„Es ist kein neuer Journalismus“

Sebastian Spang ist Senior Product Manager Digital bei Hubert Burda Media und unterrichtet das Seminar „Mobile Publishing“ an der Hochschule Darmstadt. Anna-Lena Noureldin und Martin Krauß haben mit ihm über die Entscheidungen gesprochen, die bei der Entwicklung einer App zu treffen sind.

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Burda Media ist unter anderem mit dem Focus und der TV Spielfilm in den Appstores vertreten.
Foto: Martin Krauß

Sie sind seit fünf Jahren bei Burda. Wo haben Sie denn Ihr erstes Wissen für die App-Entwicklung herbekommen?

Spang: Angefangen habe ich im Produktmanagement Online. Da es viele Parallelen zwischen Online und Mobile gibt, war der Schritt zu Mobile zunächst nicht sehr groß. Spezielles Mobile-Wissen habe ich dann nach und nach aufgebaut. Aufgrund der sehr schnellen Weiterentwicklungen im Mobile-Markt lernt man aber täglich dazu und muss sich regelmäßig auf neue Technologien und Gegebenheiten einstellen.

Was sind denn die ersten Schritte innerhalb einer Redaktion für die Entwicklung einer journalistischen App?

Spang: Zunächst sollte man grundsätzliche Fragen beantworten: Was für eine Produktlösung möchte ich? Welche Inhalte sollen mobil aufbereitet werden? In welchen Stores soll das Produkt verfügbar sein? Soll die App als Web-App oder native App konzipiert werden? Und zusätzlich: Welches Know-how für die Umsetzung ist in meinem Team schon vorhanden? Welches Know-how muss aufgebaut werden? Aus den Antworten ergibt sich dann das weitere Vorgehen.

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Foto: Sebastian Spang

Muss man eine komplett neue Struktur für den Ablauf in der Redaktion entwickeln?

Spang: Die bestehenden Strukturen sollten optimiert und weiterentwickelt werden. Bei der Produktion journalistischer Inhalte muss Mobile direkt mitgedacht werden, das heißt, idealerweise laufen die Prozesse Print, Online und Mobile parallel und integriert und nicht nacheinander ab. Oft ist das Know-how in der Redaktion schon vorhanden, dieses muss gebündelt und genutzt werden.

Von was ist das denn abhängig? Wo sind die Knackpunkte?

Spang: Knackpunkt ist tatsächlich: Was möchte ich? Möchte ich mit meiner Marke auf möglichst vielen Geräten vertreten sein und möglichst viele Nutzer erreichen? Möchte ich ein innovatives Leuchtturmprodukt, beispielsweise erst mal nur für das iPad etablieren? Möchte ich die App als Marketinginstrument nutzen oder stehen die Verkaufszahlen im Vordergrund? Je nach Ziel muss das Produkt entsprechend gestaltet werden.

Und woher weiß man, was die richtige Entscheidung für das eigene Produkt ist?

Spang: Eine gründliche Analyse ist zentral: Dabei sollte man sich zunächst das nationale und internationale Konkurrenzumfeld sehr genau anschauen. Hilfreich ist es auch, das Wissen anderer Kollegen zu nutzen, die bereits Erfahrungen mit mobilen Produkten gemacht haben. Deshalb zum Telefonhörer greifen und viele Gespräche führen. Viele Erfahrungen muss man sicher nicht nochmal machen, wenn Andere sie schon gemacht haben. Letztlich aber ist Mobile für alle ein Lernprozess, bei dem es kein richtig und falsch gibt. Es muss sehr viel getestet und ausprobiert werden.

Wie sind Sie bei Burda mit den Lizenzverträgen für Texte und Fotos umgegangen?

Spang: Die Digitalrechte liegen bei aktuellen Produktionen in der Regel vor. Für ältere Produktionen ist das tatsächlich ein Thema, hier wird das immer im Einzelfall geprüft. Im Optimalfall wird bei der Produktion schon mitgedacht, ob zusätzlicher Videocontent  – zum Beispiel von Fotoshootings – einfach mitproduziert werden kann, um dann die digitalen Angebote zu erweitern.

Welche Abteilungen brauche ich  grundsätzlich, um eine App zu entwickeln?

Spang: Es kommt immer auf die Lösung an. Wenn man sich für eine PDF-Lösung entscheidet, ist die Umsetzung relativ einfach. Um so aufwendiger und interaktiver das Produkt werden soll, um so mehr muss eigenes Wissen aufgebaut werden: Das heißt, neben den Journalisten sollte auch die Grafik entsprechend geschult sein. Wenn die Grafikredaktion gut im Thema ist, den Markt kennt und das Projekt mit vorantreibt, dann ist es natürlich deutlich einfacher.

Und der journalistische Aspekt?

Spang: Journalistische Inhalte müssen mobil-optimiert aufbereitet werden. Das kann dann eine neue interaktive Erzählform sein, aber es ist kein neuer Journalismus. Im Vordergrund stehen nach wie vor gut gemachte journalistische Inhalte, die entsprechend aufbereitet für Print, Online oder Mobile ausgespielt werden müssen.

Was sollte man nicht machen, wenn man eine App entwickelt?

Spang: Für mich ist ein absolutes No-Go: einfach nur eine App zu machen, um eine App zu haben. Das wurde in den letzten Jahren häufig gemacht, diese Zeiten sind meiner Meinung nach aber vorbei. Man muss nicht zwingend immer eine App produzieren, um mobil aktiv und für Nutzer attraktiv zu sein. Inhalte können mobil auch über mobile Website, HTML-5 Elemente oder Web-Apps erreichbar sein. Im Vordergrund sollte die Frage stehen: Was will ich erzählen? Welchen Content habe ich? Daraus ergibt sich dann die Umsetzung: Man muss nicht immer Audio, Video und Infografik integrieren und Inhalte zwingend interaktiv gestalten. Oft genügt es auch, wenn ein guter journalistischer Text im Vordergrund steht.

Herr Spang, wir bedanken uns für das Interview.

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