Akte Trump: Falschaussagen, Schnellschüsse und Medienversagen

Medienmacher und Journalisten sind weder Propheten noch Hellseher, das ist klar. Als Sprachrohr einer Gesellschaft sollten sie aber verschiedene Strömungen erkennen,  angemessen aufgreifen und ihnen ganz bewusst etwas entgegensetzen können. Ob das immer so klappt? Die Berichterstattung zur vergangenen US-Wahl zeigt: Wir müssen reden!

von Lisa-Marie Vogler 

Medienversagen

Nach Donald Trumps Sieg am 8. November ist die Rede von Medienversagen und Falschmeldungen. Waren die Medien der Beginn und das Rückgrat von Trumps Kampagne und haben ihm somit zum Sieg verholfen? Journalist Sascha Lobo sagt „Ja“. In seinem Artikel „Wir müssen aus unseren Fehlern lernen. Sonst ist Trump unser kleinstes Problem“ ist er selbstkritisch und gibt zu, dass man Donald Trump als Kandidat und die US-Bürger als Wähler unterschätzt hat.

„Vorhersagen der Zukunft aus Daten der Vergangenheit und Gegenwart können immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zutreffen. Der Realität entsprechen sie nicht. Erst recht nicht, wenn es um die Unwägbarkeiten menschlichen Verhaltens geht.“

– Sascha Lobo, 09.11. Spiegel Online

Es ist richtig, keines der großen Medienhäuser hat die “lauernde Gefahr” erkannt. Aber Journalisten besitzen keine Kristallkugel, mit deren Hilfe sie den Sieg hätten vorhersehen können. Wir stützen uns auf Umfragewerte. Denn auch wir können nicht in die Köpfe der schweigenden Mehrheit hineinblicken. Aber eins steht fest: Wir sollten sie nicht ignorieren!

Falschaussagen und Lügen

Lügen über Lügen – für viele Klicks und große Reichweiten. Reißerische Überschriften, wenig Content. Der erste sein wollen, komme was wolle. Durch die Sozialen Netzwerke geteilte Inhalte landen in den Redaktionen der großen Nachrichtenportale, Facebook wird zur Lügenschleuder und alle fallen darauf rein. Ob Behauptetes der Wahrheit entspricht, ist in erster Instanz egal.

Die Nachrichtenseiten waren während des US-Wahlkampfs geprägt von Lügen und Falschmeldungen. Das Prekäre daran: Einige von ihnen hatten sich angeblich eine Gruppe Teenager aus Mazedonien ausgedacht. Diese handelten weniger aus politischem Interesse, als aus monetären Gründen und streuten Artikel „pro Trump“ ins World Wide Web. Ganz ungefiltert gelangten diese Fake-News durch Social-Media-Kanäle in viele Redaktionen und fanden so großes Gehör. 

Auch nach dem Sieg Trumps fand der Spuk um Falschmeldungen zu Trump kein Ende. Die Medien versuchten zu ordnen: Wer ist dieser Donald Trump überhaupt? Was sind mögliche Folgen für die USA und für die ganze Welt? Allerdings schürten besonders diese Annahmen Angst. Deswegen setzten viele Medien zu Beruhigungsversuchen an.

So versuchten zum Beispiel auch die „Tagesthemen“ am 10. November zu beschwichtigen:

“Doch die meisten seiner Pläne sind bisher nicht viel mehr als Gedankenspiele und Worthülsen. Zwei seiner umstrittensten Forderungen sind inzwischen von der Homepage verschwunden: der Einreisestopp für Muslime und die Kündigung des Klimapaktes.”

Allerdings waren genau diese Forderungen schon vor der Wahl, während der Wahl und einige Tage danach von der Website verschwunden und sind inzwischen wieder dort zu finden.

Wie kommt es zu solchen Schnellschüssen der Medien? Schnelllebigkeit ist hier ein großes Problem. Die Medien stehen unter Druck. Sie wollen die ersten sein, um die Klickzahlen hoch zu halten. Es fehlt schlichtweg die Zeit, alles auf Richtigkeit zu prüfen.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen den Medien nicht mehr glauben. Stichwort: “Lügenpresse”. Wie kann man dieser Strömung etwas entgegensetzen? Wird diese Meinung durch das Streuen von ungeprüften Inhalten nicht noch verstärkt? Medienmacher sollten sich an dieser Stelle wieder mehr als Faktenchecker verstehen. Qualität statt Quantität. Ein kurzer Post “Es gibt da gerade eine Meldung und wir recherchieren nun die Hintergründe” könnte ein möglicher Ansatz sein, um dem Rezipienten zu zeigen, dass qualitative Beiträge produziert werden. Viele von ihnen wissen zudem nicht, woran sie gute journalistische Qualität erkennen können. Redaktionen müssen sich darüber klar werden, wie für sie der Qualitätsanspruch lautet und diesen klar kommunizieren. Hilfreich könnte es auch sein, wenn junge Menschen die Grundsätze des Journalismus schon in der Schule lernen. Man sollte ihnen beibringen, was guten Journalismus ausmacht und wie sie ihn erkennen.

Aber vor allem eins müssen wir Medienmacher uns zu Herzen nehmen: Wir haben die Möglichkeit zu entscheiden, wie wir künftig die Medienwelt gestalten wollen. Ob wir ungeprüft Inhalte in Artikeln verarbeiten, über Social-Media-Kanäle weiterverbreiten oder sie aufgreifen, uns Zeit nehmen sie zu überprüfen und wahrheitsgetreu wieder in Umlauf bringen. Es liegt an uns aus Lügenpresse, Qualitätsjournalismus zu machen.

Bild: Flickr/Jamelle Bouie, Quelle: http://bit.ly/2fHQalK