„Das Ich braucht ein Du, ein Wir!” – Eindrücke von der Tagung “Journalismus auf Augenhöhe”

Subjektivität, Dialog, Perspektivwechsel, Medienwandel – diese Begriffe wurde am 24. und 25. November 2017 im Forum der Schader-Stiftung in Darmstadt intensiv diskutiert. Dabei kamen sowohl Vertreter_innen aus der Praxis als auch Wissenschaftler_innen zu Wort. Mitorganisiert wurde die Tagung von einer Arbeitsgruppe des Fachbereichs Journalistik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU).

Der kurzen Einführung in das Tagungsthema durch die KU-Professorin Friederike Herrmann folgte eine Podiumsdiskussion. Dabei brachte die taz-Redakteurin Barbara Junge den Begriff des „diskursiven Journalismus“ ein. Der Dialog mit möglichst vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen solle dabei im Vordergrund stehen, um der Glaubwürdigkeitskrise der Medien entgegenzuwirken.

Wie dies praktisch umgesetzt werden kann, diskutierten die Teilnehmer_innen anschließend in fünf Arbeitsgruppen. Daneben standen Themen wie die Rolle der Fakten, der Subjektivität und des Tempos der Berichterstattung im Fokus. Den ersten Tag rundete ein unterhaltsames Gespräch zwischen KU-Professor Klaus Meier und Armin Wolf, Moderator beim Österreichischen Rundfunk (Foto), ab.

Nach der offenen Diskussionsrunde hatten wir die Gelegenheit mit Armin Wolf noch einmal persönlich ein Interview zum Thema “Vertrauenskrise der Medien” zu führen. Das Interview führten wir im Rahmen eines Semesterprojekts. Hier ein kleiner Ausschnitt für euch:

Für wie relevant schätzen Sie die “Vertrauenskrise der Medien” ein?

Armin Wolf: “Also, ich glaube, es gibt eine allgemeine Institutionen- und Eliten-Krise-Debatte in den letzten Jahren. Die natürlich auch die Medien, nämlich traditionelle Medien, trifft, die von den allermeisten Konsumenten ja wahrgenommen werden als Institutionen, die schon immer da waren, wie ARD und ZDF oder die FAZ noch viel länger […]. Und das trifft uns alle, da sind nur ganz wenige Institutionen davon ausgenommen. Das ist das eine.

Das zweite ist, dass natürlich die Flüchtlingsdebatte eine Rolle gespielt hat, wo sich tatsächlich am Anfang ein Teil der Zuseher und der Leserinnen des Publikums nicht wiedergefunden haben in den Medien. Also die, die damals Ängste hatten, besorgt waren und das Gefühl hatten, vielleicht in den ersten Tagen oder Wochen kam das nicht vor. Ich glaub, dass diese Wahrnehmung zum Teil nicht stimmte, also dass man nachweisen kann, dass schon relativ früh in sehr vielen Medien, grad auch in den öffentlich-rechtlichen deutschen, auch kritische Berichterstattung da war. Aber so in den ersten Tagen, in dieser quasi wirklichen Euphorie, haben sich, glaub ich, wirklich sehr viele Menschen nicht wiedergefunden […]. Und dazu kommt natürlich eine totale Fragmentierung der Öffentlichkeit und sehr viele sogenannte alternative Medien, die’s einfach so nicht gab früher. […]”

Am nächsten Morgen ging es noch einmal in die Arbeitsgruppen, bevor mittags die Ergebnisse im Plenum präsentiert wurden. Einig waren sich dabei alle, dass die Arbeitsprozesse im Journalismus transparenter werden müssen. Journalisten sollten zudem auch als Menschen präsenter werden, um in den Dialog mit bisher unerreichten Gruppen zu kommen. „Das Ich braucht ein Du, ein Wir!“, fasste Bastian Sorge vom Runkfunk Berlin-Brandenburg (rbb) treffend zusammen. Das kritische Fazit zog KU-Professor Klaus-Dieter Altmeppen, der mehr Selbstreflexion auch auf Seiten der Journalisten forderte und die Tagung als „Elitendiskurs“ bezeichnete. Auch Demut und Verantwortungsbewusstsein seien Schlüssel zur Kommunikation auf Augenhöhe, resümierte Altmeppen.

 

Foto: Valérie Eiseler

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.