ARD, ZDF und Co.: Wohin führt der Weg des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland?

Im Rahmen der Projektarbeit „Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Medienwandel“ wurden vier zentrale Problemfelder öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in Deutschland erkannt. Legitimationsprobleme wie z.B. die Ansprache der Zielgruppe und die heutige Mediennutzung, veraltete Verwaltungsstrukturen, die derzeitige Finanzierung sowie das Thema Internet & Jugend stellen die vier identifizierten Bereiche dar, die wir im weiteren Verlauf durch qualitative Leitfadeninterviews mit ausgewählten Experten aus der Medienbranche analysiert haben, um darauf entsprechend der Expertenmeinungen Leitideen für die zukünftige Akzeptanzsicherung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten entwickeln zu können.

Rechtliche Probleme im Internet
Rechtliche Probleme im Internet. Foto: Thomas Schubert, CC-BY 2.0 via flickr

Im Zeitraum von Mitte Dezember bis Anfang Januar haben wir sieben Experten interviewt, davon führten wir fünf persönliche Leitfadengespräche via Skype und erhielten zwei schriftlich beantwortete Fragebögen. Hierbei lassen sich unsere Interviewpartner in zwei grobe Gruppen unterteilen: zum einen waren vier Gesprächspartner eher den Kritikern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zuzuordnen und zum anderen zeigten die übrigen drei sich dem Öffentlich-Rechtlichen gegenüber eher als positiv eingestellt bzw. arbeiten für die Sendeanstalten.

Nach der Transkription und Auswertung der Interviews folgte die thematische Einordnung der Expertenantworten in die vier identifizierten Problemfelder und die Gegenüberstellung der verschiedenen Aussagen unserer Gesprächspartner. Die Resultate der Ausarbeitung sollen nachfolgend kurz vorgestellt werden.

Ergebnis der Projektarbeit

Nach Meinung unserer Experten stand die Auffassung im Vordergrund, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch in den nächsten Jahren ein bedeutendes und gesellschaftlich wertvolles Medium für die Bundesrepublik bleiben müsse, allerdings in naher Zukunft einige Veränderungsprozesse eingeleitet werden sollten, welche zur nachhaltigen zukünftigen Akzeptanzsicherung der Sendeanstalten beitragen dürften. In diesem Zusammenhang sind etwa die öffentlich-rechtlichen Legitimitätsprobleme – sowohl hinsichtlich einer effizienteren Ansprache jüngerer Zielgruppen als auch der Reaktion auf eine sich verändernde Mediennutzung deutscher Rezipienten – zu nennen, welche nach Ansicht unserer Experten in Zukunft durch Lotsenaufgaben in Zeiten medialer Vielfalt, mehr Mut hinsichtlich der Etablierung neuer Formate und der Förderung glaubhafter Protagonisten sowie äußerer Transparenz und verstärkte crossmediale Ansätze behoben werden könnten.

Hinzu kommt die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des neuen Rundfunkbeitrags, welcher nach Einschätzung der Mehrheit unserer Experten bisher weitestgehend seinen Nutzen erfüllt und nicht durch ein entsprechend individuell buchbares Abonnement-System ersetzt werden sollte. Vielmehr bedarf es auch hier verschiedener Systemanpassungen, auf deren Basis das neue Beitragsmodell in den nächsten Jahren entsprechend evaluiert und weiterentwickelt werden sollte.

In Bezug auf die Verwaltungsstrukturen der öffentlich-rechtlichen Sender sind sich die Experten einig, dass eine tiefgreifende Reform nötig ist. Sie liefern verschiedene Ansätze, wie diese umgesetzt werden könnte und welches Ziel zu erreichen sei. Wie viel Partei-Präsenz innerhalb der Gremien vertretbar ist und inwieweit diese staatsferner organisiert werden sollen, lassen die Experten dagegen offen und verweisen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in diesem Frühjahr.

Die Betrachtung der beiden Bereiche Internet und Jugend lässt schnell erkennen, dass sie eng miteinander verbunden sind. Gerade junge Menschen ändern ihr Mediennutzungsverhalten schneller als der ältere Teil der Bevölkerung. Ganz nach dem Prinzip “einschalten-anschauen-ausschalten” nutzen sie immer stärker TV- und Radio-Dienste, die online angeboten werden. Um also eine crossmediale Ansprache der Jugend innerhalb des öffentlich-rechtlichen Programms zu gewährleisten, dürfen die Möglichkeiten des Internets, beispielsweise durch das Depublizieren, nicht weiter begrenzt werden. Außerdem sollte die Kommunikation zwischen den Anstalten und jungen Menschen gefördert werden, indem die jugendliche Zielgruppe in die Programmgestaltung mit einbezogen wird. Diese Zusammenarbeit spielt eine wichtige Rolle, denn so kann herausgefunden werden, in welchem zukünftigen Programmumfeld sich Jugendliche wohl fühlen.

Abschließend ist festzuhalten, dass den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in den nächsten Jahren die Aufgabe zukommen sollte, sich im Rahmen einer grundlegenden Reform dem Medienwandel sowie den veränderten gesellschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen im digitalen Zeitalter anzupassen, um den Grundversorgungsauftrag entsprechend der modernen Anforderungen an Interaktion, Transparenz und Partizipation neu zu interpretieren. Im Rahmen des Grundversorgungsauftrags sollten dabei stets die gesellschaftlichen Bedürfnisse und Ansprüche im Fokus der Umsetzung von öffentlich-rechtlichen Inhalten stehen. Daher bedarf es eines verstärkten Austauschs zwischen Rezipienten und Rundfunkanbietern, damit den Konsumenten im Rahmen einer transparenteren Außendarstellung die Möglichkeit eingeräumt wird, selbst über die gesellschaftliche Relevanz öffentlich-rechtlicher Rundfunkangebote zu entscheiden. Denn aufgrund der im Public-Value-Gedanken verankerten Gemeinwohlorientierung sowie der Inanspruchnahme öffentlicher Ressourcen (etwa in Form des erhobenen Rundfunkbeitrags) bedarf es eines stetigen partnerschaftlichen Dialogs zwischen gebührenfinanzierten Programmanbietern und deren Konsumenten, um auf diese Weise die Programme permanent auf ihre gesellschaftliche Akzeptanz hin zu evaluieren und somit den Nutzen öffentlich-rechtlicher Inhalte für die deutschen Bürger auch in Zukunft sicherzustellen.

Zu guter Letzt hoffen wir, mit unserer Projektarbeit, insbesondere den Interviews und deren Auswertung sowie Ableitung entsprechender Leitideen, Denkanstöße zur Akzeptanzsicherung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland gegeben zu haben.

Von Jennifer Sebastian und Moritz Weigand