LSR-Debatte – Ist Google schon recht so

Die sogenannten "Snippets" (Quelle: www.news.google.de)

 

Die sogenannten "Snippets" (Quelle: www.news.google.de)
Die sogenannten “Snippets” (Quelle: www.news.google.de)

Die Debatte zum Leistungsschutzrecht in den deutschen Medien ist gehörig aus den Fugen geraten und zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen der Blogosphäre und den Zeitungsverlagen geworden. Dabei wollten die Verlage eigentlich nur Profit aus den Snippets ihrer Texte schlagen, die Google “hinterlistig” einfach veröffentlicht. „Es ist doch selbstverständlich, dass jemand, der einen Inhalt gewerblich nutzt, auch dafür bezahlt“, sagt zum Beispiel der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger.

Um gegen Google anzukommen, machen alle Verlage mit, publizieren Texte, die die “bösen” Machenschaften von Google bis ins Kleinste sezieren und aufzeigen, dass es für die deutsche Medienlandschaft gar keinen anderen Weg gibt, als den amerikanischen Riesen per Gesetz die Schranken aufzuweisen.

In der Blogosphäre wird die Debatte kritisch beäugt. Nicht aber das Leistungsschutzrecht selbst steht dabei im Mittelpunkt, sondern die einseitige Berichterstattung der Zeitungen. “Kampagnenjournalismus” wird den Zeitungsverlagen unter anderem von Richard Gutjahr vorgeworfen. Stefan Niggemeier geht noch einen Schritt weiter. Er bezeichnet das Vorgehen der Verlage als “Wettrennen um die verlogenste, einseitigste, falscheste und irrste Berichterstattung in der deutschen Presse.” Viele weitere schließen sich dem Medien-Blogger an.

Google dürfte das Abgleiten der Leistungsschutzrecht-Debatte in ein Handgemenge zwischen Zeitungsverlagen und Bloggern deutlich in die Karten gespielt haben. Sogar Googles etwas scheinheilige Kampagne “Verteidige dein Netz” gerät dabei völlig in den Hintergrund, auch weil viele in der Diskussion ihr Gesicht verlieren. Falsche Behauptungen seitens der Verlage, Beleidigungen aus den Reihen der Blogger.

Da fällt es einem als Leser schwer, den Durchblick zu behalten. Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs und regelmäßiger Autor der F.A.Z. versucht auf faz.net den Spagat zwischen Bloggern und Zeitungsverlagen, indem er genau aufzeigt, was in der Debatte falsch gelaufen ist und dass man besser noch einmal alles auf null stellen sollte. “Die Debatte ist zu einem anstrengenden und ergebnislosen Grabenkrieg mutiert, für den sich die breite Öffentlichkeit kaum noch interessiert. Es ist an der Zeit, den Knoten zu zerschlagen, das verkorkste Gesetzesvorhaben zu beerdigen und die Einzelprobleme kreativ und zukunftsgewandt anzugehen”, resümiert er.

Auch der Chefredakteur von sueddeutsche.de, Stefan Plöchinger, schlägt auf seinem Blog eine andere Richtung vor. Er macht eine einfache Rechnung auf: ‘Was hätten wir davon, wenn Google uns bezahlen würde? Und was würde passieren, wenn Google uns komplett aus den Sucheinträgen streicht.’ Es ist eine Negativrechnung, die zeigt, dass der amerikanische Suchmaschinen-Riese am längeren Hebel sitzt und die Debatte um das Leistungsschutzrecht ganz anders angegangen werden muss.