Wie finanziert sich investigative Recherche?

Diese Frage haben wir uns anlässlich des wöchentlichen Kolloquiums gestellt und drei Beispiele aus der Praxis vorgestellt, die zeigen, wie es (nicht) gehen kann.

Wie investigative JournalistInnen und Rechercheteams arbeiten und warum diese Arbeit so wertvoll ist, dürfte auch den sonst nicht so medienaffinen Menschen spätestens seit Veröffentlichung des oscarprämierten Spielfilms „Spotlight“ bekannt sein.

Für alle, die es nicht wissen, erklärt (ausnahmsweise) Wikipedia: „Investigativer Journalismus ist eine Art des Journalismus, bei der einem bestimmten Thema oder Ereignis untersuchend nachgegangen wird. Die Hintergründe eines Ereignisses werden recherchiert, weniger Offensichtliches aufgedeckt und miteinander in Zusammenhang gebracht.“ So weit, so wichtig.

Hierzulande haben dieses Jahr vor allem die Veröffentlichungen der Panama bzw. Paradise Papers für Furore gesorgt, die auf die Recherche des Internationalen Konsortiums für investigative Journalisten zurückgehen. Dazu später mehr. Zunächst werfen wir einen Blick auf unsere österreichischen Nachbarn, genauer gesagt die Rechercheplattform Addendum, zu Deutsch: Das, was fehlt.

Wöchentlich veröffentlicht das Team aus erfahrenen Online-JournalistInnen und WissenschaftlerInnen ein neues Projekt aus zehn bis zwanzig multimedialen Beiträgen. Doch wie finanziert sich diese aufwändige Arbeit? Hinter Addendum steht die Quo Vadis Veritas Privatstiftung, die dem Milliardär und Red Bull-Haupteigentümer Dietrich Mateschitz gehört. Grund genug für Jan Böhmermann, im Neo Magazine Royale über dieses fragwürdige Finanzierungskonzept herzuziehen (ab Minute 11:30):

Ganz anders handhabt es Correctiv: Das erste gemeinnützige Recherchezentrum Deutschlands hat den Status einer Non Profit Organisation. Das bedeutet, dass es keinen Profit machen darf, sondern sämtliche Gewinne in die weitere Arbeit investieren muss. Die Finanzierung ist dreigeteilt in Einzelspenden, Fördermitglieder – zurzeit rund 2.600 Personen – und Stiftungszuwendungen. Letztere sind aber fast immer projektbezogen und daher zeitlich begrenzt, weshalb die Correctiv-Redaktion sich mindestens 5.000 Fördermitglieder wünscht, um ohne finanzielle Unsicherheit arbeiten zu können.

An der Arbeit des bereits erwähnten Internationalen Konsortiums für investigative Journalisten, das 1997 in Washington gegründet wurde, sind mehr als 200 Medienschaffende aus 70 Ländern beteiligt. Seit Kurzem hat es ebenfalls den Status einer Non-Profit-Organisation. Dennoch geriet das ICIJ wegen der Finanzierung schon häufig in die Kritik: Fast alle Geldgeber, darunter die Ford Foundation und die Open Society Foundations des Multimilliardärs und Hedgefonds-Managers George Soros, stammen aus der Industrie- und Finanzwelt.

Können JournalistInnen unabhängig berichten, wenn sie von Stiftungen – ob privat oder nicht – finanziert werden, die ein eigenes Interesse haben? Dieser Frage hat sich unter anderem Matthias Holland-Letz gewidmet. Die Überschrift seines Beitrages: „Wenn Stiftungen den Journalismus finanzieren – wer recherchiert dann kritisch zu Stiftungen?“ bringt das Problem auf den Punkt. Um nicht nur das Problem zu benennen, sondern auch Lösungen zu finden, haben wir folgende Frage in den Raum geworfen:

„Wenn nicht Stiftungen oder Privatleute – wer soll oder kann dann investigative Recherche finanzieren?“ Betretenes Schweigen. Ja, wer eigentlich? Eine Möglichkeit, für die sich besonders unsere Professoren Dr. Lorenz-Mayer und Torsten Schäfer begeistern konnten, war die des bereits bestehenden Beitrags für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Anstatt über seine Abschaffung zu diskutieren, sollten wir also eher hinterfragen, wie man das Geld im Sinne von hochwertigem Journalismus sinnvoll einsetzen könnte.

Vielleicht in einem anderen Kolloquium…

Von Laura Sprenger

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