Journalismus zu verschenken

Huffington Post: Journalismus zu verschenken
Foto: Anna-Lena Noureldin

Burda, der Verfechter des Leistungsschutzrechts, verlinkt seit drei Wochen auf Texte im Netz. Der kleine Unterschied zu Googles Variante: Mit der Huffington Post verlinkt Burda auf Bloggerbeiträge und nicht auf journalistische Texte. Damit sind Praktiken, die der Medienkonzern noch Anfang des Jahres attackierte, Teil des neuen Konzepts.

Die Negativ-Meldungen zogen sich zäh durch die Medien. Man kam einfach nicht an dem Thema vorbei. Ich auch nicht. In und für die Medien spielte es eine große Rolle. Denn während sich Zeitungsjournalisten und Medienentwickler den Kopf über zukunftsfähige Finanzierungsmodelle zerbrechen, startete die Huffington Post (HuffPo) Deutschland am 10.10.2013 ihren Auftritt. Ein wenig negativ gestimmt, aber trotzdem interessiert an dem Neuen, verfolgte ich die weiteren Meldungen.

Ich wiederhole noch mal kurz: Die HuffPo Deutschland ist sowohl ein journalistisches Portal als auch und eine Plattform für Blogger. Die Einen werden für Ihre Inhalte bezahlt, die Anderen nicht. Netzneuland in Deutschland. Und wir Leser können auf der Seite Nachrichten der Redaktion und Gastbeiträge von Boris Becker, Ursula von der Leyen und Uschi Glas verfolgen. Natürlich kostenlos. Es ist eine neue Internetpräsenz, die an dem Studiengang Medienentwicklung nicht vorbeigeht.

Einmal die Woche werden sogenannte Kolloquiumsthemen von zwei bis drei Studenten aufbereitet. Auf unserem Semesterplan prangen Gastvorträge prominenter Branchenvertreter (zu viel will ich noch nicht vorwegnehmen) und Themen, bei denen Medienentwickler hellhörig werden (sollten). So wie die Huffington Post Deutschland.

Für dieses Kolloquium gehörte uns am Donnerstag die Aufmerksamkeit der Professoren und Kommilitonen für eine Stunde. Drei Wochen lang, das ist die vergangene Zeit seit dem Online-Start der HuffPo, beobachteten wir das Stimmungsbild über die neue Internetpräsenz. Bereits davor wurde das Thema in den Medien aufgeblasen wie eine riesige Kaugummiblase. Sie wuchs und wuchs. Ohne zu platzen. Das Schlagwort Gratis-Journalismus verankerte sich in meinem Kopf bereits als Synonym für die HuffPo. Es ging nicht anders. Überall war das Thema präsent.

Der Hype nahm erst mit dem Online-Start der HuffPo ab. Jetzt konnte das Produkt endlich bewertet werden. Geht man auf die Nutzerzahlen ein, ist die neue Plattform keine Konkurrenz für die großen Player des deutschen Journalismus. 200.000 Visits hat die HuffPo am Tag. Rechnet man diese auf einen Monat hoch, ergibt sich eine Zahl von 6 Millionen Visits. Branchenführer Bild.de kommt auf 177 Millionen Visits im Monat.

Ist die HuffPo überhaupt eine Konkurrenz? Die negativen Stimmen zum Gratisjournalismus sind mittlerweile fast verstummt. Klar, das Pulver ist verschossen. Die Kaugummiblase geplatzt.

Dabei ist noch mehr als genug Diskussionsbedarf. Sind die Ziele zu hoch gesetzt? Können 15 Redakteure genug stemmen, um eine der erfolgreichsten Seiten Deutschlands zu werden? Ist den Lesern der Unterschied zwischen den Gastbeiträgen und den journalistischen Texten klar? Diese Liste hätten wir in unserer Debatte endlos weiterführen können. 14 Studenten und zwei Professoren diskutierten über die Zukunft der HuffPo. Fazit: Ich bin gespannt! Aber skeptisch.