Was sagt uns der Grimme-Online-Award über die Geschichte des Journalismus im Internet?

Der Grimme-Online-Award ist die Auszeichnung für publizistische Qualität im Internet. Die wechselnden Jurys des Grimme-Instituts beobachtet seit 2001 herausragende Online-Angebote im deutschssprachigen Raum. Für ein Medienentwicklungsprojekt ist das ein großer Schatz.

Sitz des Grimme Instituts in Marl. <br /> Foto: Grimme Institut
Sitz des Grimme Instituts in Marl.
Foto: Grimme Institut

Worum geht es?

Bis zu 30 Angebote nominiert das Grimme-Institut jedes Jahr. Seit 2005 die Kategorien geändert wurden, sind das über 200 relevante Online-Angebote von hoher publizistischer Qualität. Das ist nicht nur eine Fundgrube für tolle Seiten im Internet, das ist auch ein großes Stück Entwicklungsgeschichte des Online-Journalismus. Wir schauen uns alle Nominierten und Preisträger an und wollen Rückschlüsse ziehen wie zum Beispiel:

  • Wie haben sich Online-Angebote verändert, welche Gründe gibt es hierfür?
  • Gibt es Zusammehänge zwischen technischem Fortschritt und publizistischer Qualität im Netz?
  • Etabliert der Grimme-Award publizistische Standards im Netz, oder: sind die Auszeichnungen relevant für den (kommerziellen) Medienwandel?

Wie gehen wir vor?

Wir haben rund 25 Kriterien in 9 Gruppen entwickelt, mit denen wir alle Angebote vergleichbar machen wollen. Dabei bewerten wir auf Basis eigener qualitativer Umschreibungen und in steigernder Form: Gibt es z.B. im Rahmen inhaltlicher Interaktivität Parizipationsmöglichkeiten – und wie sehen die aus? Kann ich als Nutzer Themen vorschlagen, selbst bereitstellen – oder arbeite ich sogar gemeinsam mit anderen Nutzern an einem inhaltlichen Produkt, wie das z.B. in gesteigerter Form bei Wikipedia der Fall ist? Wer steht hinter einem Angebot, gibt es kommerzielle Interessen, sind Angebote besondere Einzelleistungen oder Resultat redaktioneller Arbeit?

Was ist das Ziel?

Am Anfang standen die unzähligen nominierten Angebote seit 2005 und so eine Art archäologische Neugierde: 2005, das ist für den kommerziellen Onlinejournalismus frühes Holozän. Für uns steht nicht das Angebot im Jahr 2013 im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Angebote sich verändert und aufeinander aufgebaut haben.  Auch interessant für uns ist, was sich nicht verändert hat. Wir können abbilden, was erst durch technische Entwicklungen möglich wurde – und was sich daraus entwickelt hat. Was verdrängt wurde und was sich in jüngster Zeit an Trends zu etablieren scheint.

Was ist bisher passiert?

Wir haben unsere Kriterien schon mehrfach überarbeitet, um allen Angeboten generell gerecht werden zu können. Wenn wir scheitern, scheitern wir an einem Kriterienkatalog, der mehr Verwirrung stiftet als das er Transparenz schaffen kann. Deshalb haben wir dem viel Zeit gewidmet und beackern jetzt alle Angebote mit unserem erprobten Einstufungsraster durch, für das wir ein gemeinsames Selbstverständnis für jedes Kriterium auch schriftlich fixiert haben.

Wer arbeitet daran?

Naina Singh und Jonathan Linker