Was ist eigentlich “funk”?

„Fickt euch!“ oder „Auf Klo?“. Nein, das sind keine neuen Jugendsätze, sondern Namen für Online-Formate aus dem jungen Angebot „ funk“ von ARD und ZDF. funk soll das junge Publikum erreichen und richtet sich an Personen im Alter von 14-29 Jahren. Merkwürdig nur, dass die meisten von uns das Angebot gar nicht nutzen – obwohl wir der Zielgruppe angehören. Grund genug, um es uns gemeinsam anzuschauen.

von Naoual Abardah und Johanna Hilbig

Was ist funk?

ARD und ZDF reagieren mit funk relativ spät auf den Wandel der Mediennutzung von jungen Leuten. Denn das klassische lineare Fernsehen verliert in dieser Zielgruppe immer mehr an Bedeutung. In den Vordergrund rücken neue, innovative Medienangebote auf Drittplattformen wie Facebook, YouTube und Snapchat.

Online –  genau dort hat sich funk den Schwerpunkt gesetzt. Dabei unterteilt es seine über 40 Angebote in die Kategorien „Informieren“, „Orientieren“ und „Unterhalten“. funk ist nicht nur eine Website oder eine App sondern wird auf unterschiedlichen Kanälen ausgespielt, darunter Instagram, Snapchat und vor allem YouTube. Zusätzlich zu ihren eigenen Formaten hat funk auch Serien wie „Doctor Who“ oder „Orange ist the New Black“ eingekauft.

Die Formate

Schauen wir uns einige Formate einmal genauer an: Da gibt es zum Beispiel „Auf Klo“ – ein Talkshow-Format für Mädchen. Genauso gewöhnungsbedürftig wie der Name ist auch das Konzept. Das Format spielt genau dort, wie der Name bereits verrät: Auf dem Frauenklo. Dort reden meist im Wechsel zwei Youtuberinnen (Eda Vendetta und Lisa „Itscoleslaw“) über die  verschiedensten Themen. In ihrem Teaser klingt das dann so: „Zwei Frauen. Eine Klokabine. Und endlich mal Zeit, über die wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen: Über Mode und Menstruation. Über das erste Mal und über Schokokuchen. Über dicke Körper und Schmalspurrapper. Jede Woche neu.

Ebenso ungewöhnlich ist das Format „Fickt euch!“, was auch als das moderne Dr. Sommer bezeichnet werden könnte. Hier wird von Kristina Weitkamp kein Blatt vor den Mund genommen und alles zum Thema Sex beantwortet – offen und tabulos. Das können Themen wie „Bin ich schwul?“, „10 Fakten über Doggy-Style“ oder „Selbstbefriedigung: Tipps für Mädchen“ sein.

Vom Tabuthema hin zur Gesellschaftskritik: Die “Datteltäter” sind junge Menschen aus Berlin, die “ein neues Satire-Kalifat im Herzen der YouTube-Szene” errichten wollen – so ihre Beschreibung in den sozialen Netzwerken. In ihren Videos kämpfen sie mit Humor gegen den Hass an, den manche Menschen gegenüber Fremde und Religionen empfinden. Vorurteile gegenüber Muslime schieben die Datteltäter beiseite, und mit ihrer Satire richten sie sich gegen Islamisten und Radikale. Nur zu gerne nehmen sie sich auch selbst auf die Schippe.

Wer sein Gehirn mit nützlichem und unnützen Wissen füttern möchte, für den gibt es Formate wie “schönschlau”. Huhn oder Ei, was war zuerst da? Wie überlebe ich einen Fahrstuhlabsturz? Warum fallen wir auf Fake News rein? Und wieso dürfen wir keinen Grapefruitsaft trinken, wenn wir Medikamente nehmen? Dr. Mai beantwortet die Fragen auf YouTube – wissenschaftlich fundiert, gut recherchiert und unterhaltsam aufbereitet. Wissenschaft ist langweilig? Von wegen!

Kritik

Doch so schön das alles klingt, so scharf ist auch die Kritik am jungen Angebot von ARD und ZDF. Laut WeltN24 fehle den meisten Formaten ein Alleinstellungsmerkmal. Sie lassen einen Wettbewerbsexperten und einen Testzuschauer zu Wort kommen – und beide sind sich einig: Die funk-Formate sind überflüssig, zumal es im Internet genügend solcher Angebote gibt.

Ein weiterer Minuspunkt: funk koste Gebührenzahlern Millionen – und diese finanzieren Google auch noch mit. Zwar sind die Inhalte von funk (z.B. auf YouTube) werbefrei, doch die Internetuser kämen “allein durch das Aufrufen der betreffenden sozialen Netzwerke mit anderen Werbeformaten in Kontakt”, so der Wettbewerbsexperte in einem Artikel auf WeltN24. Eine Stimme in unserer Diskussionsrunde merkt an, dass die 45 Millionen Euro, mit der funk gefördert wird, relativ gering seien, wenn man diese mit der jährlichen Summe der öffentlich-rechtlichen Einnahmen vergleicht (hier sprechen wir schon von Milliarden). funk hat schließlich auch mehr als 40 Formate zu bieten.

40 Formate, aber geschmacklose Inhalte? Ja, wenn es nach WeltN24 geht. Als Beispiel wird das Format “World Wide Wohnzimmer” genannt  – mit Dennis und Benni, die Promi-Schlagzeilen und alles, was im Netz kursiert, gemütlich von der Couch aus kommentieren. In einer Folge lasen sie unter anderem sexistische Kommentare vor und machten sich  darüber lustig. Nach Anfrage der “Welt am Sonntag” wurde das Video binnen weniger Tage gelöscht. Auch die Pressesprecherin äußerte sich zu dem Vorfall: Die Ablehnung gegenüber derartigen Hasskommentaren sei offensichtlich nicht klar genug gekennzeichnet, heißt es, und könne von Zuschauern außerhalb der Community falsch verstanden werden.

Nicht nur die Formate, sondern auch  funks Newsbot “Novi”  steht in der Kritik. Zweimal täglich verschickt er Nachrichten im Chat-Stil und erinnert dabei ganz stark an “Resi”  – ein nahezu identisches Angebot, das letztes Jahr von Martin Hoffmann, dem ehemaligen Social-Media-Leiter von WeltN24, entwickelt wurde. Auf “Novi” reagierte er alles andere als begeistert:

 

 

 

 

Teamwork & Diskussion

Die Formate “Hochkant”, “Musstewissen”, ”Tourettikette” und “Living the healthy choice” schauten wir Medienentwickler uns mit unseren Dozenten etwas genauer an. Info vorab: Die Altersspanne der Zielgruppe (14-29 Jahre) ist unterteilt in 14-16, 17-19, 20-24 und 25-29 Jahre. Erste Feststellung: Die Formate kann man nur schwer einer konkreten Altersgruppe zuordnen. Die Gruppe “Hochkant” ist nicht überzeugt von ihrem Format und vermutet, dass sich das Prinzip “Nachrichten über Snapchat” wohl an eine “jüngere Altersgruppe” richtet (14-16 oder 17-19). “Musstewissen” hat hingegen ein Prinzip, das bei den Dozenten gut ankommt – Nachhilfeunterricht über YouTube. Ein kleiner, aber verheerender Kritikpunkt: Inhaltliche Fehler, wie z.B. eine falsche Ausführung im Fach Chemie. Die Gruppe “Tourettikette” sah hingegen keinen Mehrwert in ihrem Format. Der Sprecher gibt Antworten auf skurrile Fragen zum Thema Benehmen, die alles andere als hilfreich sind. In Kritik steht auch der Name des Formats, der auf die Krankheit des Sprechers anspielt (Tourette). “Living the healthy choice” ist das einzige der vier untersuchten Formate, an der es nichts auszusetzen gibt. Die Kochsendung auf YouTube zeigt, wie einfach und schnell gesundes Essen zubereitet werden kann – zum Vorteil von jedem. Im Prinzip seien Videos solcher Art nichts Neues, doch sowohl die sympathische Köchin als auch die Rezepte kommen gut bei der Gruppe an.

Fazit

funk befindet sich zurzeit noch in einer Entwicklungsphase. Hinsichtlich der Kritik ist von Geschmacklosigkeit und von einem teuren, überflüssigen Angebot die Rede. Zu unserer Verwunderung wird funk von kaum jemanden aus unserem Studiengang Medienentwicklung genutzt. Viele fühlen sich von den Formaten nicht angesprochen. Gründe hierfür können sein: Falsch ausgewählte Formate, die nicht dem eigenen Alter entsprechen (zumal die Zuordnung ‘Format – Altersgruppe ‘nur grob eingeschätzt werden kann) und ein fehlender Mehrwert. Gleichzeitig muss man sagen, dass mit funk mehrere, interessante Formate an den Start gegangen sind, die es ohne öffentlich-rechtliche Gelder wohl nicht gegeben hätte.

Bildquelle: Copyright – funk von ARD und ZDF/ Fotograf: Christoph Neumann