Von der Zerrissenheit deutscher Medien

Die Wochenschau am 4. Mai beschäftige sich mit den Mai-Demonstrationen. Der erste Überblick zur Berichterstattung des vergangenen Montags war vielseitig: einige Medien fokussierten sich nur auf die Geschehnisse in Deutschland oder gar nur in Berlin. Andere erläuterten ausschließlich die Ausschreitungen im Ausland. Die hier ausgewählten Artikel betrafen die faz.net, tagesschau.de und taz.de.

von Fabienne Schleunung

Einzig die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete umfassend über alle Ausschreitungen, sowohl im In- als auch im Ausland. Die Tagesschau konzentrierte sich nur auf das Ausland. Die taz berichtete ausschließlich über Berlin. Auffällig war dabei auch, dass nur die faz darauf hinwies, dass sowohl die Polizei als auch die Poliker mit der Situation allgemein zufrieden waren. „Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte am Montagabend, bislang sei das Konzept der Deeskalation aufgegangen. Er verteidigte die Entscheidung, die Demonstration trotz der verweigerten Anmeldung zu tolerieren. Auch Polizeipräsident Kandt zeigte sich zufrieden. Das Konzept sei voll aufgegangen, sagte er gut zwei Stunden vor Mitternacht im RBB-Fernsehen. Er sei zuversichtlich, dass wir auch in der Nacht die Dinge voll im Griff haben werden’.“ In den anderen Artikeln wurde dagegen eher der Eindruck gewonnen, dass die Ausschreitungen fatal waren und man „mit aller Härte” vorgehen musste.

Allgemein erhält man beim Lesen der Artikel verschiedene Eindrücke. Zum einen ist die Zufriedenheit von Politikern und Polizei im Vordergrund und zum anderen die schlimmen Ausschreitungen, Festnahmen und Gewalttaten zwischen Behörden und Extremisten.

Screenshot von der Facebook-Seite der Morgenpost

Betrachtet man die Reaktionen sowohl in den Kommentar-funktionen, als auch in den Social Media Kanälen, so wird die Schockierung der Bürger deutlich. In einem Facebook-Kommentar eines Posts der Morgenpost über die Ausschreitung schrieb ein User „Jung-, plan- und erfolglos und grenzenlos hohl!” Ein Anderer kommentierte: „Der Tag der Hohlbirnen, die den Appel nur haben, um bunte Frisuren zu tragen.” Im Kommentar des Tagesschau.de-Artikels schrieb ein Leser: „In der Türkei sind die Polizisten die bösen, Demonstranten immer friedlich. In europäischen Staaten sind immer die Demonstranten die bösen. Hmmm komisch. Sollen wir alles glauben, was wir lesen?” – Mit dieser Frage starteten die Gedankenspiele und Meinungsäußerungen der ME-Labor-Runde. Hier wurden Thesen aufgestellt, dass man die Demonstranten beispielsweise mit den sogenannten Fußball-Hooligans vergleichen sollte. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob überhaupt noch der eigentliche Sinn der 1. Mai-Demos gegeben ist, oder ob dieser Tag nur noch eine Bühne für Extremisten ist, ihre Meinungen kundzutun. Passend zu dieser Frage erzählte eine Studentin des Masters von einer Demonstration in Hamburg, in die sie unvorhergesehen hinein geraten war. Die dortigen Ausschreitungen und Eskalationen zwischen Polizei und Extremisten waren für sie selbst sehr erschreckend und beängstigend. Am nächsten Tag wollte sie sich über den Grund der Demonstration in den Medien informieren, doch keine Zeitung berichtete darüber. Daher stellte sie die Frage in den Raum, ob man nun als Journalist über die Geschehnisse berichten sollte, aber dafür den Extremisten auch den gewünschten Raum und Aufmerksamkeit bietet. Oder doch lieber keine Berichterstattung macht und dafür aber die Leser nicht zu informieren, sodass Fragen offen bleiben.

Hier ist wieder das Feingefühl und Einschätzungsvermögen der Journalisten und Medien selbst gefragt.