Alles Lüge oder was?

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Quelle: Tanja Duda

Von Fabienne Sygulla und Tanja Duda

Zwei Worte: Mittelfinger und Varoufakis. Was fällt Euch dazu ein? Klar. Ein weiteres Wort: Böhmermann. Im März diesen Jahres erregte Jan Böhmermann mit genau diesen beiden Worten die Gemüter. Die eigentliche Aufregung steckte in einem dritten Wort: gefaked.  Erinnert ihr Euch noch? Jan Böhmermann behauptete, ein bei Günther Jauch gezeigtes Video des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis, in welchem dieser Deutschland seinen Mittelfinger zeigt, sei gefälscht. Ganz Medien-Deutschland war verunsichert. War das nun wahr? Oder auch wieder nur ein Fake? In Zeiten des Internets und der unkontrollierten Verbreitung von Informationen sind diese Fragen oft nicht leicht zu beantworten. Die gezielte Manipulation von Information ist zu einer großen Herausforderung geworden. Gerade für Journalisten.

Informationsmanipulation und Falschmeldungen nehmen zu

Wie sehr können wir Informationen von außen noch trauen? Wie gehen wir als Journalisten mit der Manipulation Informationen und Nachrichten um? Wie unterscheiden wir seriöse Quellen von unseriösen? Und woran können Qualitätsmedien bewusst gesteuerte Falschmeldungen erkennen? Mit diesen brandaktuellen Fragen beschäftigten wir uns im vergangenen Labor-Seminar. Im Rahmen der Wochenschau referierte Mo das Thema “falscher Journalismus” unter dem Titel “Alles Lüge oder was?”. Aufhänger seines Vortrags war die gleichnamige Reportage der ARD, die am 26. Oktober ausgestrahlt wurde und sich dem Thema der Nachtrichtenmanipulation widmet.

Mos Einstieg in den Vortrag rüttelte uns wach. Er zeigte uns ein Video, das seit Monaten im Internet kursiert. Zu sehen ist ein zwölfjähriger Junge, der mit einer Waffe auf zwei vor ihm kniende, enttarnte russische Spione zielt. Und schießt. Angeleitet wird er von zwei Kämpfern der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS). Eine brutale Hinrichtung. Die Bilder sehen erschreckend echt aus. Sind sie aber nicht. Der BND hat das Video analysiert, Sequenz für Sequenz, Bild für Bild. “Wir können ausschließen, dass diese Männer während dieser Aufnahmen ermordet wurden”, sagte ein BND-Experte der Tagesschau. Damit hat der BND herausgefunden, dass das Video gefälscht ist. Es handelt sich möglicherweise um ein Propaganda-Video, das weitere Kinderkämpfer anwerben oder Spione abschrecken soll.

Nie war es leichter, Propaganda zu betreiben

Beispiele wie dieses gibt es etliche. Durch das Internet ist es jedem möglich, eigens produzierte Inhalte ohne viel Aufwand zu verbreiten. Mit dem Handy in der Hosentasche kann jeder zum Amateur-Reporter werden. Stark dezimierte Nachrichtenredaktionen nehmen diese authentisch wirkenden Inhalte dankend an. Denn welche Redaktion kann es sich heute noch leisten, einen eigenen, geschulten Reporter loszuschicken? Ob diese Inhalte nun echt sind oder nicht, wird im Redaktionsalltag häufig nicht mehr hinterfragt. Schließlich muss alles schnell gehen. Die gezielte Verbreitung von Falschmeldungen und Propaganda wird so zum Kinderspiel. Die unzähligen Möglichkeiten des Internets und der ökonomische Druck, unter dem Redaktionen leiden, gehen dabei Hand in Hand.

Dabei sind die Unabhängigkeit der Redaktion und die Objektivität der von ihr verbreiteten Inhalte zwei der höchsten journalistischen Gebote. Für uns Journalisten ist es enorm wichtig, falsche Informationen zu erkennen und dementsprechend zu handeln – beziehungsweise nicht zu handeln, sprich: nicht darüber zu berichten. Doch ist das wirklich der richtige Weg? Diese Fragen diskutierten wir im Anschluss an Mos Vortrag untereinander und mit den Dozenten. Wie kontrovers dieses Thema ist, zeigte unsere Uneinigkeit. Manch einer sprach sich dafür aus, Informationen aus Quellen, deren Seriosität wir nicht garantieren können, nicht zu verbreiten. Andere plädierten dafür, dies auf jeden Fall zu tun, seine Rezipienten jedoch über die Fragwürdigkeit dieser Quellen zu informieren.

Das Thema wird auch in den nächsten Jahren eine der größten Herausforderungen des Journalismus darstellen. Ein Königsweg im Umgang mit fragwürdigen Quellen wird wohl nicht gefunden werden. Eine große Hilfe für den Redaktionsalltag kann aber die Plattform stopfake darstellen, die manipulierte Quellen in verschiedenen Sprachen darstellt und korrigiert.

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StopFake.org – eine Plattform, die von Journalismus-Studenten ins Leben gerufen wurde, um Falschmeldungen transparent darzustellen und zu korrigieren | Quelle: stopfake.orga

Zur ARD-Reportage “Alles Lüge oder was?”

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