Mensch und Meer – Von der Nische in die Massenmedien

Obwohl der Ozean eine große Rolle spielt, wenn es um nachhaltige Entwicklung geht, wird darüber in den tagesaktuellen Medien recht selten berichtet. Special-Interest-Formate zeigen, dass Journalisten sprichwörtlich aus einem „Meer“ von aktuellen und spannenden Themen schöpfen könnten.

Mensch und Meer
Was verbinden Menschen mit dem Meer?, Foto: Lisa Leander

Die Ozeane sind das größte zusammenhängende Ökosystem unserer Erde. Eine ganze Reihe von Aspekten, die rund um das Thema Nachhaltigkeit diskutiert werden, spielen hier eine Rolle: Umweltschutz, Wirtschaft, Artenvielfalt, Ernährung, Klima, Sport und Freizeit, Lebensweise der Menschen und noch einige mehr. Aus diesem Grund haben wir uns im Rahmen unseres Seminars Themenentwicklung damit beschäftigt, wie „Mensch und Meer“ in den Medien behandelt werden. Angesichts der großen Bedeutung der Ozeane hatten wir den Eindruck, dass die Berichterstattung in den Leitmedien zu wenig auf die komplexen Zusammenhänge eingeht. Ideen, wie man es besser machen könnte, haben wir in den Special-Interest-Formaten der Radiosendungen mare Radio und DRadio Wissen, der Zeitschriftmagazine GEO und National Geographic und der Fernsehsendung mareTV gesucht.

Meere in den Massenmedien

Wenn wir in den tagesaktuellen Medien auf das Thema Meer stießen, dann gab es meist einen aktuellen Anlass aus der Politik. Spiegel, Süddeutsche Zeitung und ZDF informierten über Fischereiquoten, während es bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und der ARD um Proteste gegen neue Ölbohrungen ging. Angesichts der Klimakonferenz in Warschau im November 2013 wurden auch die Versauerung der Ozeane und der Anstieg der Meeresspiegel thematisiert. Ein aktuelles Beispiel ist der Schutz des Great Barrier Reefs, der wegen der Hafenbaupläne der australischen Regierung in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen geriet.

Solche Berichte tauchten meist in den Ressorts Wirtschaft, Umwelt oder Wissenschaft auf. Insgesamt waren sie eher knapp gehalten und wiesen vor allem auf bestehende Missstände hin. Es gab nur wenige Ausnahmen, beispielsweise eine dreiteilige Doku im ZDF über Erforschung und Entwicklung der Meere.

Außerdem fiel uns auf, dass die britischen Medien dem Thema mehr Platz einräumen als die deutschen. Ob das wohl mit der geografischen Frage zusammenhängt? Vor allem der Onlineauftritt des Guardian überraschte uns, denn hier werden dem Themenkomplex Ozean gleich mehrere Rubriken gewidmet.  Neben einer Fülle an Nachrichten, Videos und Blogs entdeckten wir einen interaktiven „Fish Guide“, der den Verbrauchern zeigt, welcher Speisefisch noch mit gutem Gewissen auf dem Teller landen darf und welcher bereits durch Überfischung bedroht ist.

Neues aus dem Ozean

Was unsere Special-Interest-Formate angeht, so haben wir in den Formaten von mare einige schöne Reportagen gefunden, die sich nah an den Geschichten von Menschen, Ländern und Kulturen halten. Andererseits hätten wir uns hier gewünscht, dass jüngere Zielgruppen stärker angesprochen werden,  etwa mit Beiträgen zu Tauchen oder Wassersport. Schwerpunkte wie „Die Manns und das Meer“ aus der letzten Magazinausgabe 2013 sind für ein junges Publikum wohl weniger geeignet. National Geographic und DRadio Wissen zeigen in ihren Veröffentlichungen ebenfalls viele Facetten des Themas Ozeane und Nachhaltigkeit. National Geographic brachte dazu sogar das Online-Special „The Ocean“ heraus. In der Zeitschrift GEO hätten wir uns das Thema dagegen häufiger gewünscht, 2013 hat es kein Meeresthema auf den Titel geschafft.

Unser Fazit: Die tagesaktuellen Medien haben viele Möglichkeiten, breiter über Ozeane und Nachhaltigkeit zu berichten. Sie könnten sich an großen Reportagen, Bildern der Woche, multimedialem Storyelling oder Testimonials bedienen, um das Thema anschaulicher darzustellen. Ausreichend Bild-, Audio- und Videomaterial gibt es dazu sicher genug, ebenso wie interessante Aufhänger, die über das hinausgehen, was in der Politik gerade an Problemen diskutiert wird. Innovationen in der Fischerei, bei Aquakulturen oder Energiegewinnung aus dem Meer lassen sich spannend aufbereiten, ebenso wie laufende Forschungen oder Umweltprojekte.

Für Zielgruppen, die sich sonst wenig über Ozeane Gedanken machen, könnten Gesundheitsthemen oder Kosmetik mit maritimen Rohstoffen interessant sein. Das Gleiche gilt bei Reisen. Einige Urlauber denken bereits darüber nach, welchen „biologischen Fußabdruck“ sie hinterlassen, wenn sie auf Fernreisen die unberührte Natur entdecken wollen. Dieses Interesse lässt sich beim Thema Ozean ebenfalls nutzen, dabei kommen die Faszination für die Meeresgebiete und der Einsatz für deren Schutz zusammen.

Für das Verständnis der Leser ist es wichtig, die komplexen Sachverhalte stets in Teilbereiche aufzudröseln. Zum Schluss haben wir ein paar Links gesammelt, auf denen sich Journalisten Ideen einholen können:

Okeanos Foundation

Grüner Journalismus

Blue Planet Society

Fish Fight

The End of the Line (auf Facebook)

 (von Lisa Leander, Anna-Lena Noureldin und Michèle Lauer)

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