Ökonomie im philosophischen Diskurs

Themenentwicklung, wo geht es hin in der Branche? Wir haben uns in der ersten Jahreshälfte mit dem Magazinsegment Sinn, Werte, Nachhaltigkeit und der Generation Y beschäftigt. Dazu zählte auch eine Shopping-Tour in einem lokalen Kiosk. Das eine oder andere Magazin, das wir dort im Regal gefunden haben, möchten wir hier vorstellen – zum Beispiel eine Zeitschrift, die ökonomische Themen mit philosophischen Überlegungen verbindet.

Agora42 wurde Ende des Jahres 2009 von den drei Unternehmern Wolfram Bernhardt, Birger Priddat und Nazim Cetin ins Leben gerufen. 2010 kam der deutsche Philosoph Richard David Precht als Mitherausgeber dazu. Das Magazin wird durch die agora42 Verlagsgesellschaft mbH (als Selbstverlag) verlegt. Der Sitz ist in Stuttgart. Chefredakteur ist Frank Augustin.

Der Name des Magazins setzt sich aus dem altgriechischen Begriff für Versammlungsort „Agora“ und „42“, einem Verweis auf den Science-Fiction-Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ des englischen Schriftstellers Douglas Adams zusammen. Darin soll ein Supercomputer die Antwort auf die Frage aller Fragen, die nach dem „Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ beantworten. Nach 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit gibt er die Antwort „42“. Da die Erbauer ratlos reagieren, entgegnet der Computer, dass die Frage nicht präzise formuliert wurde und dazu ein noch größerer Computer gebaut werden müsse. Zuletzt stellt sich heraus, dass es sich dabei um die Erde handelt.

„Erst die Erkenntnis, dann die Ethik“

Inhaltlich setzen sich die Autoren von Agora42 mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen des 21. Jahrhunderts auseinander. Getreu dem Credo „Erst die Erkenntnis, dann die Ethik“ werden im Heft Grundbegriffe der Ökonomie und Philosophie genauer erläutert, ehe man auf dieser Basis im weiteren Verlauf Möglichkeiten für neue Perspektiven und Veränderungen ins Blickfeld der Leser rückt. Eine Ausgabe von Agora42 hat etwa 100 Seiten. Von 2009 bis 2013 erschien die Zeitschrift sechs Mal jährlich, seitdem einmal pro Quartal. Der Preis liegt in Deutschland aktuell bei 8,90 Euro. Zusätzlich wird das Magazin auch in Österreich und der Schweiz vertrieben. Agora42 erscheint in einer Auflage von 10.000 Exemplaren pro Ausgabe und kennzeichnet sich durch wechselnde Autoren, die themen- und inhaltsspezifisch Texte für das Magazin verfassen. Zumeist handelt es sich dabei um Hochschulprofessoren aus den Bereichen Wirtschaft und Philosophie, Autoren deutscher Wirtschaftszeitschriften oder um Führungskräfte aus Wirtschaftsunternehmen und -verbänden.

Agora42 Ausgabe 2/2014
Ausgabe 2/2014 “Europa”. Quelle: Agora42.de

Zu den bekanntesten Autoren der Zeitschrift zählt der deutsche Philosoph und Buchautor Richard David Precht, der zudem seit 2010 als Mitherausgeber fungiert. Er wurde am 08. Dezember 1964 in Solingen nahe Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur studierte Precht Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln und promovierte später zum Doktor der Philosophie. Seit 1995 arbeitet er als Essayist und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. 1997 war Precht als Fellow für die Chicago Tribune tätig, ehe er 2000 als Stipendiat an die Freie Universität Berlin ging. Zwischen 2002 und 2004 war er Kolumnist für die Zeitschrift „Literaturen“, von 2005 bis 2008 moderierte er die Sendung „Tageszeichen“ auf WDR3. Heute arbeitet Precht vor allem als Autor von Sachbüchern (u.a. „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ – 1,2 Millionen verkaufte Exemplare), Honorarprofessor an verschiedenen Hochschulen und als Vortragsredner zu philosophischen und gesellschaftspolitischen Themen.

Detaillierte Auseinandersetzung mit einem Thema

Der Aufbau von Agora42 wiederholt sich von Ausgabe zu Ausgabe. Demnach gliedert sich die Zeitschrift in drei grundlegende Rubriken, in denen sich die Autoren monothematisch mit einem Hauptthema auseinandersetzen. Terrain, Interview und Horizont. In der Rubrik Terrain werden dabei Begriffe, Theorien und Fragestellungen behandelt, die für das übergeordnete Thema der Ausgabe bzw. das gesellschaftliche Selbstverständnis grundlegend sind. Auffällig ist, dass in diesem Bereich zeitschriftenuntypisch und im Gegensatz zu den beiden übrigen Rubriken des Heftes vergleichsweise wenig mit Bildern oder Grafiken gearbeitet wird. Der Text steht klar im Vordergrund. Es ist offensichtlich, dass nichts davon ablenken soll. In der zweiten Rubrik folgt ein längeres, zum Thema des Heftes passendes Interview. In der Ausgabe 02/2014 „Europa“ etwa eines mit Mitherausgeber Richard David Precht. In der dritten Rubrik Horizont werden die zuvor erarbeiteten Grundlagen aufgegriffen, um sich freidenkend und im Rahmen eines philosophischen Diskurses mit dem übergeordneten Thema der Ausgabe auseinanderzusetzen. Dabei ist es das Ansinnen der Autoren, die gesellschaftliche Wirklichkeit neu zu denken sowie entsprechende Veränderungsmöglichkeiten für die Zukunft zu diskutieren.