Unruhige Zeiten

 

Das Wunder der Weihnacht möge in diesen unruhigen Zeiten
die Hoffnung auf Liebe und Frieden verbreiten.

Zwischen Weihnachtsplätzchen, Weihnachtsliedern in Dauerschleife aus dem Radio und den letzten hektischen Vorbereitungen für sämtliche anstehende Zusammenkünfte in den Weihnachtstagen erreicht mich diese Aussage auf einer Weihnachtskarte der Nachbarn.

Und sie bringt mich zum Nachdenken.

kugel

Im Fernsehen laufen seit einigen Tagen bereits die ersten Jahresrückblicke, im Radio läuft ab und an ein Remix, in dem „alle Hits des Jahres“ zu einem Lied zusammengeschnitten wurden. Aber auch gestern, im ganz Kleinen, haben wir als Familie am Tisch gesessen und überlegt, was dieses Jahr nicht alles passiert ist. Wie schnell die Zeit vergangen ist!

Wenn jeden Tag eine neue Schreckensmeldung zu verzeichnen ist, ist heute schon vergessen, was gestern die wichtigste Meldung war. Und an die erfreulichen Meldungen erinnert man sich irgendwie nur ganz schwach. Im sich zu Ende neigenden Jahr gab es viel Rummel in und um die Medien und vor allem viel Kritik an verschiedenen Berichterstattungen.

Man kann sogar hinterfragen, wie Berichterstattung aussehen kann und muss, wenn aktuell so viele Dinge geschehen. Die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo und die Attentate vom 13.11. in Paris fanden im gleichen Jahr statt, in dem unter anderem

  • tausende Menschen auf der Suche nach Sicherheit im Mittelmeer ertrunken sind,
  • ein Germanwings-Pilot nach aktuellem Ermittlungsstand in voller Absicht sich selbst und 149 weitere Menschen mit in den Tod gerissen hat,
  • Terroristen in Tunesien willkürlich Menschen erschießen,
  • ein russisches Passagierflugzeug mit 224 Insassen über der Sinai-Halbinsel vermutlich in Folge eines terroristischen Anschlages an Bord ohne Überlebende abstürzte und
  • der Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone nahe war.

Und das sind nur einige der Schlagzeilen, die bei uns diskutiert wurden. Schauen wir beispielsweise nach Syrien oder den noch immer von Krisen geschüttelten Nahen Osten, überall dorthin, wo es „uns nicht direkt betrifft“, die Liste würde unendlich werden. Wie können Journalisten in Zeiten, die gerne mit dem geflügelten Wort der Medienkrise betitelt werden, in immer weniger Zeit, mit immer weniger Personal umfassend über all dies berichten?

Es war das Jahr des VW Abgasskandals, der Flüchtlingskrise, dem durch den „Islamischen Staat“ verbreiteten Schrecken und die Versuche, diesen zu bekämpfen. Bayern wurde deutscher Meister, Raab hat seine TV-Karriere beendet, das Vereinigte Königreich freut sich über die Geburt von Prinzessin Charlotte, Helmut Schmidt stirbt, Beate Zschäpe äußert sich zum ersten Mal im NSU-Prozess, der G7 Gipfel in Elmau und nicht zuletzt die Fortsetzung der Star Wars Saga. Auch nach dieser konfusen Zusammenstellung verschiedener Ereignisse des Jahres, ist es nur ein Bruchteil der Dinge, über die dieses Jahr gesprochen, sich aufgeregt, darüber geweint oder gewütet wurden.

Es sind unruhige Zeiten.

Klar, nicht zum ersten Mal. Aber nun, da das Jahr wieder so unerwartet zu Ende geht (wie auch jedes Mal Ostern und Weihnachten ganz plötzlich kommen), ist es Zeit, inne zu halten und sich auf einige Dinge zu besinnen. Sich glücklich zu schätzen, wenn man zu den Menschen zählt, denen es gut geht. (Klar, der Lottogewinn war dieses Jahr wieder nicht drin.) Und da nun die Familie am Weihnachtsbaum wartet, ist es nun auch Zeit, diesen Beitrag zu einem Ende zu bringen.

Das Wunder der Weihnacht möge in diesen unruhigen Zeiten
die Hoffnung auf Liebe und Frieden verbreiten.

 

Und wie ich finde, kann man das sich wünschen, ganz egal, was Weihnachten für jeden persönlich bedeutet.