Journalist sein oder nicht sein – das ist hier die Frage

Journalismus oder Corporate Publishing? Bin ich noch Journalist, wenn ich im Corporate Publishing arbeite? Sind beide Bereiche miteinander vereinbar? Auf diese und weitere Fragen haben wir heute Antwort bekommen. In unserer letzten Labor-Veranstaltung für das erste Semester schalteten wir nämlich Alexander Zimmermann via Skype zu, der selbst vom Journalismus zum Corporate Publishing gewechselt ist. Wieso, weshalb, warum erfahrt ihr jetzt:

Von Tanja Duda

Alexander Zimmermann war Journalist – und das ziemlich lange. Er arbeitete bei einer Lokalzeitung, der FAZ und schrieb sogar ein Buch. Kurzum, er war durch und durch Journalist, bis ihm das alles zu langweilig und vielleicht sogar ein bisschen zu anstrengend wurde. Warum der 29-Jährige heute im CP arbeitet (für das BMW-Magazin in München), hat er uns verraten.

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Quelle: Tanja Duda

Als erstes stand die Frage im Raum, warum Zimmermann überhaupt zum Corporate Publishing (CP) gewechselt ist. Dabei ginge es nicht um finanzielle Gründe, nein. Vielmehr wurde ihm die Arbeit als Lokaljournalist zu eintönig. Alles habe sich wiederholt, was in erster Linie daran lag, dass er bereits alle Leute, Veranstaltungen und vor allem die Branche sehr gut kannte. Er habe sich nach Herausforderungen im Arbeitsalltag gesehnt, weshalb er sich gegen den Journalismus und für das CP entschieden hat. Doch das war nicht der einzige Grund. Alexander Zimmermann störte sich zudem an der häufig selbstbemitleidenden Haltung der Journalismus-Branche – im Sinne von “uns geht es schlecht, aber wir wollen nichts dagegen tun.” Ihm sei das vor allem im Lokaljournalismus aufgefallen.
Doch vor allem die neuen Möglichkeiten im CP begeisterten ihn schnell: Es wird anders produziert, recherchiert und als Schreiber hat man mehr Zeit für die Inhalte, was ihn dabei besonders reizte.

Frei sein

Auch auf die direkten Gemeinsamkeiten und Unterschiede ging Zimmermann in unserem Gespräch ein. Zum Einen seien die Abstimmungsschleifen im CP größer, das kenne man im Journalismus in dieser Größenordnung nicht. Weitere Unterschiede seien natürlich auch die Finanzierung und Freigabeprozesse, die im Journalismus einen viel kürzeren Weg zurücklegen. Dabei erwähnt Zimmermann aber auch, dass die Freiheit im Tagesjournalismus leider häufiger auch nicht ganz so frei sei, wie sie es vielleicht sein sollte.
Gemeinsamkeiten erläuterte er insofern, dass die Textarten prinzipiell immer die gleichen seien – eine journalistische Reportage entstehe auch im CP nach den typischen Merkmalen, nur dass in einem CP-Magazin gezielt auf ein Produkt, wie in seinem Fall Autos, eingegangen wird.

Doch auch das Arbeiten im CP sei nicht immer das Gelbe vom Ei. Den 29-Jährigen stört vor allem, dass man manchmal doch zurückrudern muss, weil der Kunde nicht zufrieden ist – auch wenn man selbst sehr überzeugt von der eigenen Arbeit ist. Denn im CP sitze der Texter häufiger am kürzeren Hebel, als es im Journalismus der Fall ist. Das hingegen möge er sehr am Journalismus: Dass man freier ist und keinen expliziten Vorschriften nachgehen müsse – zumindest theoretisch. Das Schreiben spielt im Arbeitsalltag von Alexander Zimmermann heute aber nur noch eine sehr kleine Rolle. Er ist mittlerweile eher konzeptionell unterwegs.

Der Sprung vom Journalismus in die PR – und andersherum 

Doch bedeutet einmal im CP tätig zu sein, immer CP’ler zu sein? Zimmermann findet: Nein. Man müsse nur beide Bereiche gut voneinander trennen können und journalistische Denkweisen im CP ablegen können – und andersherum genau so. Auch als langjähriger Corporate Publisher könne man wieder einen renommierten Job im Journalismus annehmen, wenn man den möchte.
Hierbei kam schnell die Frage auf, wie es sich für Zimmermann in seinem Selbstverständnis anfühle, vom Journalismus in die PR gegangen zu sein. Er antwortete, dass er sich heute nicht mehr als Journalist fühle, was aber nicht zwingend am CP liege. Er habe einfach das Selbstverständnis “Journalist zu sein” abgelegt dann habe das alles einfach funktioniert.

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Quelle: Tanja Duda

Auf die Frage, ob es einen Königsweg ins CP gibt und was man dabei können haben muss, hatte Alexander Zimmermann auch eine Antwort für uns: Die Grundvoraussetzung sei, ein Gefühl für Themen zu haben. Und auch der Umgang mit Menschen sei sehr wichtig. Gute Texte zu schreiben sei das eine, das andere sei allerdings, auch spannende Geschichten aus Menschen herauskitzeln zu können. Wie man unschwer erkennen kann, handelt es sich hierbei um typische Dinge, die zum Handwerk jedes guten Journalisten gehören. Viele, verrät Zimmermann, kommen sowieso aus dem Journalismus zum CP.

Ethos und Zukunft

Im weiteren Gespräch haben wir auch über persönliche Grenzen von Zimmermann gesprochen, was die Arbeit als Corporate Publisher angeht. Hierbei ist ihm sein eigener Ethos sehr wichtig. Für die Pharmaindustrie beispielsweise würde er nie arbeiten wollen – man müsse sich schließlich noch selbst im Spiegel anschauen können.
Und seine Zukunft? Zimmermann schließt nicht aus, irgendwann wieder als Journalist zu arbeiten. Das Schreiben fehle ihm aktuell. Zum Lokaljournalismus hingegen möchte er nicht mehr zurück. Doch zur Zeit gefällt ihm, was er tut.