Die Medien und die Fußball-EM

 

Zeit, dass sich was der-oleole-het

In der letzten Wochenschau für dieses Semester drehte sich alles ums Runde – nämlich um Fußball. Die Europameisterschaft in Frankreich sorgte in den hiesigen Medien für allerlei Gesprächsstoff. Angefangen von Streik, über pöbelnde Hooligans bis zu unserem Bundestrainer, der einfach nicht die Finger aus der Hose lassen konnte. Zwei Themen zur EM 2016 erschienen uns jedoch besonders relevant für unsere Medienentwickler und wurden in der großen Runde hitzig diskutiert.

von Sonja Petrullat und Paul Schönwetter

Shitstorm über Claudia Neumann

Als erste Frau moderiert Claudia Neumann am 11. Juni ein Europameisterschaftsländerspiel der Männer. Die Partie Wales gegen Slowakei ist kein Publikumsmagnet – doch trotzdem spricht in den nächsten Tagen ganz Deutschland darüber. Es geht nicht um das Spiel, sondern um die Frau, die es kommentiert. In den Sozialen Medien bricht von vielen Fronten ein Shitstorm über Claudia Neumann los. Neben der ein oder anderen sachlichen Anmerkung ist es allem chauvinistische Hetze, die das Thema über diverse Medien als Lautsprecher verstärkt, in unser Blickfeld spült.

Im Fußball sind weibliche Reporter nicht gerne gesehen

In der Medienentwickler-Runde entbricht eine lebhafte Diskussion. Wir reden darüber, dass Frauen als Berichterstatter inzwischen in den meisten journalistischen Disziplinen angekommen sind – nur im Sport, besonders im Fußball, sei das noch nicht so. Kaum zu fassen ist es, dass erst 2011 eine Frau zum ersten Mal ein Länderspiel der FRAUEN moderieren durfte. Und auch er Aufschrei dieser Tage zeigt: Die Gesellschaft scheint noch nicht so ganz bereit dafür zu sein, dass Frauen auch die „letzte Bastion der Männer“ einnehmen.

Einige aus unserer Runde hatten das Spiel gesehen. Als Zusammenfassung der geäußerten Meinungen sagt Francine:

„Viele der Kommentare in den Sozialen Netzwerken deuten ja darauf hin, Neumann habe ihre Sache schlecht gemacht – was ich so nicht unterschreiben würde. Sie war aufgeregt und hat sich an der ein oder anderen Stelle nicht ganz so pointiert ausgedrückt, wie es ihre männlichen Kollegen gemacht hätten. Ansonsten war sie fachlich gut drauf und ein bisschen Aufregung ist ja auch normal, oder?“

Wir sind uns einig: Das ZDF hat gut daran getan, eine Frau auf den Kommentatorensitz zu setzen. Nicht nur, dass der Sender damit ein gesellschaftlicher Vorreiter ist, er hat damit auch eine Diskussion losgetreten, die es wert ist zu führen.

Selektive Übertragung der Uefa

Und auch das zweite Thema, was uns beschäftigte, war eines zur Europameisterschaft. Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF zahlen eine Menge Geld dafür, die EM-Spiele übertragen zu dürfen – darf aber nur eingeschränkt zeigen, was sie möchte. Denn für die Regie ist der europäische Fußballverband Uefa zuständig. Im Sinne einer schlechten Krisenkommunikation und der hauseigenen PR will diese natürlich nur friedlich-fröhliche Bilder eines tollen Fußballfestes senden.

Welche Verantwortung haben ARD und ZDF?

Als beim Spiel England gegen Russland nach Schlusspfiff Hooligans brutale Schlägereien auf den Tribünen anzettelten, bekam das ZDF seitens der Uefa keinerlei Bilder davon geliefert – zu brutal seien diese, hieß es später. Erst einen Tag später zeigte die ARD mit einer eigenen Kamera Bilder der schrecklichen Szenen abseits des Rasens – ein Protest der beiden deutschen Fernsehsender bei der Uefa folgte.

Wie viel Verantwortung haben die Sender, als demokratisches Medium selbst gegen die PR-Strategie der Uefa mit eigenen Kameras kritischen Journalismus zu liefern? Manche aus der Diskussionsrunde, darunter unser PR-Professor Thomas Pleil, könnten sich eine Kooperation mit verschiedenen ausländischen TV-Sendern vorstellen, um sich Spielorte aufzuteilen und somit Kosten einzusparen.

Unser Studiengangsleiter Professor Dr. Lorenz-Meyer gibt zu bedenken, dass in der heutigen Medienzeit sowieso „nichts geheim bleiben“ könne – Handyvideos, Beiträge in Sozialen Netzwerken etc. ließen PR-Strategien wie die der Uefa schnell alt aussehen lassen.

Wie Ihr seht gibt es einige Mediendebatten zur Europameisterschaft, die kritisch betrachtet werden sollten – und trotzdem wünschen wir allen weiterhin viel Spaß beim Fußball gucken!