Manipuliert Facebook die politische Meinung seiner Nutzer?

Liken, teilen, kommentieren – diese Funktionen Facebooks sind fester Bestandteil unseres Alltags. Facebook hat weltweit über 1,6 Milliarden Mitglieder. Aber hat das soziale Netzwerk dadurch auch die Macht, seine Nutzer im Hinblick auf ihre politische Orientierung zu beeinflussen? 

Von Anna Christern

In den vergangenen Tagen wurde dieses Thema vor allem in den USA heftig diskutiert. Der Hintergrund: Am Montag wurde Facebook auf dem US-Blog GIZMODO beschuldigt, Nachrichten-Trends zu manipulieren und politisch-konservative Berichte bewusst zu unterdrücken. Konkret geht es um die Funktion der „Trending Topics“, die bisher nur in der amerikanischen Version von Facebook verfügbar ist. In einem Kasten wird den Nutzern angezeigt, welche Themen im Netzwerk besonders stark diskutiert werden. Auf diese Weise sollen die Nutzer mit den wichtigsten Nachrichten versorgt werden.

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Trending Topics sollen manipuliert worden sein

Mehrere angebliche Ex-Mitarbeiter von Facebook, die nur anonym zitiert werden, behaupten nun, dass die „Trending Topics“ manuell bearbeitet werden – und das oft nach dem persönlichen Geschmack der Mitarbeiter. Der heftigste Vorwurf: Themen mit politisch-konservativer Neigung sollen unterdrückt worden sein, so zum Beispiel auch Berichte über den ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Andere Themen sollen dafür manuell hinzugefügt worden sein, darunter beispielsweise Berichte über die Aktivistenbewegung „Black Lives Matter“, die auf Gewalt gegen Schwarze aufmerksam macht.

Facebook selbst bezog direkt am nächsten Tag Stellung – in Form eines Facebook-Posts, der vom zuständigen Manager Tom Stocky veröffentlicht wurde. Er bestreitet die anonymen Anschuldigungen darin und betont, dass die internen Richtlinien eine Manipulation dieser Art verbieten und es sogar technische Barrieren dagegen gebe.

Facebook-Manager soll Geld für Clintons Wahlkampf gespendet haben

Es steht also Wort gegen Wort. Und trotzdem wurde die Diskussion in den sozialen Medien umgehend aufgegriffen. Denn gerade während des US-Wahlkampfes ist das Thema der bewussten politischen Beeinflussung sehr sensibel. Zudem hatte Mark Zuckerberg schon vor einigen Wochen für Aufsehen gesorgt, als er Kritik gegenüber dem Präsidentschaftsanwärter Donald Trump äußerte, der den Vorschlag gemacht hatte, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten. In den sozialen Medien wurde zusätzlich eingeworfen, dass der zuständige Facebook-Manager Tom Stocky viel Geld für die Wahlkampf-Kampagne von Hillary Clinton gespendet habe.

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Deswegen diskutierten auch wir in unserem Seminar darüber, ob Facebook tatsächlich einen so großen Einfluss hat, dass es durch die Manipulation der Nachrichten-Trends den US-Wahlkampf beeinflussen könnte. Unser Fazit: Es kommt auf das Alter der Nutzer an. Denn gerade die Bürger, die in ihrer politischen Richtung bereits gefestigt sind, dürften sich durch die Nachrichten-Trends bei Facebook nicht beeinflussen lassen. Problematischer könnte es bei der jüngeren Generation sein – denn die ist zum einen besonders aktiv in den sozialen Medien, zum anderen kann sie in Bezug auf ihre politischen Vorlieben noch geformt werden. Aber: Falls es stimmen sollte, dass Facebook politische Perspektiven unterdrückt, würde das soziale Netzwerk seinen Ruf als neutrale Plattform aufs Spiel setzen. Dadurch würde es riskieren, dass ihm sowohl Nutzer als auch Werbekunden abspringen. Am Schluss stellt sich also die Frage, welchen Sinn eine bewusste politische Beeinflussung für Facebook hätte. Und darauf haben wir keine Antwort gefunden.