Olympische Spiele ohne ARD und ZDF – Sportjournalismus am Scheideweg

Nun ist es also offiziell. Am 28. November 2016 verkündeten ARD und ZDF das Aus für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024. Die Verhandlungen über Sub-Lizenzen mit dem Rechteinhaber Discovery, welcher in Deutschland die Sender Eurosport und DMAX betreibt, sind gescheitert. Der Kampf um Bronze, Silber und Gold wird somit nur noch auf Spartensendern zu sehen sein. Damit verliert der Großteil der olympischen Sportarten ihre wichtigste Präsentationsplattform. Alle vier Jahre standen die Athleten in den sogenannten Randsportarten für drei Wochen im Fokus. Endlich nahm ein Teil der Gesellschaft von ihnen Notiz. Nun wird das schwieriger. Doch wer hat Schuld?

von Moritz Belmann

Im vergangenen Jahr präsentierten das IOC und dessen Präsident Dr. Thomas Bach den Deal mit Discovery als Meilenstein in der Vermarktung der Olympischen Spiele. Doch am Ende könnte genau diese Entscheidung ein großer Fehler gewesen sein. Die Olympische Idee verliert an Zustimmung, vor allem in den europäischen Ländern. Die Olympiabewerbungen von Oslo, Wien, Graubünden, München und Hamburg scheiterten an der Gegenwehr der Bürger. Rom zog auf Grund finanzieller Engpässe zurück. Nun verlieren die öffentlich-rechtlichen Sender im größten Fernsehmarkt Europas die Sendelizenzen für die Spiele und damit verlieren diese an Strahlkraft. Denn trotz aller Diskussionen rund um die Wettkämpfe, die Emotionen und die Leistungen, die in die Wohnzimmer transportiert werden, sind immer noch Zuschauermagneten. Ob Eurosport dies in Deutschland erreichen kann, bleibt abzuwarten. Wenn es dem Spartensender nicht gelingt, verkaufte das IOC einen Teil seiner Identität und seiner Möglichkeiten für ein paar Millionen mehr und stößt damit die „kleinen“ Sportverbände in Deutschland in eine ungewisse mediale Zukunft.

Und die öffentlich-rechtlichen Sender? Was wird es deren Sport? Der Wegfall der Olympischen Winter- und Sommerspiele ist ein herber Rückschlag für die Sendeanstalten. Das Rückgrat der Sportberichterstattung außerhalb des Fußballs bricht weg. Natürlich kann man vertreten, dass gebührenfinanzierte Sender astronomischen Forderungen des IOCs zum Rechteerwerb nicht nachgeben müssen. Dennoch muss jetzt reagiert werden. Die sportallgemeinen Sendungen wie die „Sportschau“ oder die „Sportreportage“ am Sonntag müssen neu justiert werden. Eine erneute Analyse des Spieltags der Fußball-Bundesliga ist dabei nicht zielführend. In Deutschland gibt es nicht nur im Handball die stärkste Liga der Welt. In den Bundesligen der olympischen Kernsportarten wie beispielsweise im Judo und Triathlon tummeln sich regelmäßig Weltstars. Dieses Potenzial muss in Zukunft genutzt werden. Der Rechtevertrag der SportA mit den Sportverbänden ermöglicht dies, ohne erneuten Einsatz finanzieller Mittel für den Rechteerwerb. Dass ARD und ZDF nun in die Berichterstattung über die Handball-Bundesliga einsteigen, ist ein richtiges und wichtiges Signal für den Sport. So muss es weitergehen.

Sollten ARD und ZDF allerdings an der, zumindest subjektiv wahrnehmbaren, Monokultur Fußball festhalten, ist dies der Anfang vom Ende für die mediale Präsenz der Sportvielfalt in Deutschland. Vor allem die Sommersportarten würden unter der fehlenden Berichterstattung leiden. Von 2017 bis im günstigsten Fall 2028 würden wichtige Wettkämpfe nicht übertragen werden. Dies ist fast ein ganzes Jahrzehnt! Sportliche Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen gehen verloren. Geschichten aus der Welt des Sports verlieren ihre Wirkung und eine eventuelle Olympiabewerbung Deutschlands hätte noch weniger Strahlkraft als aktuell. Die Olympische Idee steht zusammen mit der flächendeckenden und gesellschaftlich relevanten Sportberichterstattung am Scheideweg. Weit entfernt von der Frage wie die Leistungssportstruktur in Zukunft aussehen soll, entwickelt sich die Frage: Für welchen Sport ist die Gesellschaft bereit, Geld zu investieren? Zum dringendsten Gegenstand der Diskussion. Kurz nach der Verkündung der Entscheidung, dass ARD und ZDF die Spiele nicht zeigen werden, gab es im Internet in den Kommentarfeldern bei spiegel-online und in den sozialen Netzwerken großen Beifall. Die Entscheidung sei die einzige richtige und die GEZ-Gebühren sollten besser verwendet werden als für Sportveranstaltungen, wenn sie nicht sowieso abgeschafft gehörten, so die Beiträge im Internet. Verlieren der Sport und damit verbunden auch der vielfältige Sportjournalismus außerhalb des Fußballs ihre gesellschaftliche Relevanz? Dies bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass die kommenden Jahre die öffentlich-rechtlichen Sender sowie die Sportverbände vor große Herausforderungen stellen werden.