Vom Beitragsservice bis zur deutsch-französischen Freundschaft

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Mit 22 Fernsehsendern, dem Dreifachen an Radiosendern, Webradios, Mediatheken und vielem mehr stellen die Öffentlich-Rechtlichen den Rezipienten eine enorme Brandbreite an Kanälen zur Verfügung. Die Rechnung dafür trugen bisher die Nutzer von Geräten, die diese Angebote empfangen konnten. Doch seit dem 1. Januar 2013 spielt es keine Rolle mehr, wer über welche Geräte verfügt. Nun gibt es einen festen Betrag, den jeder Haushalt zu entrichten hat. Einziehende Behörde ist weiterhin die Gebühreneinzugszentrale (GEZ), die mittlerweile in „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“  umbenannt wurde. Da nun jeder Haushalt den bisherigen Höchstsatz von 17,98 Euro zahlen muss, fällt aber auch die ungeliebte Schnüffelei der GEZ-Fahnder weg.

Die so genannte Haushaltsabgabe wird in den Medien sehr unterschiedlich aufgearbeitet. Einige, wie Blogger Stefan Niggemeier, stehen der neuen Gebühr recht unkritisch gegenüber. Große  Online-Portale hingegen, wie Focus Online und Bild.de, werfen einen kritischeren Blick auf die Haushaltsabgabe. Der vermutlich größte Kritiker der Gebühr ist Fernsehkritiker Holger Kreymeier. In seinem Blog griff er eine Geschichte von Stefan Niggemeier auf, der die Haushaltsabgabe auf ein alltägliches Problem herunterbrechen wollte. Sein Beispiel: das Taschengeld des kleinen Timmi. Kreymeier antwortete mit einer abgeänderten und erweiterten Version dieser Erzählung.

Wie sehr auch über die Haushaltsabgabe diskutiert werden mag, im Ländervergleich bewegt sich Deutschland mit seiner Gebühr im guten Mittelfeld. Während die Italiener nur 9,08 Euro im Monat zahlen, werden andere Europäer stärker zur Kasse gebeten. In Dänemark beträgt die Rundfunkgebühr beispielsweise 26,96 Euro und in Norwegen und der Schweiz zahlen Rundfunkteilnehmer monatlich sogar mehr als 30 Euro. Die Gebühr der Franzosen hingegen beträgt nur 10,41 Euro. Die Differenz von knappen acht Euro tut der innigen Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland jedoch keinen Abbruch.

Die deutsch-französische Freundschaft wird als stabile Grundlage des europäischen Integrationsprozesses gesehen. Die Freundschaft die vor 50 Jahren mit dem Elysée-Vertrag besiegelt wurde hält bis heute an und auch in Zukunft möchten der Deutsche Bundestag und das französische Assemblée, nach eigenen Aussagen,  die Zusammenarbeit fortführen und in vielen Bereichen vertiefen.

Am Dienstag, den 22. Januar 2012 war es dann soweit, die Goldene Hochzeit  der beiden Länder wurde in Berlin gefeiert.  Vor 50 Jahren, am 22. Januar 1963 unterzeichneten der damalige französische Präsident Charles de Gaulle und der Bundeskanzler Konrad Adenauer den Freundschaftsvertrag in Paris. Der Elysée -Vertrag beinhaltete die Grundsätze der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Der Vertrag ist in drei Kategorien unterteilt. Organisation, Programm und Schlussbestimmungen.

Zum fünfzigsten Geburtstag des Elysée-Vertrags hat die ARD, Deutschlandradio, Radio France und Arte die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht die sich mit der deutsch-französischen Freundschaft beschäftigt. In der Umfrage wurden 25.000 Bürger beider Länder befragt, wie sie ihren jeweiligen Nachbarn empfinden und erleben. Die in vier Kategorien gegliederte Umfrage wurde von Juli bis November 2012 durchgeführt. Der Fragenkatalog bestand aus Fragen zur persönlichen Einstellung zum Nachbarn, die gegenseitige Wahrnehmung über politische und wirtschaftliche Beziehungen bis hin zu der Frage „Welches Europa wollen wir?“.

Bei der Auswertung der gegebenen Antworten wurde eine hohe Kontinuität zu gängigen Bildern belegt. Somit ordnen die Deutschen befragten die Franzosen bei den Themen Kultur, Familiensituation sowie allgemeine Lebensqualität im Vergleich besser ein. Die Franzosen wiederum sehen die Deutschen in den Bereichen Wirtschaft, Beschäftigung und Umwelt an vorderster Position.  Des Weiteren wird in der Umfrage gezeigt, dass die Franzosen ein positiveres Bild von ihren Nachbarn auf der anderen Rheinseite haben. Beide Seiten sehen die politische sowie wirtschaftliche Beziehung als Schlüsselfaktor für den zukünftigen Weg Europas. Auch 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags sehen die Franzosen wie die Deutschen eine besondere Rolle ihrer Beziehung in Europa. „Die gegenseitige Freundschaft zwischen dem deutschen und dem französischen Volk ist der Grundstein, auf dem die Einigung Europas gebaut werden kann, aber auch die Freiheit der Welt.“ Welches Europa wollen wir? „Ein Europa, in  dem nicht Banken regieren, sondern kluge Köpfe, Politiker und Wissenschaftler.“

Von Heike Stephan und Jessica Karim