How much is the Fish? Was Storytelling mit Aquakultur zu tun hat

Die Meere sind überfischt, die Weltbevölkerung nimmt zu, die Nachfrage nach Fisch steigt stetig – auch bei uns in Deutschland. Aquakultur bietet die Chance, die Überfischung der Meere zu verhindern und gleichzeitig die Nachfrage zu stillen. Obwohl viele Konsumenten im Supermarkt bereits zu Fisch aus Aquakulturen greifen, wissen nur wenige, was genau sich hinter diesem Begriff verbirgt. Die Medien greifen Aquakultur als Nischenthema selten auf – und wenn, wird es meist nur negativ dargestellt.

von Benjamin Reibert, Johanna Hilbig und Marina Speer

Weil Aquakultur komplexer ist, haben wir uns in einer Dreiergruppe ein Semester lang ganz dem Thema Aquakultur gewidmet und vor allem mit der Frage beschäftigt, wie wir das Thema für ein breites Publikum anschaulich und informativ gestalten können. Mit einem multimedialen Storytelling in Kooperation mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) wollen wir dieses Ziel erreichen.

Der Begriff Storytelling ist mittlerweile in der Branche schon fast wieder out. Wir sehen in Storytelling aber vor allem eine Möglichkeit, auch komplexe Sachthemen für viele zugänglich zu machen und dabei die Nutzer nicht nur zu informieren, sondern auch zu unterhalten. Was genau man eigentlich unter Storytelling versteht, haben wir versucht anhand von Literaturrecherche und Experteninterviews mit Journalisten herauszufinden. Ein einheitliches Bild? Fehlanzeige. Was genau unter den Begriff Storytelling fällt, was Kernelemente sind und was nicht dazu zählt, sehen Praxis und Theorie anders. Auch innerhalb der Literatur widersprechen sich die Autoren. Von klassischem Storytelling, wie es vor allem in der Filmdramaturgie verwendet wird, der Heldenreise, bis hin zu multimedial angereicherten Dokumentationen wird von unterschiedlichen Autoren alles als Storytelling bezeichnet. Wir haben uns entschieden, Aquakultur als Sachthema in den Mittelpunkt zu stellen. Trotzdem verwenden wir Elemente aus dem klassischen Storytelling: So gibt es einen Helden, einen Fischzüchter aus Groß-Gerau, und einen roten Faden. Außerdem soll das Storytelling zum Nachdenken anregen.

Die bisherige Berichterstattung über Aquakultur ist von Antibiotika, Massentierhaltung, Fischfütterung und der Abholzung von Mangrovenwäldern in Asien geprägt. Diese Probleme von Fischzuchtfarmen werden von uns natürlich ebenfalls aufgegriffen. Aber wir zeigen auch, dass nachhaltige Aquakultur nicht nur möglich ist, sondern bereits in einigen Fischzuchtfarmen besteht. Ein Beispiel dafür: die Fischzuchtfarm in Groß-Gerau, die Zander züchtet und stetig neue Techniken anwendet, um noch nachhaltiger zu werden.

Weder Horror noch Heilsbringer

Unser Storytelling ist eines der ersten, das sich aus dieser Perspektive dem großen Themenkomplex Aquakultur nähert. Die Nutzer sollen, nachdem sie unser Storytelling konsumiert haben, in der Lage sein, für sich zu entscheiden, ob sie beim nächsten Fischeinkauf den Lachs aus der Fischzuchtfarm in Norwegen oder den Wildlachs aus Alaska kaufen. Und das mit der Hilfe von einer ausgewogenen Berichterstattung, die Aquakultur weder als absoluten Horror für Fisch und Umwelt darstellt noch als Heilsbringer für die überfischten Bestände in den Meeren, sondern anschaulich erläutert, was Aquakulturen sind, wie sie funktionieren und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.

Ob uns das gelungen ist, könnt ihr in einigen Monaten selbst herausfinden. Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt, ob uns das alles so gelingt, wie wir es uns in der Theorie gedacht haben.

Bild: Philip Gerhardt