Irgendwo zwischen Jordanien und dem DFB

Von Fabienne Sygulla und Tanja Duda

Die Kursbenennung „Labor“ ist vielleicht leicht verwirrend. Man könnte meinen, es ginge um das Sezieren chemischer Substanzen. Dabei geht es – simpel heruntergebrochen – um die unheimlich große Welt der Medien. Wir, die Medienentwicklung-Studenten, nehmen hier Inhalte aller Art auseinander. Wenn man genauer darüber nachdenkt, kann man also doch vom Sezieren sprechen. Und vielleicht ist die Bezeichnung „Labor“ gar nicht mal so unpassend.

Zwei große, wichtige und vor allem spannende Inhalte präsentierten sich uns, den noch frischen Master-Studenten, zur ersten Labor-Sitzung. Frisch, weil alles irgendwie neu ist, obwohl gerade für die Online-Journalisten unter uns doch vieles so vertraut ist. Die OJs, wie wir uns liebevoll selbst nannten, kennen das Prozedere der Hochschule Darmstadt und trotzdem ist auch für uns alles so neu wie für die andere Hälfte unserer Truppe, die von unterschiedlichen Städten oder gar Metropolen ins kleine Dieburg gekommen sind, um die Medienwelt ein bisschen innovativer und vielleicht sogar besser zu machen.

Was uns erwarten wird, können wir alle kaum einschätzen. Nach der ersten Labor-Sitzung wissen wir aber: Es wird groß, interessant und umfangreich.

„They prefer to be a man“

Über Skype haben Mo und Florian die jordanische Journalistin Farah Maraqa zugeschaltet. Sie erzählte uns, wie es ist, in Jordanien als Frau in ihrem Beruf zurechtzukommen. Wir als angehende Journalisten saßen meilenweit entfernt von dieser ganz anderen, für uns unvorstellbaren Welt. Lediglich verbunden über das Internet.

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Mo (links) und Flo (rechts) führten uns langsam in das Land Jordanien ein, bevor die Skype-Konferenz beginnen konnte

Farah sprach von „a good atmosphere of being a journalist“ – einerseits. Andererseits fallen immer wieder Worte wie „many problems“, weil es zwischen in erster Linie männlichen Politikern eben doch nicht so leicht sei. „They prefer to be a man“, erklärte sie. Man müsse aufpassen, was man sagt und inwiefern man seine eigene Meinung öffentlich mache. Ihre Möglichkeiten, Journalismus zu betreiben, würden sich eigentlich nur auf das reine Dokumentieren und Berichten beschränken. Künstlerische Freiheit, simple Meinungsäußerung und den eigenen Humor in journalistische Inhalte einzubringen, sei nicht denkbar.

Ein Kampf gegen Terrorismus

Die Medien in dem Wüstenstaat unterliegen einer Lizenzpflicht. Thematiken wie Sex und Politik stünden „under control“. Trotzdem sei Jordanien im Gegensatz zum benachbarten Syrien eher westlich orientiert. Aus ihrem Mund klingt das alles fast schon positiv, bis sie uns erzählt, dass in ihrer Region täglich Journalisten ermordet werden.
Auch aus diesem Grund unternimmt Farah mehr, als nur den Pflichten ihres Berufs nachzugehen. Sie kämpfe für ihre Rechte und gegen den Terrorismus – als Frau und Journalistin.

Das zweite wöchentliche Element des „Labors“ ist die Wochenschau. Im Zuge dessen beschäftigt sich jede Woche rotierend ein Student mit einem großen Medienthema der Woche und analysiert die Berichterstattung dazu. In dieser Woche handelte es sich dabei um die (vermeintlichen) Enthüllungen zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

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“Die Enthüllung” – Thomas spricht über DAS Medienthema der Woche

Was ist dran an den Korruptionsvorwürfen zur WM-Vergabe 2006 – und welche Rolle spielen die Medien darin? Eine bedeutende Rolle im Vortrag von Thomas spielte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

#WM2006

Durch seine Enthüllungsgeschichte in der Ausgabe vom 17.10. brachte der Spiegel den Stein ins Rollen. Der aufdeckende Bericht um den Vorwurf einer „Schwarzen Kasse“, mit der die #WM2006 gekauft worden sein soll, beruht primär auf einer Indizienkette, die nicht ganz wasserdicht ist. Neu und beweisbar waren beinahe nur 6,7 Millionen Euro im WM-Haushalt, von denen keiner so recht weiß, wofür sie verwendet wurden.

WochenschauLaborThomas

Weitere Fakten jedoch lieferte der Bericht weniger. Damit machte sich der Spiegel angreifbar – und evozierte jede Menge Kritik von Seiten anderer Medienhäuser wie vor allem der Bild. SportBild-Chef Alfred Draxler beispielsweise ließ es sich nicht nehmen, einen der Mit-Autoren der Spiegel-Geschichte Jens Weinreich über Twitter öffentlich anzugreifen. Doch wirklich mehr Fakten hatte auch er nicht zu bieten.

TweetWM
Ein Tweetbeispiel des SportBild-Chefs. Quelle: Twitter

Inwiefern ist diese Kritik am Spiegel berechtigt? Und ist es tatsächlich Aufgabe der Medien, einen Tatbestand lückenlos nachzuweisen, oder geht es vielmehr darum, das Licht auf Missstände zu werfen, um Aufmerksamkeit auf diese zu lenken? Über diese Fragen haben wir im Anschluss an den Vortrag in der Gruppe noch lange diskutiert – und damit den Sinn des Labors voll erfüllt. Läuft!