillige Spenden decken. Auch eBooks und weitere Projekte sind geplant.

Was denkt ihr? Bemitleidenswert, aufmerksamkeitsheischend, interessiert keinen? Muss etwas passieren in der Social Media-Szene? Hinterlasst uns eure Meinung in den Kommentaren!

edit: Essena hat sich mittlerweile dazu entschieden, ihren Youtube-Kanal sowie ihren Instagram-Account zu löschen.