Internet of Things – Anwendungsbereiche und Chancen in PR & Marketing

“Digitalisierung”, “Big Data”, “Internet of Things”, “Künstliche Intelligenz” (KI) – Begriffe, die uns immer häufiger begegnen. Oftmals ist aber gar nicht so richtig klar, was es damit nun konkret auf sich hat. In unserem Kolloquium haben wir, Tom Weimar (@weimartom) und Julia Anna Moor (@moorjul), das Thema “Internet of Things” näher beleuchtet und die Chancen und Möglichkeiten in den Bereichen PR und Marketing diskutiert.

Von Julia Moor und Tom Weimar

Doch was ist das “Internet of Things” (IoT) überhaupt?

Im Moment verwenden wir das Internet hauptsächlich über ein bestimmtes Endgerät, beispielsweise PC, Laptop, Smartphone oder Tablet. Wir müssen direkt mit diesen Geräten interagieren, damit wir auf deren Daten zugreifen oder bestimmte Funktionen durchführen können. Durch die Entwicklung von “Smart Objects”, also intelligenten Objekten, werden wir nicht mehr direkt oder bewusst mit einem Gerät interagieren müssen. Die Computer, die in diese Objekte eingebettet sind, arbeiten ohne aufzufallen: Ziel ist es, menschliche Tätigkeiten unbemerkt zu unterstützen – ein bisschen wie digitale Heinzelmännchen.

Das IoT funktioniert dadurch, dass die “Informationslücke” zwischen der realen und virtuellen Welt geschlossen wird. Die meisten “Smart Objects” zeichnen sogenannte Zustandsinformationen auf. Das sind etwa Informationen über Feuchtigkeit, Geschwindigkeit, Standort oder Vibration. Diese Infos werden dann durch Menschen und zunehmend durch Softwares ausgewertet. Dadurch lassen sich Informationen über den Zustand eines Geräts oder einer Maschine ableiten. Man erfährt zum Beispiel, ob ein Gerät gewartet werden muss, kaputt ist oder ineffektiv arbeitet. Durch die Sammlung dieser vielen Daten (aufgrund der Masse von Daten auch als “Big Data” bezeichnet) werden die Effizienz gesteigert, Kosten gesenkt und eingespart. Anwendungsbereiche sind unter anderem Energiewirtschaft, medizinische Versorgung, Fertigung und Verkehrsmanagement.

Wie jede Technologie hat jedoch auch das Internet of Things seine Probleme und Kritikpunkte. Innerhalb der IT-Industrie wird das sogenannte “Platform Fragmentation” beklagt. Im Moment gibt es nämlich keine einheitlichen Standards für die Entwicklung von IoT-Objekten und Softwares. Das bedeutet, dass viele Geräte nicht wirklich gut miteinander kombiniert werden können oder die Erweiterung eines bestehenden IoT-Netzwerks erheblich erschwert wird. Ein weiteres Problem sind fehlende Regulationen betreffend der Erhebung, Nutzung und Aufbewahrung der anfallenden Daten, was besonders im Anwendungsbereich von “Wearables” und “Smart Homes” zu Unbehagen bei Datenschützern führt.

Geplante Obsoleszenz ist bereits heute ein Problem mit vielen elektronischen Geräten. Befürchtet wird, dass durch den Einbau von internetfähigen Chips noch mehr Geräte früher defekt werden. Das stellt ein Problem für den Umweltschutz dar, insbesondere wenn die Geräte eigentlich fachgerecht entsorgt und recycelt werden müssen, was in vielen Fällen aber nicht passiert. Hinzu kommt, dass für die Produktion neuer elektrischer Geräte wieder Ressourcen verbraucht werden, worunter auch Erdöl, seltene Erden oder Aluminium fallen.

Chancen für PR und Marketing

Das Internet of Things, zunehmende Mengen an zur Verfügung stehenden Daten und KI-Technologien bieten Public Relations, Marketing und Vertrieb neue Möglichkeiten, vor allem im Bereich der Automatisierung von Arbeitsvorgängen. Zielgruppen bis hin zum einzelnen Kunden können immer umfassender analysiert und im nächsten Schritt individualisiert angesprochen werden.

In der Technologiekommunikation kursiert dabei eine ganze Reihe neuer Schlagwörter des Internet of Things (IoT). In einem Gastbeitrag für HORIZONT hat Maria Urban, eine IoT-Expertin bei der Agentur Piabo, erklärt, wohin die Reise geht. Kommunikationsprofis sollten demnach einige Schlagworte im Auge behalten:

Beacons: Mit diesen Bluetooth-Sendern können Signale an Smartphone-Apps versendet werden, was zum Beispiel McDonald’s und Starbucks einsetzen, um Kunden in ihren Filialen Sonderangebote anzuzeigen. Aber auch Bahnhöfe können mit Beacons ausgestattet werden, um Fahrgäste durch die Gebäude zu routen: Am Berliner Bahnhof Stadtmitte realisiert zum Beispiel die BVG ein Pilotprojekt, das die Orientierung in U-Bahn-Anlagen mittels Beacons vereinfacht.

Data Mining: Beim Internet of Things geht es nicht nur um die Hardware. Vor allem aus Unternehmenssicht geht es um die Analyse von immer mehr Daten, die durch die vielen Devices erzeugt werden. Natürlich haben auch die Nutzer von Geräten wie Fitness-Trackern etwas von den Daten, die sie zur Selbstoptimierung nutzen. Sinnvoll ist es, Dinge – zum Beispiel Laufschuhe – dann zu vernetzen, wenn die Daten genutzt werden können. Dafür werden die Datenbestände zusammengeführt und empirisch analysiert. Das ständige Bemühen um Selbstverbesserung gehöre schließlich zum Kern des menschlichen Fortschritts, so Enno Parks hörenswerte Verteidigung der Selbstoptimierung bei Deutschlandfunk Kultur.

Datensicherheit: Prognosen sagen voraus, dass es bis 2020 unzählige IoT-Devices in diversen Bereichen des täglichen Lebens geben wird. Ein riesiges Big Data-Szenario, denn die Daten werden alle möglichen Einblicke in tägliche Routinen erlauben. Aber woher weiß der oder die Einzelne, dass die Daten nicht an irgendeiner Stelle beeinflusst werden? Eine Lösung könnten verschlüsselte IoT-Infrastrukturen mit Blockchain oder Open-Source-Technologie sein.

Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning: Die Verbreitung von Wearables sorgt für einen höheren sprachbasierten Anteil an der Suche im Internet – für Marketer ist das besonders wichtig. Denn Siri oder Amazons Echo bzw. Alexa sind für Kundenservice, Marketing und Werbung relevant. Im Bereich des Kundenservice geht es darum, das Bedürfnis nach Kundenservice im vorhinein zu verhindern. Das kann die vernetzte Spülmaschine sein, die dem Hersteller automatisiert meldet, dass eine bestimmte Schraube beginnt sich zu lockern. Der Hersteller schickt dem Kunden dann per Bot über den Skype-Messenger eine Nachricht, dass es Probleme bei seinem Gerät geben könnte, er ein bestimmtes Teil wechseln sollte und dazu bei Bedarf mit einem Klick eine Video-Session mit einem Experten starten kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Internet der Dinge wird die Kommunikationsbranche umso stärker verändern, je mehr Devices im Alltag ankommen und je einfacher die Datenauswertung wird – insbesondere im stationären Handel, durch die digitalen Assistenten, das im gesellschaftlichen Mainstream ankommenden Konzept des “Quantified Self”, neue Vertriebsmöglichkeiten und das Potenzial von Big Data in Unternehmen.