Neue Corporate Websites – Reizüberflutung oder toller Service?

Corporate Website, Adidas

Corporate Websites als eine Visitenkarte des Unternehmens zu nutzen war gestern. Ein Klick auf die neue Website von Adidas zeigt, wie womöglich die Zukunft vieler Unternehmensseiten aussieht.

Corporate Website, Adidas
Die neue Website von Adidas, Quelle: Adidas (http://blog.adidas-group.com)

Im Oktober ging die Seite online (www.adidas-group.com). Neben Markenwerbung findet der Besucher Beiträge zu allen vorstellbaren Themen. Mit Titeln wie „Fitness im Wandel“ oder „The Future of Football“ will das Unternehmen locken. Reportagen, Interviews, Videos, Blogbeiträge – Die Vielfalt an vermeintlich journalistischen Formaten verblüfft. Das moderne Design und Layout richtet sich scheinbar nach der großen Menge an verschiedenen Artikeln. Hier findet sich der Leser jedoch auf einem schmalen Grad zwischen Informationsvielfalt und Reizüberflutung wieder. Denn mit Bildern in einer Art Kachel-Muster und wechselnden Elementen präsentiert Adidas bereits auf der Startseite so viele Inhalte wie möglich.

Zum Blogbeitrag von Adidas zur neuen Website auf blog.adidas-group.com.

Bedürfnisorientiert und transparent

Ein Interview von Klaus Eck mit dem Corporate Communication Manager von Adidas Frank Thomas (www.pr-blogger.de, Beitrag vom 18.11.2013) offenbart das Ziel dieser neuen Strategie: Auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Stakeholder eingehen und Vertrauen schaffen. Das bedeutet, die verschiedenen Zielgruppen bereits auf der Startseite mit interessantem Content zu überzeugen. Anstatt in Kategorien zu denken, setzt Adidas dabei auf Themenwelten. Allein die vielen Artikel des Bereichs „Nachhaltigkeit“ könnten zu dem Schluss führen, dass Adidas kein Thema auslässt. Man neigt zu dem Gefühl, Adidas gebe alles über sich Preis. Das stärkt das Vertrauen der Stakeholder, die auf der Seite zahlreiche Möglichkeiten finden, den Content auch in Social Media zu verbreiten. Gleichzeitig nutzt Adidas Social Media selbst als Tool und wirbt dafür im sogenannten „Social Space“.

Adidas, aber auch Coca Cola, RedBull und IBM

Mit dieser neuen Strategie für seine Corporate Website ist Adidas nicht allein. Coca Cola, Redbull, IBM und andere Unternehmen versuchen auf ähnliche Art und Weise das Vertrauen ihrer Stakeholder zu gewinnen. Mit Bedürfnisorientierung und Content zu überzeugen, wurde längst in der B2C-Kommunikation angewandt. Nun hat diese Strategie auch endlich die Kommunikationschiene >>Unternehmen zu Stakeholder<< erreicht. Eine Vorgehensweise, die hier ebenso erfolgreich werden könnte, wie bei der Anwendung im Vertriebsmarketing.

Risiken und Nebenwirkungen

• Etwas riskant ist diese Strategie dennoch. Der Service kann schnell in einer Überforderung enden. Zwar soll sich jede der Zielgruppen mit Themen angesprochen fühlen, jedoch kann zu viel Inhalt auf einer Seite schnell zur Reizüberflutung führen. Vor allem im Design und Layout sollten die Unternehmen die Usability im Auge behalten. Hat man einen Artikel ausgewählt, sollten andere Inhalte ausgeblendet werden.

• Auch wenn es den Unternehmen Adidas, Coca Cola oder Red Bull gelungen ist ihre Websites an ein Magazinformat anzugleichen, sollte man im Hinterkopf behalten, dass es Unternehmensseiten sind. Eine meinungsbildende Kommunikationsstrategie wird immer dahinter stecken und objektive Inhalte werden womöglich kaum zu finden sein.

• Unter Bloggern tat sich bereits die Frage auf, ob eine derartige Website eine Konkurrenz der Medienhäuser werden könnte. Die Firmen nehmen ihre Kommunikation selbst in die Hand. Weniger Notwendigkeit des Journalisten als Vermittler? Ja! Doch eine Konkurrenz zu Medienhäusern? Wir denken nicht. Wer unabhängig und umfangreiche Nachrichten lesen möchte, wird unserer Meinung nach auch in Zukunft ein journalistisches Medium einer Unternehmensseite vorziehen.

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