Twitter an der Börse und Google im Patentstreit

Börsenprospekt von Twitter (Quelle: Twitter)
Börsenprospekt von Twitter (Quelle: Twitter)

Mit einem Tweet verkündete der Microblogging-Dienst am 12.09.2013 sein Vorhaben: Twitter wagt den Schritt an die Börse und fürchtet dabei den „Facebook-Fluch“. Grund hierfür war der Katastrophenstart des sozialen Netzwerks von CEO Mark Zuckerberg vor rund anderthalb Jahren.

Der zuvor gehypte Börsengang von Facebook entwickelte sich aus mehreren Gründe zu einem Desaster: Eine chaotische Roadshow im Vorfeld, die mehr die Schwächen als die Stärken des Unternehmens aufzeigte, ein Aktienausgabenpreis von 38 Dollar, den Experten als viel zu hoch angesetzt sahen, und mehrere technische Probleme der elektronischen Börse Nasdaq sorgten für einen Börsenfehlstart. Innerhalb der ersten drei Monate brach der Aktienwert auf die Hälfte ein, von 38 Dollar auf knapp 20 Dollar. 14 Monate brauchte die Aktie um auf den anfänglichen Ausgabenwert zu kommen, mittlerweile liegt sie durch Umdenken des Unternehmens (neue Werbeformate, Umgestaltung der Facebook-App) bei knapp 50 Dollar (Stand: November 2013).

Twitter lernte aus dem Debakel von Facebook und versuchte bei seinem Börsengang am vergangenen Donnerstag, 07.11.2013, keinen Fauxpas zu begehen. Schon im Vorfeld entschied sich der Microblogging-Dienst für die etablierte Börse New York Stock Exchange, übte sogar als erstes Unternehmen überhaupt einen Börsengang vor seinem eigentlichen Start. Auch die Roadshow verlief um einiges besser als bei Facebook: Obwohl das Netzwerk seit sieben Jahren rote Zahlen schreibt, konnte es die Anleger und Investoren durch ihre Werbestrategie (70% der Werbeeinnahmen stammen von Tablets/Smartphones) und ständig wachsende Nutzerzahlen überzeugen. Durch die hohe Nachfrage stieg die Aktienspanne von 17 bis 20 Dollar auf 23 bis 25 Dollar und pendelte sich letztendlich zum Start an der Börse bei 26 Dollar ein.

Für eine Diskussion mit den Kommilitonen und Professoren ergaben sich so folgende Fragen: Wird Twitter einen erfolgreicheren Start an der Börse hinlegen als Facebook und kann der Microblogging-Dienst langfristig Geld verdienen?

Nun, Twitter hat im Vergleich zu Facebook einen beachtlichen Start an der Börse hingelegt. Während bei letzterem am Tag des Börsengangs die Aktie kurzzeitig stieg und sich am Abend erneut beim gesetzten Aktienpreis befand, kletterte der Aktienwert bei Twitter von 26 Dollar auf rund 45 Dollar. Ein Grund hierfür könnte die Bedeutsamkeit des Unternehmens für die Medienwelt darstellen: Twitter gilt als „Breaking-News“-Medium, prominente Fans wie Barack Obama oder auch deutsche Politiker wie Siegmar Gabriel oder Peter Altmeier posten ein Ereignis, das sich innerhalb kürzester Zeit in der Öffentlichkeit verbreitet.

Ob Twitter auf lange Sicht Geld verdienen kann, wird sich zeigen. Die Frage ist nur, wie? Eine Option wäre, mehr Werbung in den Nachrichtenstrom zu streuen. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass User durch zu viele Anzeigen verscheucht werden. Eine andere Idee wäre, aus Twitter ein bezahlbares Netzwerk, zum Beispiel für Unternehmen, zu entwickeln, die Twitter für eigene Zwecke nutzen. Oder für Mitglieder, die Twitter ohne Werbung nutzen wollen und dafür einen kleinen Betrag bezahlen.

Patentstreit im Tablet- und Smartphone-Markt

Firmen wie Apple, Microsoft, Sony, Ericson und BlackBerry arbeiten selten an einer gemeinsamen Sache – außer es geht um einen anderen Konkurrenten. Das Rockstar Konsortium, hinter dem die genannten Konzerne stehen, klagt jetzt gegen Google sowie Tablet- und Smartphone-Hersteller, die das Betriebssystem Android benutzen. Anlass sind mehrere der 6000 Patente, die Rockstar 2011 der insolventen Telekommunikationsfirma Nortel abgekauft hat. Dabei geht es unter anderem um die Funktion, mit der Werbeanzeigen neben Suchergebnissen angezeigt werden. Google soll sie mit seinem Angebot AdWords nachgeahmt haben.

Apple und Google: Wer kopiert wen?
(Quelle: Tsahi Levent-Levi/flickr.com)

Der jetzige Streit ist allerdings nur einer der größten in einer langen Reihe von Vorwürfen. Apple klagte bereits, weil es die iPhone-Technologie von Android und das iPhone- und iPad-Design von Samsung kopiert sah. Samsung musste daraufhin 600 Millionen Dollar zahlen, Geräte durften nicht mehr in die USA importiert werden. Google unterlag vor zwei Jahren zwar beim Bieterstreit um die Nortel-Patente, kaufte aber bald darauf die Mobilfunksparte von Motorola auf. Daraufhin versuchte der Konzern seinerseits, Patentrechte gegen Apple geltend zu machen.

Firmen wie Rockstar bilden in diesem Zusammenhang wahre „patent trolls“, die für die großen Player wie Apple andere verklagen, selbst aber nicht angreifbar sind, da sie selbst keine neuen Entwicklungen hervorbringen. Sie machen es damit kleinen Anbietern schwer, in den Markt einzusteigen. Denn diese können Gerichtsverfahren wegen Patentstreits nicht stemmen, kritisiert die Electronic Frontier Foundation aus den USA.

Welche Bedeutung hat der Schutz von Patenten da noch? Und welche Folgen hat es für die Verbraucher und die Medienbranche, wenn sich eines Tages die Geräte wegen hoher Strafzahlungen verteuern oder wenn Angebote vom Markt genommen werden müssen? Wir fühlten uns spontan an noch absurdere Verfahren erinnert, wie Apples Streit mit dem Berliner Café Apfelkind, das doch tatsächlich einen Apfel im Logo hat, oder dem Patent für abgerundete Ecken.

Wir sind uns einig, dass es bei den derzeitigen Patentklagen kaum noch darum geht, eigene Ideen zu schützen. Stattdessen stellen sie gezielte Angriffe gegen die Konkurrenz dar. Selbst Rockstar-CEO John Veschi kommentierte bereits 2012 im Magazin Wired, dass es wohl kaum jemanden gebe, der die Rockstar-Patente nicht verletze. Das Verhalten der großen Konzerne kann eindeutig nicht im Interesse der Märkte und Verbraucher sein. Deshalb sollte man es lieber mit Apple-Mitbegründer Steve Wozniak halten, der weniger klagewütig ist, als es sein früherer Mitstreiter Steve Jobs war:

„I wish everybody just did a lot of cross-licensing and sharing the good technology; all our products would be better, we’d go further. (…) I do kind of wish they were more compatible.” (Quelle: BBC)

Maxime Früh und Lisa Leander