Lokaljournalismus und die alten Herren Monopolisten

Die Zukunft des Journalismus liegt im Lokalen. Angesichts des Lokaljournalismus, den viele Monopolisten in sogenannten Einzeitungskreisen betreiben, kaum vorstellbar. Wer keine Konkurrenz hat, muss aber Konkurrenz fürchten. Ein zugespitzter und ironischer Weckruf.

Die alte heile Zeitungswelt

Die alte heile Zeitungswelt; Foto: Rebecca Fikuart / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nd)

Es läuft etwas schief im Hause des Lokaljournalismus und dies nicht erst seit gestern. Im Zuge der Medienkonzentration haben vielerorts Lokalzeitungen ihre Konkurrenten vor Ort verloren. Der Wettbewerb ist zum Erliegen gekommen, die Bequemlichkeit dagegen innerhalb der Redaktionen mit der Zeit gestiegen.

Wohlgemerkt, nicht alle Lokalzeitungen haben dieses Problem. Dennoch gibt es Muster, die sich bei den alten Herren Monopolisten über die Jahre eingeschlichen haben. Muster, die der Konkurrenz durch hyperlokale Blogs oder Gratiszeitungen eine Geschäftsgrundlage bieten. Diese sind häufig jünger, beweglicher und manchmal auch trendy. Eine Herausforderung für die alten Herren in den Redaktionen.

Gemütlichkeit im Alter

Mit zunehmendem Alter fällt es schwerer, seine noch vorhandene Kraft in anstrengende eigene Recherchen zu investieren. Das Nachbohren bei Terminen und Gesprächen wird zur Kraftanstrengung und auf ein Minimum reduziert. Das Berichten über Termine, die die lokale Politik oder PR-Fachleute organisieren, fällt da schon leichter. Man kennt sich, man arrangiert sich und die Leser wissen inzwischen sowieso, was sie von dem Bericht erwarten dürfen.

Manchmal lohnt es sich noch nicht einmal auf Termine zu gehen, es reicht doch, sie anzukündigen. Aber Vorsicht, wenn es um kritische Themen geht – da ist es vielleicht doch besser, erst hinterher darüber zu berichten. Das erspart die Arbeit und eine Positionierung in der Debatte. Immer schön neutral bleiben. Aufregung könnte ja dem eigenen Herzen schaden. Dass den jungen Kollegen die Beschränkung auf Terminjournalismus nicht passt, ist doch deren Problem. Die können das dann in zwanzig Jahren ja ändern, wenn sie so alt sind wie die alten Herren Monopolisten heute.

Doch damit machen es sich die alten Herren leicht. Die Zielgruppe altert mit der Zeitung, stirbt mit der Zeitung. Das Lokalmedium verliert mit der Zeit an Reputation, bei einigen Texten vermissen jüngere Leser eine politische Ausgewogenheit. Die gewachsene Nähe zur Politik und den regionalen Akteuren in der Wirtschaft wird zum Problem. Die Beliebigkeit und der fehlende Biss der Inhalte wirken abschreckend.

Kauen, was noch beißbar ist

Eine Lösung für das Problem der alten Herren Monopolisten liegt jedoch auf der Hand. Neue Kräfte in den Redaktionen können für eine neue Sicht auf das Lokale sorgen. Dafür müssen die alten Herren jedoch auch den neuen Kräfte Raum zum Ausprobieren geben. Neue Erzählformen heißt es auszuprobieren, den Kontakt mit der erwünschten Zielgruppe zu suchen, bei Politik und Wirtschaft nachzufragen, was bisher nie gefragt wurde.

Verknüpft eine Redaktion das mit einer Rotation der Zuständigkeiten zwischen Alt und Jung – vielleicht auch unterschiedlicher Ressorts – wird die Bisskraft der Lokalzeitung wieder erhöht. Themenlücken können geschlossen werden, über die Jahre eingeschlichene leicht verdauliche Kost bei harten Themen vermieden werden. Auch das Ansehen steigt wieder, da neue Kräfte neu den Kontakt in der Region suchen. Sie platzen nicht in Veranstaltungen, bei denen es nichts zu essen gibt, und sind nach einer halben Stunde wieder verschwunden.

Aber: Wo kommen die jungen, neuen Kräfte her, die helfen können? InHaus-Züchtungen durch die alten Herren Monopolisten sind natürlich möglich. Allerdings darf diesen nicht die Lust am Experiment, daran etwas anders machen zu wollen, genommen werden. Es gibt da aber noch eine andere Möglichkeit. Gut ausgebildete junge Journalisten kommen auch von externen Ausbildungsstätten – etwa von Journalistenschulen und auch von Fachhochschulen. Letztere haben die aktuellen Trends im Journalismus im Blick.

Im alten Trott stets wiederholen, was schon immer gut lief

Die alten Herren Monopolisten haben ja auch immer versucht, vom Terminjournalismus auszubrechen, mag jemand jetzt dagegenhalten. Umfragen auf der Straße holen das Volk ins Blatt und dann gibt es doch noch die Serien, die mehrmals pro Jahr laufen. Auch da werden doch normale Menschen gezeigt und da konnte man sich doch immer so gut zum Frühstück bei den Leuten einladen, wenn man sie in die Zeitung bringen wollte. Das soll jetzt alles abgeschafft werden?

Was ist dann eigentlich mit dem kostenlosen Theaterabonnement, bei dem sich die alten Herren Monopolisten die Stücke für die breite Masse erst gar nicht ansehen? Kultur, das ist allein die Hochkultur – im Theater, gedruckt als Buch, musiziert auf dem Tonträger oder der Bühne. Lokale Bands, laute Gitarrenmusik, gesellschaftliche Themen, Studentenkultur – das interessiert die alten Herren Monopolisten im lokalen Feuilleton nicht.

Das ist verspieltes Kapital. Wenn die alten Herren nicht mehr über das berichten, was für die Masse relevant ist, dürfen sie für ihre Zeitung schon einmal den Nachruf schreiben – in der Hoffnung, dass die junge Konkurrenz auf dem Markt ihn dann auch veröffentlicht.

16 Antworten

  1. Da ist zwar was wahres dran- angesichts der realen Situation in vielen Lokalredaktionen ist es dennoch praxisfernes theoretisieren. Die Aufgabe der „alten Herren“ ist längst nicht mehr die, die in den betreuten Schul-Lesestuben der jungen Herren gelehrt wird. 🙂 Niemand in Lokalredaktionen braucht „Journalisten“ die ihre Zeit mit „Recherchieren“ vertaendeln. Gebraucht werden Dispatcher welche Seiten mit Material füllen und Zulieferungen organisieren. Mehr als eine Seite im Rheinischen Format täglich mit Inhalten füllen und layouten, teilweise weit mehr, und dass nicht nur einmal sondern jeden Tag. Nur wer das schon einmal gemacht hat, und zwar monatelang jeden Tag, sollte danach über „alte Herren“ und „Recherche“ theoretisieren.

    • Hallo Netz TV,
      ich glaube Sie unterschätzen die Ausbildung in den, wie Sie es nennen „betreuten Schul-Lesestuben“. Das System und die Anforderungen in den Redaktionen sind nicht nur aus der Theorie bekannt. Wie Sie selbst sagen, werden aber Blattmacher und Reporter gebraucht. Die Blattmacher beauftragen die Reporter mit Themen und entscheiden, was ins Blatt kommt. Aber ohne Recherche keine Inhalte, also werden Journalisten, die recherchieren, nach wie vor gebraucht.

      Der Punkt ist: Im Lokalen könnte ein frischer Blick auf Politik und Gesellschaft nicht schaden. Er ist meiner Meinung nach dringend notwendig! Dafür muss sich allerdings die Struktur verändern und auch ein Stück weit die Denke. Das kann durch neue Kräfte erreicht werden – sei es durch junge Journalisten von außen, sei es durch einen rotierenden Wechsel von Redakteuren und Journalisten innerhalb der bestehenden Ressorts.

  2. Am Ende entscheidet der Leser mit seinem Geldbeutel, ob er das Produkt möchte oder nicht, die Mischung machts, in der Regel kaufen sich erwachsene Leser keinen Experimentalbaukasten Lokalzeitung und sind auch nicht willig, als Versuchskaninchen für zögernde Funktionsleiter zu dienen.

    • Hallo Herr Reichardt,
      der Leser entscheidet mit seinem Geldbeutel – das ist der entscheidende Punkt. Er bezahlt nicht für Experimente, aber bezahlt er für eine Zeitung, von der er sich nicht mehr informiert fühlt?

  3. Alte? Herren? Unbeweglich? Terminjournalismus???? Das können die “jungen”, “beweglich”, “flexiblen” – ja, in der Regel sind das leider auch viel zu viele – Herren noch viel besser! Denn gerade die wollen sich außer copy and paste und klick-klick die Mühen der echten und wirklichen Recherche, die auch Zeit kostet, ersparen. Wenn sie sich dieser denn überhaupt genügend bewusst sind…

    • Halllo Spitze_Feder,
      auch „junge“ können „alt“ sein, da stimme ich zu. Ich stimme mit Ihnen auch überein, dass Copy-Paste Journalismus und Online-Recherche allein im Lokalen nicht funktionieren. Ich plädiere aber keines Wegs für ein: Ersetzt die „Alten“ durch die „Jungen“ und dann ist gut. – Ich plädiere dafür, dass es eine Gemeinschaft gibt, in der die neuen Ideen gut ausgebildeter neuer Redakteure mit den Erfahrungen der gut ausgebildeten etablierten Redakteure zusammenkommen und nicht aufeinanderprallen.

      Mein Vorschlag zu rotieren zielt auch nicht ausschließlich auf neue junge Redakteure ab. Für einen neuen Blick auf das Berichterstattungsgebiet könnten auch Redakteure aus unterschiedlichen Ressorts in den Redaktionen eine Zeit lang wechseln. Gedanke dahinter: Andere Redakteure gehen anders an die Themen heran. So entsteht ein frischer Blick auf die Stadt oder die Region.

    • Hallo Herr Steeger,
      natürlich ist die Finanzierung ein wichtiger Punkt bei der Debatte. Doch auch bisher wird der Lokalteil ja finanziert und damit auch die Recherchen und die Layoutarbeit für den Lokalteil. Nichtsdestotrotz können eben diese finanziellen Mittel bereits genutzt werden für eine ausgewogene und besonders für eine relevante Berichterstattung im Lokalen. Dass mit mehr finanziellen Mitteln mehr möglich ist, keine Frage. Die Kunst ist derzeit, mit den vorhandenen Mitteln das Beste draus zu machen.

      Mit „die alten Herren“ meine ich all diejenigen, die auf ein bloßes „Weiter so!“ setzen, seien diese Herren jetzt 65 oder 25. – Mal ganz davon abgesehen, dass mehr Frauen in den Redaktionen auch nicht schlecht wären. Aber: Dass der Biss und ein neuer frischer Blick auf die Sachverhalte vor Ort durch mehr Geld erreichbar sind, das bezweifle ich.

      – Übrigens: Das Problem der Finanzieurung der „jungen Konkurrenz auf dem Markt“ ist mir durchaus bewusst und ist aus meiner Sicht ein großes Problem, über das dringend gesprochen werden muss. Ich finde es gut, dass Sie auf diese Facette hier in der Diskussion noch einmal gezielt darauf hinweisen.

  4. Der Beitrag wirft ein interessantes Argument in den Ring, das die Tageszeitungen bei der Suche nach den Ursachen ihres Niedergangs zumeist völlig außer acht lassen: Nämlich dass es an der unzureichenden Qualität des Lokalteils liegen könnte, weshalb die Leser davonrennen. Vielleicht ist es nicht die Vielzahl von PISA-Analphabeten, noch das böse Internet, vielleicht ist es einfach nur der unverkäufliche Mist, mit dem die Lokalteile gefüllt werden.

    Ob hierfür alte Menschen verantwortlich sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe als gelernter Journalist und ehemaliger Redakteur meine Tageszeitung schon vor Jahren abbestellt. Ich wollte einfach nicht lesen, dass gestern die Sonne geschienen hatte – oder dass Frau K. aus B. gerne Erdbeereis mag oder der 49. Taubenzuchtverein seine Jahreshauptversammlung hatte. Eine Orgie der Belanglosigkeit.

    Warum um alles in der Welt sollte ich für so etwas Geld bezahlen? Egal in welcher Branche. Minderwertige Produkte verkaufen sich halt nicht. Das haben die meisten Verlage bis heute nicht kapiert.

    • Hallo Herr Peters,
      wie ich eben bereits Herrn Steeger geschrieben habe:

      Mit “die alten Herren” meine ich all diejenigen, die auf ein bloßes “Weiter so!” setzen, seien diese Herren jetzt 65 oder 25.

      Mir geht es nicht darum, eine Altersgruppe von Journalisten schlecht zu machen. Es ist die mentale Einstellung, die den Biss der Journalisten und ihr geistiges Alter ausmachen – das gilt natürlich nicht nur für Journalisten. Dabei geht es mir auch nicht darum, dass jetzt jeder hipp sein muss und den Trends nachlaufen soll. – Ich fordere mehr Relevanz und Qualität.

      Da bestätigt mich Ihre Schilderung, da sie sich mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen unterschiedlicher Lokalzeitungen deckt. Die Punkte in dem Text sind zwar ironisch zugespitzt, haben aber leider alle ein reales Vorbild. – Der Text ist leider kein Theoriekonstrukt aus der Schulstube von unwissenden Lehrlingen.

  5. Folgendes ist ein Crosspost. Ursprünglich war dies meine Antwort auf die Parallelveröffentlichung des oben stehenden Textes auf Lokalblogger.de.

    Hm, ich finde, dass an den Ausführungen nur teilweise was dran ist. Das Fehlen von Konkurrenz und Biss gegenüber Politik und Gesellschaft ist sicher ein Problem für viele Lokalzeitungen.

    Nach meiner Erfahrung krankt der Lokaljournalismus allerdings nicht daran, dass es zu wenige junge Journalisten gäbe, die alte Strukturen aufbrechen möchten, oder dass die alten Formen ungeeignet für die Bearbeitung neuer Themen wären.

    Vielmehr liegt imho das Problem daran, dass die Kollegen nicht mehr die Möglichkeit haben, die (völlig unironisch) guten, alten Formate sorgfältig zu erarbeiten und die guten, alten Arbeitsgrundsätze zu befolgen. Ich persönlich finde beispielsweise Terminjournalismus im Lokalen eine hervorragende, sehr wichtige Sache – wenn man ihn sorgfältig betreibt. Also nicht nur die Ratssitzung protokollieren, sondern auch in die Ausschüsse und Ortsbeiräte gehen, die dort vorgebrachten Argumente mit ihrer Begründung klar herausarbeiten, die Parlamentsvorlagen gründlich lesen, die pointierten Aussagen der Debatte gegeneinander stellen, das alles in den Zusammenhang der bisherigen Debatte und politischer Trends auf anderen Ebenen setzen und es schließlich gut überlegt kommentieren: Solchen Terminjournalismus kann man sich nur wünschen. Dazu braucht es keine neuen Formate (obwohl die auch reizvoll sein können), sondern nur die verantwortungsvolle Arbeit mit den bestehenden. Vermutlich ließe sich das auch mit Kultur- und Sportberichterstattung und weiteren Formen durchdeklinieren.

    Doch warum gibt es den guten Journalismus, egal ob in alten oder neuen Formen, immer seltener? Das liegt imho nicht vordringlich an der Bequemlichkeit der Redaktionen oder einzelner Journalisten, obwohl es die auch geben mag. Das Problem sind doch eher die Arbeitsbedingungen, die keine Zeit für intensive und kreative Arbeit lassen, egal ob im Terminjournalismus oder bei aufwändigen Rechercheprojekten. Die Redaktionen werden immer weiter zusammengekürzt, Journalisten müssen das leidige Layouten zusätzlich erledigen, per Mail dringt immer mehr Material auf die Redaktionen ein und am beszen soll noch nebenher die Webseite in Echtzeit bestückt werden. Dass bald jedes Kuhkaff und jede Bratwurstbude einen Pressesprecher hat, macht es nicht einfacher. Freiberufler werden durch das miese Honorarniveau zur besinnungslosen Massenproduktion gezwungen.

    Es handelt sich also nicht um zu viel Bequemlichkeit, sondern um zu wenig. Es kommt einfach kaum jemand noch dazu, eine Geschichte vernünftig auszurecherchieten, einen Termin intensiv zu bearbeiten oder ein Interview in Ruhe zu führen. Unter solchen Bedingungen bleiben Qualität und Kreativität auf der Strecke. Und natürlich läuft dann alles wie immer, niemand reformiert alte Formate und PR-Texte landen ungefiltert im Blatt. Grund ist jedoch der übergroße Druck und nicht etwa die mangelnde Experimentierfreude.

    • Sehr geehrter Herr Thies,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme Ihnen zu, Terminjournalismus ist im Lokalen eine gute Möglichkeit, um eine Basis für die tägliche Berichterstattung zu liefern. Dieser Terminjournalismus muss allerdings gut gemacht werden, auch darin stimmen wir überein.

      Ich will keine neuen Formate oder Experimente Redaktionen aufzwingen. Mein Anliegen ist, dass die Redaktionen einerseits das, was sie bereits anbieten, gut und vernünftig nach den im Journalismus seit Jahrzehnten gültigen Standards machen. In einem zweiten Schritt könnten dann auch neue Dinge ausprobiert werden, diese Standards auf ihre Gültigkeit überprüft und ggf. angepasst werden.

      Der Punkt ist jedoch: Das Handwerkszeug, das jeder festangestellte Redakteur mindestens drauf hat und in der Regel auch die ausgebildeten freien Journalisten, muss auch eingesetzt und angewandt werden. – Eine bloße Spiegelung des Gesagten auf Terminen kann auf Dauer nicht ausreichen. Das kann der erste Text sein. Die kritischen Nachfragen, die tiefere Recherche muss aber dann in einem zweiten und möglicherweise dritten Text erfolgen, wenn sie aus Zeitgründen nicht im ersten Text schon möglich ist.

      Zum Thema Druck auf die Redaktionen und Finanzierung: Der Druck auf die Redaktionen ist aus meiner Sicht entstanden, weil in vielen Fällen entweder die Strukturen nicht an neue Herausforderungen (Stichwort Internet) angepasst worden sind. Ein Stück weit ging zudem Attraktivität verloren, da die Redaktionen ihre journalistischen Inhalte aus Bequemlichkeit auf weniger Relevantes, kaum Kritisches heruntergefahren haben. Folge: Ein Rückgang der Auflagen, Wegbrechen der Anzeigengelder, Rückgang der Abonenntenzahlen. Dass die Redaktionen jetzt unter Druck sind, keine Frage.

      Die Frage muss sein, wie die Lokalzeitungen aus dieser aktuellen schwierigen Lage wieder herauskommen. Vielleicht müssen sich die Lokalzeitungen langfristig gesehen auf das konzentrieren, was ihr eigentlicher Wert ist. Die Stärke von Lokalzeitungen liegt im Lokalen. Ihr Mehrwert für die Leser – gerade auch für U40-Leser sind die Nachrichten für die jeweilige Stadt, den jeweiligen Kreis. Im Internet brauchen die nicht die dpa-Meldungen, die sie bei Spiegel Online und anderen Anbietern schon bekommen. Auch für die gedruckte Zeitung muss langfristig die Frage gestellt werden, ob der überregionale Politik- und Wirtschaftsteil nicht stärker auf die Auswirkungen internationaler Themen auf die Region ausgerichtet werden muss. Wenn man auf Dinge abseits des lokalen Kerns verzichtet oder diese Bereich minimiert, können mehr Ressourcen in die lokale Berichterstattung investiert werden. Diese lokale Berichterstattung kann durchaus auch bedeuten, dass recherchiert wird, welche Auswirkungen beispielsweise EU-Entscheidungen auf die Stadt haben.

  6. Da kann ich im Großen und Ganzen zustimmen. Das überregionale Agenturmaterial hat sich inzwischen vom Medium Papier gelöst. Die Nachrichten, die die Mantelredaktionen bringen, sind den Lesern in aller Regel seit dem Vortag bekannt. Für das Überregionale kann das nur bedeuten, dass man ein eigenes Korrespondentennetz aufbaut, um andere Nachrichten oder andere Blickwinkel als die Agenturen zu liefern. Das ist allerdings teuer und wird wohl landesweit nur von einer Handvoll Zeitungen auf Dauer zu leisten sein.

    Dagegen gibt es lokale Nachrichten eben nicht per Agentur. Lokalredaktionen sind hier noch Monopolisten (oder Oligopolisten, wo es noch mehrere Medien in einer Region gibt). Auf diesem Feld lassen sich die Stärken theoretisch voll ausspielen, und das gerade in verschiedenen Internet-Formaten.

    Um außerdem einmal über die Redaktionen hinauszuschauen: Das sind auch Herausforderungen für Anzeigenabteilung und Vertrieb. Die Anzeigenabteilungen müssten sich viel mehr Gedanken über zielgenaue, lokale Werbeformate und Sonderveröffentlichungen machen und der Vertrieb über individuell gestaltbare Online-Vertriebsformen, beispielsweise individualisierte E-Papers mit einzeln an- und abwählbare Ressorts oder Kommunen, und vernünftige sowie ausreichend kostendeckende Bezahlmodelle.

    Allerdings bin ich auch überzeugt, dass selbst eine erhebliche Verbesserung der journalistischen und verlegerischen Arbeit in dieser Hinsicht die Probleme nicht lösen wird. Ein Teil des Interessensverlusts an lokalem Journalismus liegt meiner Meinung nach nicht unbedingt an der mangelnden Güte der Produkte, sondern daran, dass das Interesse vieler Menschen an ihrem unmittelbaren Lebensumfeld nachlässt. Dazu habe ich schon vor einigen Jahren ein paar Gedanken aufgeschrieben.

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