Bitte füttern

Foto: Natanja Marija Grün
Foto: Natanja Marija Grün

Tanzen, sägen, wandern, fachsimpeln: Am 23. und 24. November war das Barcamp RheinMain zu Gast am Mediencampus. (Teilzeit-)Nerds und Medienmenschen konnten sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen. Wir haben uns ins Getümmel gewagt – und mehr geboten bekommen als erwartet.

Zwei Tage, fast 300 Menschen und Vorträge am laufenden Band. Das hört sich zunächst einmal nicht gerade nach Vergnügen an. Glücklicherweise tummeln sich die Leute auf einem Barcamp jedoch meist nicht weil sie es müssen.

Kurzer Exkurs: Ein Barcamp ist eine sogenannte Unkonferenz. Im Unterschied zu ihrem Namensverwandten ist ein Barcamp jedoch frei zugänglich, Teilnahme und Vorträge sind kostenfrei. Außerdem weiß man vorher meistens nie so genau, was einen erwartet: Die Sessions (Neusprech für Vorträge) entstehen spotan vor Ort, Themen und Tiefgang hängen von den anwesenden Personen ab. Weitere Informationen dazu gibt es auf Wikipedia oder in diesem tollen Erklärvideo.

Von Fehltritten und falschen Tatzen

Was das Ganze nun mit Medienentwicklung zu tun hat, möchte ich kurz exemplarisch am Vortrag von Jack Wolfskin-Pressesprecher Thomas Zimmerling darstellen. In seiner Session mit dem inoffiziellen Titel “Warum wir so oft auf die Schnauze gefallen sind und es immer noch tun” erklärte Zimmerling, vor welchen Schwierigkeiten die Outdoormarke in der Krisenkommunikation steht.

Angefangen hatte alles bereits vor einigen Jahren, als Jack Wolfskin kleine private Anbieter auf DaWanda wegen Tatzenbestickungen abgemahnt hatte. Die öffentliche Entrüstung war entsprechend groß. Zwar habe man im Nachhinein aus diesem (und anderen) Fehlern gelernt, so Zimmerling. Der nachfolgende Imageschaden aber, beschränke auch Jahre später noch immer den Handlungsspielraum des Unternehmens.

Thomas Zimmerling fragt im Barcamp nach Ideen. Foto: Natanja Marija Grün
Thomas Zimmerling fragt im Barcamp nach Ideen. Foto: Natanja Marija Grün

An dieser Stelle hätte jeder Konferenzteilnehmer seinen Stift in die Tasche gepackt und in Gedanken ans kalte Buffet kurz laut auf das Kunststoffpult an seinem Sitz geklopft. Nicht jedoch auf einem Barcamp. Thomas Zimmerling gab die Frage kurzerhand zurück ins Publikum. Sollte Jack Wolfskin seine Marke verwässern lassen (was den Kampf gegen Produktpiraterie dank juristischer Feinheiten nahezu unmöglich macht) und “sich nicht so anstellen”? Oder gäbe es andere Möglichkeiten, wie der Konzern dieses Thema künftig kommunizieren könnte, ohne immer wieder in das selbe Wespennest zu stechen?

Ehrlich währt am längsten

Was hier passierte war ebenso spannend, wie ungewöhnlich. Unternehmen haben normalerweise gute Gründe ihre Probleme nicht nach Außen zu tragen. Der Vertrauensvorschuss wurde jedoch mit einer qualitativ hochwertigen Diskussionsrunde belohnt. Einer der unserer Meinung nach spannendsten Ideen war, dass Jack Wolfskin selbst eine Änderung im Markenrecht anstoßen könnte, um bei “Kavaliersdelikten” Handlungsspielräume zu gewinnen ohne eine schlechtere Verhandlungsposition bei großen juristischen Auseinandersetzungen in Kauf nehmen zu müssen.

Thomas Zimmerlings Session kam nicht nur bei uns gut an. Auch im Netz gab es für diese transparente und ehrliche Diskussionsrunde viel Lob:

Die beste Blackbox der Welt

Was Qualität und Relevanz anging, ließen sich aber auch die anderen Vorträge nicht lumpen. Frank Hamm und seine Frau beispielsweise zeigten in der wohl eingängigsten Session, wie man Storytelling und den hawaiianischen Hula verbinden kann.

Im Workshop “CNC-Fräsen und g-Code” sägte man sich kurzerhand ein eigenes Barcamp-Logo. Oder wie Twitterbenutzerin Sabrina alias @goethalss so schön sagte: “Männer die auf Fräsen starren.

Dies soll einen kleinen Einblick in das Barcamp RheinMain 2013 geben. Es gab noch viele weitere tolle Sessions, sei es die Agentur “quäntchen und glück”, die ihren Workflow zur Diskussion stellten, oder die “Sieben Tipps, damit dein Gegenüber dich nicht beißt”. Wer sich noch einmal einen Überblick zu Themen und Rednern verschaffen möchte: Das Barcamp-Team hat den Sessionplan hier zur Verfügung gestellt.

Egal ob also Hularock oder Sägeschutzbrille  – an diesem Wochenende dürfte wohl niemand ohne neue Ideen und Anregungen nach Hause gegangen sein. In diesem Sinn, hoffentlich bis zum nächsten Jahr!

Foto: Natanja Marija Grün
Foto: Natanja Marija Grün

Weitere Links:

 

Update 28.11.2013:

Die Session von Thomas Zimmerling gibt es ab sofort auch auf YouTube zu bestaunen.

5 Kommentare

  1. Hallo Peter,
    vielen Dank für diese gute Zusammenfassung. Wärst Du so nett, in der Blogschau noch den Beitrag von Hanne Becker http://www.diebeckerin.de/rueckblick-barcamp-rheinmain-2013/ und meinen Beitrag zu verlinken: http://pabstblog.de/2013/11/barcamp-rheinmain-2013-bcrm13-so-etwas-wie-kirchentag-fuer-nerds/

    Ich empfehle insbesondere auch die Kommentare, wo sich eine Diskussion über die Erwartungen an Qualität bzw. über die Qualifikation der Referentinnen und Referenten entsponnen hat.

    Viele Grüße
    Axel

  2. Hallo Axel,

    zunächst Dankeschön für die weiteren Links. Ich werde sie gleich in die Blogschau mit aufnehmen.

    Die Ansprache mit “Peter” lässt allerdings vermuten, dass Peter Schumacher (unser Studiengangsleiter) gemeint sei. Für das Erstellen und Aufbereiten der Inhalte auf dieser Seite sind allerdings wir Masterstudenten verantwortlich. Peter Schumacher trägt die rechtliche Verantwortung (siehe Impressum).

    Hoffe ich konnte das ein wenig aufklären.

    Beste Grüße
    Tom

Kommentare sind geschlossen.