Gute Freundin RESI

Conversational Journalism und Chatbots: Nachrichten in Messenger-Form

Aktuelle Nachrichten, die mich interessieren als WhatsApp auf mein Handy? Das ist mit Apps wie RESI und Quartz möglich. Sie machen sich einen der Digitaltrends 2016 zu nutze. Denn Conversational Journalism und Chatbots bekommen immer mehr Aufmerksamkeit. Deswegen haben wir uns mit diesem Thema etwas genauer auseinander gesetzt.

von Julia Moor und Johanna Hilbig

Unsere persönliche Assistentin

Die Idee dahinter ist einfach: Wir hängen alle ziemlich oft und ziemlich lang in den sozialen Netzwerken ab, warum also nicht auch über sie Nachrichten konsumieren? Klingt interessant, aber funktioniert das auch? Wir haben das einmal mit der deutschen App RESI ausprobiert.

RESI zeigt wie Conversational Journalism funktionieren kann. Die App versorgt einen den ganzen Tag mit Nachrichten aus der Medienlandschaft. Dabei passt sie sich auf jeden Nutzer individuell an. Als wir RESI installieren, werden wir von einem winkenden Bären in Form eines GIFs begrüßt. RESI stellt sich als persönliche News-Assistentin vor und bittet direkt darum, Push-Nachrichten zu gestatten. Nach einer kurzen Einweisung geht es auch direkt los. RESI fragt unsere Interessen ab und stellt ein Tagesthema nach dem anderen vor. Finden wir das Thema interessant, können vertiefte Fragen gestellt oder das Ressort abonniert werden. Möchten wir mehr Informationen zu einer Meldung, bekommen wir den Link zur Website des Absenders.

Leider können wir mit RESI nicht frei chatten, sondern nur aus vorgefertigten Reaktionen auswählen: „Erzähl mir mehr!“, „Was ist eigentlich…?“ oder einfach nur „Was heißt das?“. So können wir direkt nachhaken oder eben bei Desinteresse auf „Hast du noch andere News?“ zurückgreifen. Die App spart dabei nicht an Fotos, Emojis und GIFs. Allerdings ist bei RESI irgendwann am Tag Schluss und es gibt keine Nachrichten mehr. Das ist gewollt. Der Nutzer soll schließlich nicht mit Nachrichten überflutet werden. “Mut zur Lücke” ist bei RESI die Devise.

Warum wir RESI wollen… und warum nicht

Dass wir selber darauf anspringen, merken wir in unserer Diskussionsrunde. Während unseres Vortrages, haben sich schon einige direkt die App RESI von Martin Hoffman heruntergeladen. Der Entwickler hat auch einmal am Mediencampus in Dieburg studiert. Er beantwortete uns die wichtigsten Fragen: Wann kommt endlich eine Android-Version der App? Bald! Wer schreibt denn eigentlich die ganzen Nachrichten? Das machen tatsächlich Redakteure, die jeden Tag aus der Flut an News, das Wichtigste herausfiltern.

Wir als angehende Medienentwickler finden diese App sehr spannend, betrachten sie aber auch kritisch. Zwar ist sie besonders für junge Leute ausgelegt, doch einige von uns haben Sorge, dass die Spielereien vielleicht irgendwann zu viel werden oder dass die individuelle Anpassung auf den Nutzer nicht den EU-Datenschutz-Richtlinien entspricht. Einig sind wir uns darüber, dass sie in WhatsApp integriert noch besser ankommen würde, denn Apps haben wir alle meist mehr als genug auf dem Handy.

RESI kann noch einiges lernen

Während RESI noch über eine eigene App auf dem Handy installiert werden soll, überspringen moderne Chatbots diesen Schritt komplett. Die chinesische App “WeChat” hat dabei die Vorlage geboten. Statt für jedes Programm eine eigene App zu installieren, klinken sich Unternehmen oder Services einfach bei WeChat als Plattform ein und erreichen darüber ihre Nutzer. Die Vorteile sind vielfältig. Chatbots können genutzt werden, um beispielsweise Flüge zu buchen, Artikel zu bestellen oder sich eine Pizza liefern zu lassen. Ein Unternehmen muss nicht lange und teuer eine eigene App entwickeln, die dann auch noch von App Stores geprüft und genehmigt werden muss. Außerdem können Updates viel schneller an die Benutzer weitergegeben werden. Die Apps sind somit hoffentlich dynamischer und sicherer.

Für den Benutzer entfällt die Installation einer App, die auch noch Speicherplatz auf dem Handy blockiert. Die Erstellung verschiedener Nutzerkonten und das jonglieren von Logins und Passwörtern entfällt für den Nutzer. Dadurch steigt die Bereitschaft, verschiedene Angebote auszuprobieren, statt sich nur auf eine App zu beschränken.

In der Textgestaltung orientieren sich Chatbots stark daran wie wir mit anderen über Whatsapp oder Facebook Messenger kommunizieren. Die Sprache ist also sehr jugendlich, Nutzer werden mit Du angesprochen. Da diese Chatbots uns dort erreichen, wo wir mit Freunden kommunizieren, können Marken und Unternehmen die Chance nutzen, ihre Marke emotional bei ihrem Publikum zu besetzen. Kleine Details, die in einem Nebensatz erwähnt werden, lassen den Chatbot noch lebendiger erscheinen.

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Wo bleibt unsere Unabhängigkeit?

Man muss aber auch die Frage stellen, wie sicher der Einkauf oder der Umgang mit sensiblen Daten wirklich ist. In Europa und den USA funktionieren die Chatbots bisher über Facebook Messenger. Das Unternehmen Facebook ist jedoch oft in der Kritik, wenn es um das Thema Datenschutz geht. Bei Vorreiter WeChat ist die Kommunikation zwischen dem Benutzer und seinem Chatbot verschlüsselt, während man sich bei Facebook dessen nicht so sicher sein kann. Die Verwendung von Chatbots auf Facebook Messenger mag recht praktisch sein, allerdings bleibt man durch die Verwendung von Apps als Unternehmen und Konsument doch ein wenig unabhängiger vom Facebook-Konzern.

 

Bild: http://www.appgefahren.de/resi-news-die-wohl-witzigste-nachrichten-app-imitiert-einen-chat-185250.html