Forschung zum Teilen: Wie Veranstalter und Teilnehmer von Tweetups profitieren können

Soziale Netzwerke gewinnen stetig an Bedeutung – ob im privaten Gebrauch, im Journalismus oder der Öffentlichkeitsarbeit. So werden Twitter, Facebook und Co. auch zu unverzichtbaren Instrumenten der Wissenschaftskommunikation. Ein neues Konzept in diesem Bereich sind Tweetups: Events für Twitterer, die wissenschaftsinteressiert und gut vernetzt sind. Sie erhalten einen exklusiven Einblick in die Forschung und twittern live darüber, was sie erleben und erfahren. So wird Wissenschaft transparent.

Tweetup bei GSI
Science Tweetups bei GSI, Foto: Lisa Leander, CC by-nc-nd

Etabliert sind solche Veranstaltungen bereits im Bereich der Raumfahrt. Ins Leben gerufen wurden sie als Space Tweetups, heute heißen sie Social Space. Nicht nur die NASA, sondern auch das DLR und die ESA bieten solche Events. Außerdem haben sich innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft die Science Tweetups verstetigt. Egal ob es sich um ein groß angelegtes Event handelt oder um eine Veranstaltung für eine kleine Gruppe – meist beinhaltet das Programm Besichtigungen und interaktive Elemente, wie Mitmach-Experimente und Gespräche mit Forschern oder Astronauten. Im Kulturbereich ist das Format ebenfalls erfolgreich,  so organisiert beispielsweise der Verein „Kulturkonsorten“  Kultur Tweetups für Museen und andere kulturelle Einrichtungen. Die Veranstaltungen mehren sich und das Teilnehmerfeld wird immer größer. Doch was bedeutet das für die Wissenschaftskommunikation und inwiefern werden PR Ziele damit erreicht?

Wir sind diesem neuen Konzept auf den Grund gegangen und haben vier Veranstalter und sechs Teilnehmer von Tweetups interviewt. Nach einer Auswertung der Gespräche haben wir schließlich mehr über deren Motivation, Ziele, Vorstellungen, Vorgehensweisen und Verbesserungsvorschläge erfahren. Aufbauend darauf sowie auf einem eigenen Tweetup Besuch stellten wir schließlich zwei Leitfäden zusammen – zum einen für Organisatoren, die ein Tweetup veranstalten wollen, und zum anderen für die Teilnehmer, die einen solchen Event besuchen möchten.

Leitfaden für Veranstalter

Leitfaden für Teilnehmer

Die Organisatoren nutzen Tweetups vor allem als ein neues Veranstaltungsformat für eine spezielle Zielgruppe, die sich nicht vorrangig aus Journalisten sondern aus Bloggern, Twitterern oder weiteren Netzaffinen zusammenstellt.  Und so ist auch das Teilnehmerfeld in der Regel gemischt.  Ob studierter Wissenschaftler, Raumfahrtfan oder ein Interessierter, der reinschnuppern will – alle sind willkommen. Die Organisatoren, meist Social Media Beauftragte der Institutionen, wollen die Faszination für Wissenschaft an ein digitales Publikum weitergeben. Inwieweit die klassischen PR Ziele, wie die Steigerung der Reputation, damit erreicht werden, ist schwer zu sagen. Die Teilnehmer waren zwar durchweg begeistert von dem Format, aber nur manche gewannen dadurch deutlich mehr Follower oder erhielten eine große Zahl an Retweets und Kommentaren von Personen, die nicht selbst beim Tweetup dabei waren.

Wie gut die Öffentlichkeit außerhalb der Twitter Community erreicht wird, müsste mit einer umfangreichen Evaluation untersucht werden. Die Veranstalter weisen zwar darauf hin, dass das Format Tweetup ganz bewusst auf die Kommunikation im Web 2.0 ausgerichtet sei. Dann müssen sie allerdings zum Ziel haben, die Inhalte des Tweetups noch stärker über Kanäle wie Blogs oder Facebook zu streuen, um die Reichweite zu vergrößern. Die Umbenennung der Space Tweetups in Social Space geht bereits in diese Richtung und weitet das Format auf die gesamte Bandbreite der sozialen Netzwerke aus.

In Zukunft werden die Organisatoren wohl weiterhin mit dem Format experimentieren. Wir stellen uns vor, dass Tweetups ein interessantes Kommunikationstool für viele Wissenschafts- oder Kulturbereiche sein können: Wie wäre es zum Beispiel, Twitterer in Labore von Meeresbiologen, zu Ausgrabungsstätten von Archäologen oder hinter die Kulissen von Theatern einzuladen? Anlässe zum Berichten, Fotografieren, Twittern und Diskutieren gibt es dort sicher genug.

Von Lisa Leander und Michèle Lauer