Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Medienwandel

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland steckt nach Ansicht vieler Experten in einer Legitimationskrise. Doch wie kann dieser entgegengewirkt werden? Und was hat der Begriff „Public Value“ damit zu tun? Im Rahmen unserer Projektarbeit beschäftigen wir uns mit diesen Fragen und wollen aufzeigen, wie ARD, ZDF und Co. auch in Zukunft ihren Grundversorgungsauftrag zum Wohl der Allgemeinheit ausfüllen können.

ARD-Kamerateam bei der Arbeit. Foto: Marcus Sümnick, CC BY-SA 2.0, via flickr
ARD-Kamerateam bei der Arbeit. Foto: Marcus Sümnick, CC BY-SA 2.0 via flickr

Worum geht es?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland – seit Jahrzehnten eine mediale Institution, welche die Bürger im Rahmen des Grundversorgungsauftrags mit tagesaktuellen Informationen, vielfältigen Reportagen und zahlreichen Unterhaltungsformaten versorgt. Doch gerade in den letzten Jahren scheinen ARD, ZDF und Co. verstärkt mit Legitimationsproblemen kämpfen zu müssen. Sei es die im Rahmen der Gebührenumstellung aufkommende Diskussion um die Rechtmäßigkeit des neuen Rundfunkbeitrags, die Streitereien um mögliche Wettbewerbsverzerrungen gegenüber privaten Anbietern oder das Depublizieren medialer Inhalte im Internet – der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird sich in den nächsten Jahren zahlreichen Hürden stellen müssen, die nur durch eine verständliche und transparente Informationspolitik gegenüber den Konsumenten gemeistert werden können. In diesem Zusammenhang schwappt zunehmend der Begriff „Public Value“, der zu Beginn des neuen Jahrtausends durch die BBC auch für Telemedien etabliert wurde, nach Deutschland über. Dieser entspricht dem Wertbeitrag, den eine öffentliche Institution für die Gesellschaft erbringt. In Großbritannien gibt es in diesem Zusammenhang einen speziellen Public-Value-Test und auch in Deutschland wurde vor wenigen Jahren ein Drei-Stufen-Test, der sich an seinem britischen Vorbild orientiert, ins Leben gerufen.

Doch inwieweit konnte der „Public-Value-Gedanke“ in das System öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten integriert werden? Und wie lassen sich die Herausforderungen, vor denen die Sender stehen, heutzutage bewältigen? Mit diesen Fragen soll sich unsere Projektarbeit beschäftigen.

Wie gehen wir vor?

Um herauszufinden, wo in der heutigen Zeit die Herausforderungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland liegen, haben wir einen Fragebogen konstruiert, der im Rahmen von qualitativen Leitfadeninterviews mit Experten aus der Medienbranche beantwortet werden soll. In diesem Zusammenhang möchten wir sowohl die Position externer Kritiker als auch die von Mitarbeitern der Rundfunkanstalten beleuchten.

Zentrale Fragen richten sich dabei danach, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk einer möglichen Legitimationskrise am besten begegnen kann und auf welche Weise der „Public-Value-Gedanke“ in Zukunft dazu betragen könnte, einer negativen Entwicklung effektiv entgegenzuwirken.

Was ist das Ziel?

Die im Rahmen der Leitfadeninterviews gewonnenen Erkenntnisse sollen extrahiert und thematisch eingeordnet werden. Daraufhin möchten wir sie gegenüberstellen und so die verschiedenen inhaltlichen Standpunkte herausarbeiten. Im Folgenden sollen die erarbeiteten Ergebnisse zu zentralen Thesen zusammengefasst werden. Diese Thesen sind im Anschluss zu nutzen, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als eine Orientierung für das weitere Vorgehen in den nächsten Jahren zu dienen.

Was ist bisher passiert?

Nach einer umfangreichen Literaturrecherche haben wir den Fragebogen konstruiert und geeignete Experten für unsere Leitfadeninterviews ausgewählt. In diesem Zusammenhang haben wir uns über die äußerst positive Resonanz hinsichtlich unseres Anliegens sehr gefreut und sind froh darüber, dass wir vor der kommenden Weihnachtspause schon vier interessante Interviews führen konnten. Daneben sind wir gerade dabei, den theoretischen Teil unserer Arbeit zu verfassen, so dass wir im neuen Jahr mit der Auswertung der Interviews beginnen können.

Wer arbeitet daran?

Die beiden Masterstudierenden Jennifer Sebastian und Moritz Weigand.

2 Kommentare

    1. Hi Phil, danke für Dein Interesse an unserem Projekt! Die Arbeit wurde in den letzten Tagen fertiggestellt.

      Insgesamt haben wir sieben Leitfadeninterviews mit Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Medienbranche geführt. Zuvor wurden in den theoretischen Kapiteln vier zentrale Problemfelder des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland herausgearbeitet, die sich mit der problematischen Ansprache jüngerer Zielgruppen, den sich verändernden Mediennutzungsgewohnheiten, den unklaren Verwaltungsstrukturen der Anstalten, der Verbreitung öffentlich-rechtlicher Inhalte im Netz (Sichwort Depublizieren) und der Diskussion um Rundfunkbeitrag und Werbefinanzierung beschäftigen. Auf dieser Basis wurden im weiteren Verlauf durch die Expertenmeinungen gestützte Lösungsansätze erarbeitet, die zur Besserung der Situation in den nächsten Jahren beitragen sollen.

      Mit diesen Inhalten haben wir uns seit der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags beschäftigt. Ich hoffe, ich konnte Dir damit weiterhelfen. Wenn Du weitere Fragen hast, schieß ruhig los.

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