#ScienceTweetup @GSI_de – Twitter-Power im Ringbeschleuniger

Twittern bis die Daumen glühen und jede Menge Fachinformationen aufsaugen – Science Tweetup Teilnehmer müssen multitaskingfähig sein. Meistens sind sie auch noch wissenschaftsbegeistert, Social Media affin und stark vernetzt.

Tweetup? Was ist das eigentlich?

Während für die einen der Begriff „Tweetup“ noch neu oder gar unbekannt ist, beschreibt er für die anderen ein bereits etabliertes Konzept im Rahmen der Public Relations. Institutionen, wie die Helmholtz Gemeinschaft oder die NASA – Letztere nennt es Space Tweetup – haben mit der neuen Veranstaltungsform schon viele Erfahrungen gemacht.

Die Teilnehmer des GSI Science Tweetups im Ringbeschleuniger.
Die Teilnehmer des GSI Science Tweetups im Ringbeschleuniger. Quelle: Helmholtz (CC-BY 4.0)

Ursprünglich war ein Tweetup einfach ein Treffen unter Twitterern, die wie erwartet auch darüber twittern. Das kann privat in einem Café organisiert werden oder auch in einem öffentlichen Rahmen. Heute nutzen es einige Institutionen im Wissenschafts- sowie im Kulturbereich innerhalb ihrer Kommunikationsstrategie und laden Twitterer zu exklusiven Veranstaltungen ein.

Doch inwiefern eignet sich ein solches Tweetup für die Wissenschaftskommunikation? Kann die Reichweite erhöht werden? Wird Wissenschaft so transparenter? Diese Fragen wollen wir in unserem Studienprojekt, das eine Evaluation von Science Tweetups vorsieht, beantworten.

Ein Auszug persönlicher Erfahrung – Science Tweetup bei GSI

Vergangene Woche konnten wir ein solches Science Tweetup selbst hautnah erleben. Hochmotiviert und mit vollem Akku starteten wir zum GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. Bereits vor offiziellem Beginn des Events plauderte der Experte Jens Stadlmann einige Informationen aus. Doch die Physik-Geeks, wie sich einige der Teilnehmer selbst bezeichneten, konnten einfach nicht erwarten, mehr über den Teilchenbeschleuniger zu erfahren.

Die Vorstellungsrunde offenbarte ein buntgemischtes Teilnehmerfeld: Studenten, Physiker, Informatiker, Biologen, Hobbywissenschaftler und wahrhaftige „Science Tweetup Fans“. Nach einer Einleitung und Sicherheitseinweisung von Lena Weitz, Social Media Beauftragte der GSI, war der Moment endlich gekommen. Es ging in den Teilchenbeschleuniger – für die Teilnehmer ein Highlight. Aufgrund von Umbauten wurde dieser Anfang des Jahres abgeschaltet. Und so waren wir eine der ersten Besuchergruppen seit 30 Jahren.  Die Reststrahlung von 0,08 bis 0,14 Mikrosievert mag sich gefährlich anhören, doch bei einem Atlantik Flug sind wir Strahlen zwischen 40 und 100 Mikrosievert ausgesetzt.

Tweet Statistik
Tweet Statistik. Quelle: GSI

Und im Ringbeschleuniger ging es dann richtig zur Sache: Fotos und Tweets was das Zeug hält. Will man nun zuhören, Tweets absenden, Notizen machen und Bilder uploaden, ist die Grenze zur Überforderung nicht weit. „Ich habe dann irgendwann auch mal aussetzen müssen, weil einem sonst ein bisschen schlecht wird von dem ganzen hin und herschauen. Doch ich finde es extrem cool und wir haben ja schon viel gesehen“, sagte @Adora_Belle. Auch die restlichen Teilnehmer sahen das entspannt. So erschienen unter dem Hashtag #sciencetweetup 100 Tweets bis 12 Uhr, mehr als 360 Tweets waren es am Ende des Tages.

Das Scientist Speed Dating ist mittlerweile bei den meisten Tweetups fest im Programm

Am Nachmittag besichtigten wir noch weitere Anlagen der Schwerionenforschung. Wir durften sogar unser eigenes Target herstellen (eine Folie, die im Teilchenbeschleuniger mit Ionen beschossen wird). bevor uns bei einem Scientist Speed Dating Wissenschaftler noch offene Fragen beantworteten. Bereits bis zum geht nicht mehr mit Fachinformationen gefüllt, fiel mir keine bessere Frage ein als: „Wie ist es eigentlich für euch Wissenschaftler, etwas zu erzählen, während man auf sein Handy fixiert ist?“ Man weiß ja vorher, dass es so ist und es eben bei einem Tweetup auch darum geht. Also ist das schon in Ordnung“, antwortete Timo Dickel.

Scientist Speed Dating mit Doktorandin Heidi Schuldes.
Scientist Speed Dating mit Doktorandin Heidi Schuldes. Quelle: G. Otto/GSI

Einige Teilnehmer mit extremen Durchhaltevermögen konnten sogar noch über inhaltliche Aspekte des Speed Datings tweeten, während mein Akku – und ich meine nicht den vom Handy – bereits so gut wie leer war.

In der Feedbackrunde des Events wird klar: Science Tweetups haben sich bereits etabliert und kommen sehr gut an. Besondere Begeisterung weckt man bei den Besuchern, wenn es neben dem wissenschaftlichen Input genug Aufladestationen, Kaffee und ein funktionierendes WLAN gibt. Bei Letzterem hakt es oft, weil die Betonwände um die Experimente wirklich jede Art von Strahlung abschirmen. Doch die Twitter-Enthusiasten sind überraschend geduldig, spätestens wenn sie eines der Gebäude verlassen, ergießt sich der Schwall ihrer Tweets endlich ins Netz.

Social Media: Ein neues Publikum

Die Öffentlichkeitsarbeit von Institutionen und Unternehmen wird sich in Zukunft sicherlich immer mehr mit Social Media befassen. Leihen-Experten werden zu Stakeholdern, über Blogs, Twitter oder Facebook. Wissenschaftliche Einrichtungen, wie die Helmholtz Gemeinschaft, sind einen wichtigen Schritt gegangen, der ihre Präsenz im Web 2.0 verstärkt und fachliche Informationen digitalisiert. Über die Tweets und Blogbeiträge der Teilnehmer können sie neue Zielgruppen auch auf einem anderen Niveau erreichen. Viele der Tweets beziehen sich auf das Rahmenprogramm, auf lustige Zitate, beinhalten Bilder. Diese  Art der Information ist viel einfacher zu verarbeiten und aufzunehmen als fachliche Pressemitteilungen. So lässt sich ein neues, digitales Publikum erschließen.

Auch für die Teilnehmer haben Tweetups einen besonderen Reiz. Zum einen sehen sie Orte, an die man normalerweise nicht so einfach gelangt und zum anderen treffen sie die Kommunikatoren ihres Fachs ausnahmsweise mal live und nicht nur virtuell. Sie können ihr eigenes Netzwerk vergrößern und ihre Reputation in dem Fachgebiet steigern. Für die, die sich mit Wissenschaft weniger auskennen, gibt es zumindest viel zum Staunen – auch eine solche Begeisterung kann über Twitter ansteckend sein.

Weitere Bilder und Links findet man bei GSI.