Zahlen bitte! Was? Für Journalismus, wie denn?

Ja, ich habe noch Ideale. Ich glaube noch daran, dass der Journalismus eine Aufgabe in unserer Gesellschaft hat – trotz Politikverdrossenheit, Mediensterben und Stellenabbau. Doch auch ich stelle mir natürlich die Frage: Wie lässt sich das finanzieren, was ich gelernt habe, was mein Beruf ist?

Money, Geld, Kohle
Money, Money, Money – Wenn das mal so einfach wäre.
Foto: 401(K) 2013, CC-BY-SA via flickr

Wer soll das bezahlen? Wer hat soviel Geld? Über Lösungen, wie mit Journalismus Geld zu verdienen ist, wurde schon viel diskutiert – da kann man auch mal den Überblick verlieren. Im Folgenden fasse ich daher einige der Ideen aus diesem Jahr zusammen.

Hoffnung Amazon

Als in diesem Jahr die Übernahme der Washington Post durch Jeff Bezos bekannt wurde, blickte die deutsche Medienbranche gespannt in die USA. Was wird der Mann von Amazon mit dem Traditionsblatt machen? In der Branche hoffen nicht wenig auf die Impulse des Quereinsteigers.

Eine Entwicklung, die sich einige auf dem Besser-Online Kongress in Mainz gewünscht hatten (MP3), ist auf den ersten Blick nur eine weitere Bezahlmöglichkeit für journalistische Inhalte im Netz. Aber: Eine Bezahlmöglichkeit, die so leicht und einfach zu bedienen ist, wie Amazons One-Klick-Payment System.

Der Effekt ist zwar nicht ganz so groß, wenn Springer, Burda und Gruner+Jahr jeweils ein eigenes simples Bezahlsystem anbieten. Der Kunde braucht trotzdem noch drei unterschiedliche Konten, muss sich drei Mal einloggen. Das wäre aber schon einmal ein Anfang. Es wird eine schlanke, nutzerfreundliche Lösung gebraucht. Der Bezahlprozess darf den Nutzer nicht vom Bezahlen abhalten.

Darf’s ein bisschen Mehr sein an der Bezahlschranke?

Infografik: Freemium populärstes Paid Content Modell | StatistaDas Jahr 2013 war auch das Jahr der Bezahlschranken, neudeutsch Paywalls. Was sich 2012 abgezeichnet hatte, wurde 2013 fortgesetzt. Während in den USA die ersten Paywalls wieder niedergerissen werden, wird in Deutschland weiter aufgerüstet.

Wie viele Artikel dabei frei zu lesen sind – ein Gefühl, wie an der Wursttheke. Mal sind es zehn freie Artikel, häufig auch zwanzig Artikel bevor die Bezahlschranke fällt. Mal gibt’s dann aber auch ein besonderes Angebot oben drauf, wenn der Nutzer zahlt – Stichwort: BildPlus. Das Angebot wurde erst eher als „Rohrkrepierer“ wahrgenommen, sorgte dann aber mit seinen Abozahlen für Beachtung in der Branche.

Es gibt harte Bezahlschranken, Freemium Paywalls, Social Paywalls (z.B. taz zahl ich) und es gibt das Metered Konzept. Als Vorbild für die metered Paywalls wird noch immer die New York Times genannt. Wer bei den unterschiedlichen Modellen nicht durchblickt, findet auf Wikipedia einen eigenen Eintrag zu den Bezahlmauern. Und der BDZV stellt eine Liste mit den Paid Content-Angeboten deutscher Zeitungen bereit.

 

Machen wir Medienmenschen das mit der Paywall einfach nur falsch? Könnten wir deutlich mehr Geld verdienen, wenn wir etwa von Free-2-Play-Games lernen? Auf diesen Gedanken kam ich auf dem BarCamp Rhein-Main 2013. In einer Session wurden hier die psychologischen Tricks beim Geldverdienen in Free-2-Play-Games aufgezeigt und hinterfragt.

Exkurs: Geld verdienen in Free-2-Play-Games

So wird Spielern dieser Games etwa an entscheidenden Stellen ein wichtiger Spielgegenstand weggenommen, der nur durch das Bezahlen einer Gebühr wieder erlangt werden kann. Alternativ wird das Spiel so unterbrochen, dass der Spieler an entscheidenden Stellen nur durch das Bezahlen mehrerer geringer Beträge im Spielverlauf fortfahren kann. Der Schlüssel dabei – beim Spieler wurde das Verlangen weiterzuspielen zuvor gezielt aufgebaut.

Ein weiterer Aspekt erinnert ein bisschen an das Freemium-Konzept von journalistischen Paywalls: Bei einigen Spielen kann die Basic Version kostenlos gespielt werden. Premiumangebote, wie bestimmte Waffen, ein grafisch ansprechenderes Design, ein bestimmter Anzug für die Spielfigur müssen / können aber kostenpflichtig erworben werden. Damit sich die eigene Spielfigur von denen der Freunde abhebt, investieren die Spieler. Zwar werden für einzelne Bestandteile nur geringe Summen verlangt, so verlieren Spieler aber leicht den Überblick, wie viel sie am Ende des Monats insgesamt investiert haben.

Game Shop
Free-2-Play-Games: Bei diesen Spielen wird erst im Spiel gezahlt.
Foto: Mr Hicks46; CC-BY-SA via flickr

Dann gibt es da auch noch das Niedlich-Konzept. In einem Spiel, sagen wir im Wilden Westen, geht es darum, sich eine Existenz aufzubauen. Bei einer Wanderung durch die Prärie trifft der Spieler auf ein verletztes Tier – sagen wir es ist ein Lamm. Das Lamm bietet für den Spieler keinen konkreten Mehrwert. Es wurde jedoch von einem Wolf angefallen. Der Spieler wird nun vor die Wahl gestellt: Er kann das Lamm retten, wenn er einen bestimmten Betrag bezahlt. Bezahlt er nicht, stirbt das Tier. Der Gamer muss sich entscheiden.

Dass sich diese Dinge nicht 1:1 auf den Journalismus und die Paywalls übertragen lassen, ist klar. Vielleicht können wir Medienmacher aber davon lernen. – Exkurs Ende.

SMO statt SEO, native advertising statt Banner?

Kaum ein Online-Medium kommt heute noch ohne SEO aus – selbst Blogs betreiben SEO-Maßnahmen. Überschriften, Teaser, Bilder, ganze Texte werden so optimiert, damit Suchmaschinen die Texte möglichst gut lesen und dann auch anzeigen können. SEO scheint überlebenswichtig im Netz zu sein. Was aber, wenn da der Fehler liegt? In den USA ist Buzzfeed unter anderem deshalb so erfolgreich, weil dort die Inhalte für das Teilen im sozialen Netz (Social Media Optimization) aufbereitet werden. SEO steht erst an zweiter Stelle.

Buzzfeed sorgt auch mit native advertising und sponsored posts für Diskussionen in der Branche. Die Kennzeichnung als Werbung wird von den Nutzern nur nebenbei wahrgenommen. Werbung ist zur Geschichte geworden, die Werbebotschaften sind in Artikelform verpackt. Ein Erfolgsrezept? Sind die Werbeformate, die bisher etwa als Banner von den Agenturen angeliefert werden, folglich nicht optimal?

Dann müssen wir uns aber auch noch fragen, ob wir Erfolge auf unseren Seiten mit dem richtigen Maß messen. Unique Users, Visits, Visitors – das sind alles Begriffe aus der aktuellen Erfolgsmessung der Online-Angebote. Die neue Blogging-Plattform medium.com setzt dagegen nicht auf Klicks, sondern auf die reale und die geschätzte Lesedauer der Beiträge.

Den Servicebeitrag für Service nutzen

Davon unabhängig wird auch diskutiert, ob es für die Sicherung der Demokratie und des Journalismus einer Kulturflatrate bedarf. Eine Debatte, die angesichts möglicher Mehreinnahmen beim Servicebeitrag (ehemals Rundfunkgebühr) neu geführt werden sollte.

Wenn der Markt den Journalismus online nicht bieten kann, muss dieser entweder öffentlich-rechtlich angeboten werden oder die Finanzierung (auch für Print) über eine Abgabe aller Bürger gestemmt werden. Dabei könnten dann gezielt etwa Korrespondentennetze für die Auslandsberichterstattung, Lokaljournalismus oder Recherchereisen finanziert werden. Wie über eine Verteilung der Mittel an einzelne Medien zu entscheiden ist, darüber wäre sicher noch zu diskutieren. Auch was das Modell von Journalismus-Stiftungen betrifft.