Der Klimawandel und die Medien. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Quelle: bimun.org
Quelle: bimun.org

Er ist nicht nur eine der politischen Großveranstaltungen des Jahres, sondern auch unser Thema der Woche: Der Klimagipfel in Paris. Kurz bevor sich das Jahr 2015 dem Ende zuneigt, treffen sich vom 30. November bis zum 11. Dezember in Paris die Vertreter von über 80 Ländern, um eine neue Klimaschutz-Vereinbarung zu verabschieden. Das zumindest ist der Plan. Kernpunkt der Vereinbarung soll es sein, die Erderwärmung bis 2030 auf 2 Grad zu beschränken – das sogenannte 2-Grad-Ziel. Eine enorme Verantwortung.

Von Fabienne Sygulla und Tanja Duda

Ein Großteil unserer Gesellschaft ist sich der immensen Auswirkungen unserer Lebensweise auf das Klima noch immer nicht bewusst. Andere sehen die dramatischen Veränderungen, die uns bevorstehen, noch als zu weit entfernte Zukunftsmusik an, um sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen – geschweige denn etwas an ihrem Lebensstil zu ändern. Es ist ja auch viel einfacher und bequemer, alles beim Alten zu belassen. Die mediale Aufbereitung des Klimawandels könnte viel bewirken, doch sie lässt zu wünschen übrig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es für die Massenmedien sehr schwierig ist, die Dimensionen des Klimawandels herunterzubrechen und einen einfachen Zugang dazu zu finden. Warum das so ist, zeigt ein Blick auf die Nachrichtenfaktoren, die bestimmen, welche Themen zu einer Nachricht werden – und welche nicht.

Überall und nirgends

Da gibt es beispielsweise den Nachrichtenfaktor Nähe. Der Klimawandel findet überall und nirgends statt. Er ist nicht auf einen oder wenige Orte zu beschränken. Wetterphänome wie El Nino, die durch den Klimawandel verstärkt werden, treten global auf. Das Abschmelzen der Polare hingegen geht an einem Ort vonstatten, der von der westlichen Wert unheimlich weit entfernt ist, und unsere deutschen Küsten sind möglicherweise zu kurz, als dass sich das gesamte Land Sorgen wegen der Auswirkungen der Polarschmelze machen würde. Die Situation ist beispielweise hier in Deutschland noch nicht so dramatisch oder präsent im Alltag, sodass der Bezug zur Thematik immer noch fehlt. Der Nachrichtenfaktor Nähe funktioniert schon mal nicht.

Kein expliziter Nachrichtenfaktor, aber ein Schema, nach dem Berichterstattung häufig funktioniert, ist das Täter-Opfer-Prinzip. Die Rolle des Täters und des Opfers genau zuweisen zu können, erleichtert dem Leser die Einordnung des Gelesenen (Stichwort Bequemlichkeit.) Beim Klimawandel funktioniert auch das nicht. Irgendwie sind wir ja alle Täter, und doch möchte das keiner von sich sagen. Irgendwie sind wir auch alle Opfer, manche schon heute, andere erst morgen oder übermorgen. Auch das Täter-Opfer-Prinzip kommt beim Klimawandel zum Erliegen.

Die Folgen sind zu weit entfernt

Ein weiterer Nachrichtenfaktor, der beim Klimawandel scheitert, ist der Faktor Neuigkeit/Zeitlichkeit. Der Klimawandel ist nichts Neues. Wir reden schon ewig davon. Die Folgen des Klimawandels sind jedoch noch unheimlich weit von uns entfernt. Denken wir zumindest. Warum sollten wir heute unsere Lebensweise ändern, damit die Menschen der Zukunft davon profitieren? Diese Frage geistert leider in zu vielen Köpfen herum. Auch die Berichterstattung leidet an ihr. Die Antwort sollte vielleicht heißen: Weil es unsere Kinder sind, die unter unserer Sturheit leiden werden. Oder wie Hollande während des Klimagipfels sagte: “Es geht um die Zukunft des Planeten, die Zukunft des Lebens”.

Vielleicht sollten wir uns alle mehr Gedanken machen und gleichzeitig versuchen, das Ganze mit Humor zu sehen, oder? Okay, vielleicht 1:03 min. Danach machen wir uns wirklich ein paar ernsthafte Gedanken: Hier Video anschauen!