Politsatire auf Erfolgskurs

Von Fabienne Sygulla und Tanja Duda

Politsatire wird im deutschen Fernsehen immer beliebter. Ob die Anstalt, die heute-show oder extra 3 – Formate, die das politische Geschehen mit Humor betrachten und dabei kritisch hinterfragen, sind derzeit auf Erfolgskurs. Im Rahmen unseres Kolloquiums haben wir uns diesem Thema gewidmet und mit Stephan Denzer,  Leiter der ZDF-Kabarett- und Comedy-Redaktion, gesprochen. Wie erklärt er sich den Erfolg – und was daran lässt sich kritisch betrachten?

Stephan Denzer. Foto: Privat
Stephan Denzer. Foto: Privat

Trotz der steigenden Beliebtheit sieht Stephen Denzer Politsatire noch immer als Nischenprodukt des deutschen Fernsehens. Ein verlässliches Rezept für den Erfolg einer satirischen Sendung gibt es ihm zufolge nicht. Vielmehr gibt es drei Kriterien, die Politsatire erfüllen muss: Eine Sendung muss eine klare Haltung einnehmen, der Zuschauer muss wissen, wofür die Sendung steht. Die vermittelte Information muss immer wahrheitsgetreu, immer überprüfbar sein. Und: Sie muss lustig vermittelt werden. Bei allem Spaß versucht eine Sendung wie die heute-show dabei den “höheren humanistischen Gedanken” nicht aus den Augen zu verlieren, wie Denzer sagt. Gleichzeitig müsse man herausfinden, wie man den jeweiligen Missstand in der Satire genau kritisieren kann: Welcher Missstand steckt hinter dem Gag? Was erreichen wir als Sendung mit diesem Gag? Diese Botschaft muss für den Zuschauer immer klar erkennbar sein.

Doch auch Satire kennt ihre Grenzen und kann nicht alles auf’s Korn nehmen. Wie geht die heute-show beispielweise mit den Anschlägen in Paris um? “Da gibt es Grenzen, die wir respektieren müssen”, verrät Denzer und fügt hinzu, dass es gerade bei sehr ernsten Themen “sehr schwer” sei. Die “andere Wahrnehmung von Medien und Nachrichten”, so Denzer, spielt dabei für ihn eine besonders große Rolle.

“Spannende Nachrichtenvermittlung”

Bereits vor dem Kolloquium diskutierten wir intern darüber, ob der Erfolg von Politsatire nicht auch kritisch betrachtet werden muss. Es besteht die Annahme, dass immer mehr Menschen Nachrichten in erster Linie nur noch über politsatirische Sendungen konsumieren und dabei kaum noch neutrale Nachrichtensendungen rezipieren. Das ist insofern eine Gefahr, da Politsatire klar dem Meinungsjournalismus zuzuordnen ist und auf Stilmittel wie Personalisierung, Sensationalisierung und Vereinfachung zurückgreift, um dem Zuschauer komplexe Themen verständlich darzustellen. Zusammenhänge werden dabei vereinfacht und nicht in ihrem Gesamtumfang vermittelt.

Als Zusatzangebot ist das unbedenklich, doch es wird kritisch, sobald ein Zuschauer keine neutralen Formate mehr zur Informationsgewinnung heranzieht. Stephan Denzer bewertet diese Annahme lediglich als ein Gerücht. Ihm zufolge kann es diese Art von Zuschauer durchaus in einer kleinen Zahl geben, doch solange es keine wissenschaftlichen Befunde dafür gibt, bezweifelt er, dass dies eine große Gruppe von Zuschauern betrifft. In jedem Fall sei es eine “spannende Nachrichtenvermittlung”, die aber voraussetzt, dass auch andere Medien – ohne Satire – konsumiert werden müssen.

Denzer spricht im Allgemeinen davon, dass Satire eine positive Entwicklung durchlebt, was die Präsenz und erfolgreichen Quoten beträfe. Zum Glück, denken wir. Was wäre die Welt bloß ohne Humor?