Die Premiere des neuen “Tagesschau”-Studios

Die Tagesschau zählt zu den Institutionen der deutschen Fernsehlandschaft. Seit mehr als sechzig Jahren flimmert sie hierzulande über die Fernsehbildschirme und bringt den Zuschauern tagesaktuelle Nachrichten auf verständliche wie informative Weise näher. So soll es auch in den nächsten Jahren weitergehen, wenn die Tagesschau in einem neuen Studio produziert wird, das den Zuschauern am Karsamstag 2014 erstmals präsentiert wurde.

Neues Tagesschau-Studio
Chefsprecher Jan Hofer während der ersten Tagesschau aus dem neuen Studio. Foto: tagesschau.de

„Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“ – etwas ungewohnt ist es schon, dass sich statt der bekannten männlichen Stimme nun die charmante weibliche Synchronsprecherin von Angelina Jolie mit den Eingangsworten zu Deutschlands meistgesehener Nachrichtensendung meldet. Es ist der 19. April, Karsamstag, als sich der Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer zum ersten Mal aus dem neuen ARD-aktuell Nachrichtenstudio meldet, das in den letzten Jahren für ca. 23,8 Millionen Euro in Hamburg entstanden ist. Begonnen hatten die Vorplanungen für das neue Studio bereits im Jahr 2009 – aufgrund gravierender Probleme mit dem Grafiksystem ließ die Inbetriebnahme allerdings einige Zeit auf sich warten.

Doch nun ist das neue Nachrichtenstudio der ARD da und soll den tagesaktuellen Sendebetrieb mindestens für die kommenden zehn Jahre gewährleisten. Darin inbegriffen sind zum einen die täglich etwa 20 Ausgaben der Tagesschau, zum anderen werden künftig auch weiterhin die Tagesthemen, das Nachtmagazin, der Wochenspiegel sowie die Ausgaben für Tagesschau24 im neuen Sendestudio produziert. Dabei verzichtet die ARD bewusst auf Virtualität. Stattdessen möchte man den Konsumenten durch eine 17-Meter-Medienwand, auf welche die Bilder durch sieben Beamer real produziert werden, bewusst das Gefühl eines „anfassbaren“ Studios vermitteln, das Vertrauen schafft und für Verlässlichkeit, Sicherheit sowie Glaubwürdigkeit stehen soll. Aus technischer Sicht erfolgt mit dem neuen Nachrichtenstudio zudem die Umstellung auf eine Produktion in HD (High Definition)-Bildqualität. Dazu erlaubt die bereits angesprochene Medienwand eine optisch bessere Umsetzung der Nachrichten. So soll in Zukunft verstärkt auf Fotojournalismus sowie eine authentischere Bebilderung der Nachrichten gesetzt werden, um auf diese Weise die Emotionen der Zuschauer zu wecken. Hinzu kommt, dass das neue Studio den Moderatoren eine größere Bewegungsfreiheit erlaubt, was gerade bei gestalterisch offeneren Formaten wie etwa den Tagesthemen für stilistisch ansprechende Umsetzungsmöglichkeiten sorgen dürfte. Zum Umzug ins neue Studio äußerte sich auch der NDR-Intendant und derzeitige ARD-Vorsitzende Lutz Marmor:

„Mit diesem Studio macht die ARD ihr Flaggschiff klar für die kommenden Jahre. Technisch war die Erneuerung der Studio-Ausrüstung überfällig. Und für die Präsentation der Tagesschau und der Tagesthemen steht jetzt modernste Technik zur Verfügung.“

Viel positives Feedback

Und auch in den großen sozialen Netzwerken gab es ein überwiegend positives Feedback für die Realisierung des neuen ARD-Nachrichtenstudios. Gerade auf Twitter wurden viele Kommentare veröffentlicht, welche die zeitgemäße, frische und unverspielte Aufmachung der Sendung lobten. Unter den zahlreichen Tweets, die sich mit der Premierenausgabe beschäftigten, fanden sich im Gegenzug allerdings auch diverse kritische Töne, die etwa das leicht antiquiert bzw. bieder wirkende Erscheinungsbild der “neuen” Tagesschau monierten oder den Nutzen des Studios in Relation zu seinen erheblichen Kosten in Höhe von ca. 23,8 Millionen Euro als zu gering erachteten.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es noch einige Zeit dauern dürfte, ehe ein finales Fazit zum Mehrwert des neuen ARD-Nachrichtenstudios gezogen werden kann. Sicherlich sind die Investitionssummen enorm, allerdings gewährleistet der Umzug in die neuen Räumlichkeiten auch eine technisch einwandfreie und hochmoderne Berichterstattung für die kommenden zehn Jahre. Gerade der Umstieg auf die Produktion in HD-Qualität (und damit auf eine qualitativ hochwertige Bebilderung der Nachrichten) war für die ARD schon einige Zeit überfällig. Denn gerade durch die stetige technische Weiterentwicklung der Sendung schafft man in Hamburg heute den Rahmen dafür, die Rolle der Tagesschau als Flaggschiff der deutschen Nachrichtenformate auch in den kommenden Jahren gegenüber der Konkurrenz zu verteidigen.