Das Phänomen Trump

Trump siegt: Euphorie und Angst nah beieinander

Donald Trump wird Präsident und die ganze Welt befindet sich in Schockstarre. So lässt sich die aktuelle Situation wohl am besten beschreiben. Wie konnte es soweit kommen? Diese Fragen stellten auch wir Studenten uns diese Woche.

von Johanna Hilbig und Lisa Mann

Noch Anfang der Woche schien es klar zu sein: Hillary Clinton wird Präsidentin und damit die erste Frau, die nicht als First Lady ins Weiße Haus einzieht. Meinungsumfragen aus Amerika, das US-Forschungsinstitut Moody`s, politische Berichterstattungen in Deutschland – alle sprachen von einem Sieg Clintons. Doch es kam anders.

Verwunderung in den deutschen Medien

Am frühen Mittwochmorgen erreichte das Wahlergebnis die Deutschen. Entgegen vieler Erwartungen wurde Trump von den Amerikanern zum Präsident gewählt. Was bei vielen Wählern in Amerika für ausgelassene Euphorie sorgte, löste bei den Clinton-Anhängern Zukunftsängste aus.

Besonders den Medien war die Verwunderung über Donald Trumps Sieg anzumerken. In Deutschland wurde Trump nur selten als ein ernsthafter Präsidentschaftskandidat wahrgenommen. Umso größer also die Verwunderung, dass er sich gegen Clinton behaupten konnte.

Der Schock war vielen Journalisten anzumerken. Sie hatten nicht mit einem Sieg Trumps gerechnet. Der ARD-Korrespondent Stefan Niemann erklärte es sich so: „Ich fürchte, wir haben bei unseren Drehreisen durch Amerika nicht gut genug zugehört, und dann auch noch die falschen Schlüsse gezogen!”  Immer wieder hätten  ihnen Wähler gesagt, dass sie Trump mögen und ihm ihre Stimme geben wollen, weil er “kein Politiker” sei. Niemann habe das als typische Politikverdrossenheit abgetan, als landesübliches Schimpfen auf “die da in Washington”. Der ARD-Korrespondent sagt: “Völlig übersehen habe ich, welch gewaltige Wechselstimmung sich da aufgebaut hatte im Land. Eine Wechselstimmung, die nicht Demokraten von Republikanern abgelöst sehen will, sondern eine Abkehr von der gesamten sogenannten politischen Klasse.“

Doch nicht nur diese Wechselstimmung war der Grund,  warum Clinton Stimmen einbüßen musste. Viele ihrer Anhänger waren sich ihres Sieges so sicher, dass sie es offenbar nicht für nötig hielten, wählen zu gehen. Am Mittwoch war in den Medien von einem “shy trump effect” die Rede. Das bedeutet, es haben sich offenbar nicht alle Trump-Anhänger öffentlich zu ihm bekannt und ihn stattdessen heimlich gewählt.

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US-Professoren sagen Trump-Sieg voraus

Für manche kam das Ergebnis jedoch nicht sehr überraschend. Die Professoren Allan Lichtman und Helmut Norpoth sagten einen Sieg für Donald Trump voraus. Beide haben unabhängig voneinander ein Modell entwickelt, dass die Ergebnisse der Wahl durch Berechnungen und verschiedene Analysen errechnet und nicht auf Meinungsumfragen beruht.

Nach Norpoth seien Meinungsumfragen fehlerhaft, da sie keine Taten widerspiegeln. Es gehe bei ihnen nur darum, was sie von Clinton oder Trump halten, aber sie haben keine Aussagekraft darüber, ob diesen Gedanken Taten folgen werden. Der Professor verlässt sich auf Statistiken, auf das Abschneiden der Kandidaten bei den Vorwahlen, sowie auf Muster beim Wahlzyklus, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Ein ähnliches Modell hat Allan Lichtmann. Sein System ist ein Schlüsselsystem. Dabei nutzt der Wissenschaftler ein System von 13 Aussagen (Schlüssel zum Weißen Haus). Treffen mindestens sieben Aussagen zu, bleibt die regierende Partei an der Macht. Wenn jedoch sechs oder mehr Schlüssel nicht zutreffen, wird es einen Regierungswechsel geben.

Beide Professoren haben mit ihren Berechnungen richtig gelegen. Doch was bedeutet der Wechsel im Weißen Haus jetzt für Deutschland? Diese Frage haben wir in der Runde diskutiert und kamen dabei auf ganz unterschiedliche Punkte zu sprechen. Allem voran bereitet den meisten jedoch der Sieg des Populismus in den USA Sorgen. Denn der könnte Anhängern ähnlicher politischer Strömungen in der EU Hoffnungen für kommende Wahlen machen. Für Medienmacher sind diese Entwicklungen eine echte Herausforderung, deren einzige Lösung eigentlich nur eine konsequente und alle Facetten betrachtende Berichterstattung sein kann.

 

Bild: Von Gage Skidmore – https://www.flickr.com/photos/gageskidmore/