Nah und doch so fern? – Olaf Steenfadt über Medien in Libyen

Es wird von Europa als „Nachbarstaat Süd“ gesehen und ist von Frankfurt aus in gut zwei Stunden mit dem Flugzeug erreichbar. Dennoch kommt es uns meist sehr fern vor: Libyen. Gestern hat uns Olaf Steenfadt von der Deutschen Welle Akademie besucht, um über den Neustart der Medien nach dem arabischen Frühling zu diskutieren.

Olaf Steenfadt (Foto: Peter Schumacher)
Olaf Steenfadt (Foto: Peter Schumacher)

Kurz zur Person: Olaf Steenfadt begann seine Laufbahn als Reporter bei ARD und ZDF, arbeitet unter anderem für die European Broadcasting Union und die Open Society Foundation. Außerdem ist er Berater für die Deutschen Welle Akademie in einem Projekt der EU-Kommission, das sich mit der Medienentwicklung in Libyen befasst. Steenfadt war bereits in Libyen, Tunesien und Ägypten. Libyen bewertet er dabei als besonders interessanten Fall in Hinblick auf die Medienentwicklung nach der Revolution. Hier einige der Aspekte, die uns besonders aufgefallen sind:

  • In Libyen ist bereits viel Geld in die Medien geflossen. Als Steenfadt selbst im Land war und nach Mitteln für die Fernsehübertragung suchte, bekamen er und sein Team  den Tipp, sich auf einem alten Sportgelände umzusehen. Dort erwartete sie eine Überraschung: Sie fanden dort mehrere Reihen Übertragungswagen mit bester Ausstattung. Sie waren vor der Revolution bestellt worden und standen seitdem wahrscheinlich ungenutzt herum. Einer der Gaddafi-Söhne hatte sich wohl einen Sportsender gewünscht. Die Ausgaben dafür seien doch Peanuts, meinte ein Libyer, ein anderer Sohn wünschte sich gleich eine Airline.
  • Das Emirat Katar unterstützt die libyschen Medien bereits mit rund einer Milliarde Euro, während die EU nur wenige Millionen einplanen kann. Die Motive der katarischen Geldgeber sind allerdings unklar, vor allem da der kleine Staat auf der arabischen Halbinsel die Muslimbrüder stark unterstützt. In Libyen haben die Muslimbrüder wenig Einfluss, da das Land kaum  auf Geld und Hilfsgüter angewiesen ist.
  • Für die Medien herrschen gute Voraussetzungen, da Libyen ein funktionierendes Gesundheitssystem, eine breite Internetversorgung und eine hohe Alphabetisierungsquote hat. Damit  unterscheidet es sich von Ägypten, wo etwa ein Drittel der Menschen weder lesen noch schreiben kann.

Für die Zukunft ist Steenfadt optimistisch, dass sich unabhängige Medien weiter entwickeln können. Außerdem sei es wichtig, Schnittstellen zwischen Politik und Journalismus transparent zu machen. Obwohl während des arabischen Frühlings viel über die Rolle von Social Media gesprochen wurde, seien diese Kanäle letztlich nur ein Mittel, um sich zu verständigen, der eigentliche Anlass für die Revolution waren die Umstände im Land. Gleichzeitig führte auch die weltweite Revolution der digitalen Medien in Zusammenhang mit dem Sturz des Regimes zu einem Paradigmenwechsel in Libyen.

Abschließend präsentierte uns Steenfadt den TED-Talk von Don Tapscott „Four principles for the open world“. Mehr zur Medienentwicklung in Libyen bietet auch die Website Reinventing the public sphere in Libya.

(Lisa Leander und Jennifer Sebastian)